Ukraine-Konflikt Marine-Chef tritt nach umstrittenen Aussagen zurück

Der Inspekteur der Deutschen Marine, Kay-Achim Schönbach, tritt zurück. Am Freitag hatte er den befürchteten Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine als "Nonsens" bezeichnet und dafür viel Kritik geerntet.

Vizeadmiral Kay-Achim Schönbach, Inspekteur der Deutschen Marine, im Marinekommando.
Vizeadmiral Kay-Achim Schönbach ist am Samstag von seinem Posten als Marine-Chef zurückgetreten. Bildrechte: dpa

Der deutsche Marine-Chef Kay-Achim Schönbach räumt nach umstrittenen Äußerungen zum Ukraine-Konflikt seinen Posten. "Ich habe soeben die Frau Bundesministerin der Verteidigung gebeten, mich von meinen Aufgaben und Pflichten als Inspekteur der Marine mit sofortiger Wirkung zu entbinden," gab der Vizeadmiral am Samstagabend in einer Mitteilung bekannt.

Schönbach: "Unbedachte Äußerungen"

Grund seien seine "unbedachten Äußerungen zu Sicherheits- und Militärpolitik", die zunehmend auf seinem Amt lasteten. "Um weiteren Schaden von der Deutschen Marine, der Bundeswehr, vor allem aber der Bundesrepublik Deutschland zu nehmen, halte ich diesen Schritt für geboten", teilte Schönbach mit.

Verständnis für Putin

Schönbach hatte am Freitag bei einem Besuch in Indien den von westlichen Staaten befürchteten Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine als "Nonsens" bezeichnet. Was Russlands Präsident Wladimir Putin wirklich wolle, sei "Respekt auf Augenhöhe", sagte der Vizeadmiral. "Es ist leicht, ihm den Respekt zu geben, den er will - und den er wahrscheinlich auch verdient."

Schönbach sieht Krim für Ukraine verloren

Schönbach hatte am Freitag ebenfalls gesagt, die Halbinsel Krim sei für die Ukraine verloren: "Die Krim-Halbinsel ist weg, sie wird nie zurückkommen, das ist eine Tatsache." Damit widersprach er der von Deutschland und seinen westlichen Partnern vertretenen Position. Das Bundesverteidigungsministerium distanzierte sich daraufhin von Schönbachs Äußerungen.

Ukrainischer Botschafter nicht zufrieden

Der ukrainische Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk, bezeichnete den Rücktritt Schönbachs als unzureichend. "Wir begrüßen zwar, dass Herr Schönbach seinen Rücktritt angeboten hat", sagte Melnyk der "Welt".

Der Eklat hinterlasse aber "einen Scherbenhaufen" und stelle "die internationale Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit Deutschlands - nicht nur aus ukrainischer Sicht - massiv in Frage". Schönbachs Aussagen hätten "die gesamte ukrainische Öffentlichkeit in tiefen Schock versetzt".

100.000 russische Soldaten an ukrainischer Grenze

Russland hatte die Krim 2014 in einem international nicht anerkannten Schritt annektiert und unterstützt zudem Separatisten im Osten der Ukraine. Gegenwärtig hat Russland nahe der ukrainischen Grenze rund 100.000 Soldaten zusammengezogen. Die Regierung in Moskau weist den Vorwurf einer geplanten Invasion zurück und fordert ihrerseits eine Garantie der Nato, die Ukraine nicht in das Bündnis aufzunehmen.

Der Westen hat dies seinerseits zurückgewiesen und erklärt, ein Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine würde schwerwiegende politische und wirtschaftliche Folgen haben.

dpa, AFP (mkr)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 22. Januar 2022 | 22:00 Uhr

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