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StudieKaum Ostdeutsche in Toppositionen in Bundesministerien

von Andre Seifert, MDR AKTUELL

Stand: 13. Januar 2022, 20:36 Uhr

Ostdeutsche sind in der Bundesrepublik selten in Führungspositionen vertreten – egal ob in der Wirtschaft oder Politik. Das zeigt auch aktuell eine Studie der Uni Kassel: In den Bundesministerien sind Spitzenpolitiker und -beamte aus Ostdeutschland weiterhin sehr rar.

Antje Draheim ist eine Besonderheit: Die Rostockerin ist seit Anfang Dezember Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium. Und damit aktuell die einzige Spitzenbeamtin in den Bundesministerien, die im Osten aufwuchs. Das geht aus einer Untersuchung der Universität Kassel hervor, wonach in Toppositionen in Ministerien seit Jahrzehnten ein Ungleichgewicht herrscht.

Ende Amtszeit Merkel: Ein Prozent Ostdeutsche in Spitzenpositionen

Die Uni Kassel kommt dabei zu dem Schluss: "Man sucht aus Ostdeutschland stammende Spitzenbeamtinnen und Spitzenbeamte in der gesamtdeutschen Verwaltungselite bis heute fast vergeblich."

Unter Staatssekretären und Abteilungsleitern in Bundesministerien und im Kanzleramt habe der Anteil der Ostdeutschen bis zum Ende der dritten Amtszeit von Angela Merkel meist bei rund einem Prozent gelegen, geht aus der Studie hervor. In der ersten Amtszeit von Gerhard Schröder und in der ersten Amtszeit von Angela Merkel habe es hingegen überhaupt keine Ostdeutschen in diesen Positionen gegeben.

3.600 Karriere-Biografien seit Kaiserzeit ausgewertet

Die Uni Kassel hat nach eigenen Angaben fast 3.600 Karriere-Biografien von der Kaiserzeit bis heute ausgewertet. Die Wissenschaftler unterschieden dabei zwischen Beamten und Regierungsmitgliedern, also zwischen der politischen und der Verwaltungselite. Während es zurzeit in der Verwaltungselite bis auf die Rostockerin Antje Draheim gar keine Ostdeutschen gibt, sieht es in der politischen Elite etwas besser aus.

Aktuelles Kabinett: Anteil Ostdeutscher bei neun Prozent

Hier kommt die Universität zu dem Ergebnis: "In der politischen Elite, also an den Kabinettstischen, ist der Anteil Ostdeutscher traditionell etwas höher, aktuell ist er mit rund neun Prozent aber niedriger als in den meisten Vorgängerregierungen nach 1990."

In der Ampelregierung gebe es mit Clara Geywitz und Steffi Lemke zwei ostdeutsche Ministerinnen und mit Reem Alabali-Radovan, Carsten Schneider und Michael Keller drei weitere in Ostdeutschland aufgewachsene Personen unter den Parlamentarischen Staatssekretären bzw. Staatsministern, betonen die Autoren und Autorinnen der Studie. Ostdeutsche sind – bei einem Bevölkerungsanteil von 15 Prozent – in Bundesministerien also deutlich unterrepräsentiert.

Frauenanteil in Verwaltungselite stetig gestiegen

Der Anteil der Frauen dagegen ist in den vergangenen 30 Jahren stetig gestiegen, auch das zeigt die Studie der Uni Kassel. Ende der 1990er Jahre waren die Spitzenbeamten der Bundesrepublik fast ausschließlich männlich. Seit der Jahrtausendwende kam es dann zu einem Anstieg von rund sieben Prozent unter Kanzler Gerhard Schröder bis zu mehr als 20 Prozent in der dritten Amtszeit Angela Merkels. Unter der neuen Ampelregierung ist der Frauenanteil unter den Staatssekretären mit deutlich über 40 Prozent so hoch wie nie zuvor.

Dieses Thema im Programm:MDR AKTUELL | MDR AKTUELL RADIO | 13. Januar 2022 | 09:05 Uhr