Kommentar zur Rente ab 68 Tricksen und täuschen – Wie die Jungen bei der Rente zur Kasse gebeten werden sollen

Bei den aktuellen Plänen zur Rente mit 68 wird wieder an einem bereits krankenden System gedoktert, kritisiert MDR-Wirtschaftsredakteur Frank Frenzel. Er erklärt, warum sich die falschen Leute damit beschäftigt haben.

Geldstücke und Rente
Das Expertengremium erzeugt einen mehr als faden Beigeschmack: Dahinter stehen vor allem verbeamtete Professoren. Sie können mit einer Pension rechnen, die 72 Prozent ihres letzten Gehaltes beträgt. Bildrechte: imago/Steinach

Länger arbeiten, mehr einzahlen, weniger Rente - das sind kurz und knapp die Pläne des Expertenbeirates des Bundeswirtschaftsministers Peter Altmaier für eine neue Rentenreform. Rente mit 68? Schön wär´s!

Wer die Pläne in Gänze liest, erkennt: Die Grausamkeiten für die jüngere Generation sind noch viel größer als bisher kommuniziert.

Rechen- und Statistiktricks der Experten

Ein heute 39 Jahre alter Arbeitnehmer wird erst im Jahr 2050 mit 68,6 Jahren in Rente gehen. Noch jüngere dürfen sich wohl auf eine Rente mit 70 einstellen. Mit allerlei Rechen- und Statistiktricks, versuchen die Experten ihre "Reform" erträglich aussehen zu lassen.

So soll das Rentenniveau von 48 Prozent, das nach aktuellem Gesetz nicht unterschritten werden darf, künftig weiter gelten. Allerdings nur zum Schein. Tatsächlich wird es weiter gesenkt. Wer es z.B. bis ins Alter von 85 Jahren schafft, hat dann nur noch ein Sicherungsniveau von 38 Prozent zu erwarten, wie der Beirat in einer Beispielrechnung selbst beschrieben hat. Rentner werden im Verhältnis zum Rest der Gesellschaft ärmer. 

Vorschläge verbeamteter Professoren, die mit üppigen Pensionen rechnen können

Sicher – Mathematik lässt sich nicht überlisten. Die Menschen werden immer älter, beziehen länger Rente, die Rentenkasse gerät in Schieflage. Es muss gegengesteuert werden. Nur: Erschreckend ist die Einfallslosigkeit, mit der die Experten des Wirtschaftsministers agieren. Sie doktern an einem kranken System herum, das ohne echte Reformen kaum noch zu retten ist.

Die junge Generation darf weiter die Zeche zahlen: Steigende Rentenbeiträge, weniger Rente, nebenbei noch die Kosten der Klimarettung schultern und – ach ja – die immensen Kosten für die Pensionen von Politikern und Beamten bezahlen. Geradezu unerträglich wirken deshalb Vorschläge, wenn sie hochbezahlte verbeamtete Professoren servieren, die mit knapp 72 Prozent ihres letzten und damit höchsten Bruttogehalts in Pension gehen dürfen und nicht mal ansatzweise darüber nachdenken, welchen Beitrag sie selbst für ein gerechtes und solidarisches Alterssicherungssystem zu tragen bereit sind.

Struktur der gesetzlichen Rente wird nicht hinterfragt

Gewiss, die Experten weisen am Anfang ihres Reformpapiers darauf hin, sich nur im Rahmen des bestehenden Systems der gesetzlichen Rente bewegen zu wollen.

Also, keine Einbeziehung von Beamten oder Selbständigen in die gesetzliche Rente. Auch keine Vorschläge zu mehr Betriebsrenten oder aktienbasierten Staatsfonds. Und auch kein Blick über den Tellerrand hinaus – wie es andere Länder besser machen.

Aber: Darüber nachdenken ist nicht verboten! 

Rente ist gar nicht Bundeswirtschaftsminister Altmaiers Fachgebiet!

Und dem Auftraggeber der Reformpläne, Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU), sei gesagt: Sie befinden sich auf dem falschen Spielfeld. Der Ball für eine Rentenreform liegt im Spielfeld des Bundesministers für Arbeit und Soziales.

Dennoch herzlichen Dank, wissen wir doch jetzt, was Sie und vermutlich auch Ihre Partei, für künftige Rentner planen. Schön, diese Ehrlichkeit, so kurz vor der Bundestagswahl.

 

Quelle: MDR Umschau

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Umschau | 08. Juni 2021 | 20:15 Uhr

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