Trotz Vollzeitbeschäftigung Jedem Dritten droht Rente unter 1.300 Euro

Jedem dritten Beschäftigten in Deutschland droht derzeit nach 45 Berufsjahren in Vollzeit eine Bruttorente von unter 1.300 Euro im Monat. Nach Abzug von Kranken- und Pflegeversicherung bedeutet das netto etwa 1.160 Euro an Altersbezügen.

Eine Frau mit einem Rollator
Jedem dritten Deutschen in Vollzeitarbeit droht nach 45 Beitragsjahren eine geringe Rente. Bildrechte: dpa

  • Jedem dritten Vollzeitbeschäftigten droht niedrige Rente
  • Linke: Im Osten jeder Zweite betroffen
  • Bartsch fordert höheres Rentenniveau

Jedem dritten Beschäftigten in Deutschland droht nach 45 Berufsjahren in Vollzeit eine Bruttorente von unter 1.300 Euro im Monat. Das berichten die Zeitungen der Funke Mediengruppe unter Berufung auf eine Antwort des Bundesarbeitsministeriums auf eine Anfrage der Linken im Bundestag.

Nach Abzug von Kranken- und Pflegeversicherung ergebe das netto etwa 1.160 Euro. Beim derzeitigen Rentenniveau müssen Beschäftigte demnach mindestens 2.800 Euro im Monat brutto verdienen, um auf eine gesetzliche Brutto-Rente von 1.300 zu kommen. Wer im Alter auf 1.500 Euro Rente kommen will, muss demnach nach derzeitigem Stand monatlich mindestens 3.200 Euro brutto in Vollzeit verdienen. Um 2.500 Euro brutto von der Rentenversicherung zu erhalten, sei aktuell ein Monatslohn von 5.350 Euro vor Steuern und Abgaben erforderlich.

Eine Seniorin haelt Geldscheine in ihrer Hand. 26 min
Bildrechte: MDR/imago/epd

Jeder Zweite im Osten betroffen 

Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch sagte den Zeitungen der Funke-Mediengruppe, es sei "inakzeptabel", dass einem Drittel der Beschäftigten nach 45 Jahren Vollzeitarbeit eine nur schmale Rente drohe. Im Osten sei sogar jeder zweite betroffen. Die Zahlen der Bundesregierung zeigten, "dass viele Arbeitnehmer nicht nur zu wenig verdienen, sondern auch zu wenig Rente für ihre Lebensleistung erhalten". 

Bartsch fordert Rentenniveau von über 50 Prozent

Es untergrabe das Vertrauen in die gesetzliche Rentenversicherung, "wenn nach einem kompletten Arbeitsleben nur wenige hundert Euro über Hartz-IV-Niveau bleiben". Bartsch forderte, das Rentenniveau müsse mindestens auf über 50 Prozent steigen. Das Niveau lag laut dem Rentenversicherungsbericht 2021 zuletzt bei 49,4 Prozent.

Das Bundesarbeitsministerium verwies in seiner Antwort auf die Anfrage darauf, dass die Auswertung der Zahlen keine direkten Aussagen zur Verdiensthöhe im Lauf eines gesamten Arbeitslebens zuließe. Es könne in Zukunft Lohnerhöhungen geben, die für die aktuellen Erhebungen noch nicht berücksichtigt werden konnten.

AFP,Epd,Reuters(nvm)

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Umschau | 09. November 2021 | 20:15 Uhr

34 Kommentare

hansfriederleistner vor 26 Wochen

Mit Gewerkschaft und Arbeitgebern als Verhandlungspartner für Löhne und Arbeitsbedingungen gehe ich konform. Es gibt aber auch Gewerkschaftsbosse, die sich böse vergaloppiert haben und glaubten ihnen gehört die IG. Und wer die Geburt Christi leugnet braucht auch kein Weihnachten mit allem Drumherum. Das ist genauso hilflos wie ihre Ausgrenzung.

Maria A. vor 26 Wochen

Also, Hut ab für 49 Arbeitsjahre. Davon, wie auch von 50 Beitragsjahren, sprechen meist Männer. Ab und zu wird es auch Frauen geben, die es auf ein ähnlich hohes Maß von Arbeitsjahren in Vollzeit bringen. Aber dass Frauen gar nicht berufstätig waren und mehr Rente bekommen sollen, als die vorher Genannten, ist suspekt. Ich dachte, es spielt auch die Höhe der abgeführten Beiträge noch mit. Ich habe es wegen der mir damals regelrecht aufgedrängten Altersteilzeitregelung nur auf 48 Beitragsjahre gebracht. Da in der DDR die Gehälter niedrig waren, kann es durchaus sein, dass die bayerische Mehrfachmutter eine höhere Rente bezieht, als ich. Aber angesichts der zahllosen Erwerbsbrüche bei Gleichaltrigen im Osten bin ich für meine nahtlose Erwerbszeit im vereinten Deutschland dankbar. Es kam ab da endlich was drauf, auf's Punktekonto. Für ein schlichtes Altersasein reicht meine Rente jedenfalls aus und mit den Wessis scheue ich aus gutem Grund jeden Verlgeich.

Erichs Rache vor 26 Wochen

@astrodon

Nein. Es ist mir nicht klar, dass im bevölkerungsREICHSTEM Land Europas SEIT 30 JAHREN die WENIGSTEN Kinder geboren werden!

Das hat GANZ OFFENSICHTLICH etwas mit der steuerlichen Politik und tausendfach fehlenden Kiderbetreuungsmöglichkeiten zu tun!

Sie können sich hierzu gern in den Bericht der Enquête-Kommission des Deutschen Bundestages zum "Demographischen Wandel“ einlesen:

„Die Steuer-, Abgaben- und Sozialsysteme müssen so umgestaltet werden, dass sie sich im Hinblick auf verschiedene familiale Lebensformen – Einverdienerehe, Berufstätigkeit beider Elternteile bei gleichzeitiger externer Kinderbetreuung – zumindest neutral verhalten und die negativen Anreize für die Berufstätigkeit beider Eltern ab gebaut werden. Grundsätzlich dürfen Eltern nicht – auch nicht mittelbar – im Erwerbsleben benachteiligt werden. ...."

Vgl. Deutscher Bundestag, Drucksache 14/8800,

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