Parteivorsitz Linken-Ko-Chefin Hennig-Wellsow tritt zurück

Die Ko-Chefin der Linken, Hennig-Wellsow, ist am Mittwoch mit sofortiger Wirkung zurückgetreten. Das teilte die Politikerin auf ihrer Website mit. Hennig-Wellsow führte die Linke gemeinsam mit Janine Wissler seit Ende Februar 2021. Hennig-Wellsows Landesverband Thüringen reagierte überrascht auf den Rücktritt. Die Linken-Vorsitzende Wissler will die Partei nun bis auf Weiteres alleine führen.

Susanne Hennig-Wellsow (Die LINKE)
Seit Ende Februar 2021 führte Hennig-Wellsow zusammen mit Wissler die Partespitze an. Bildrechte: IMAGO / Karina Hessland

Die Ko-Bundesvorsitzende der Linkspartei, Susanne Hennig-Wellsow, hat ihren Rücktritt bekannt gegeben. Sie schrieb am Mittwoch auf ihrer Webseite, dass sie ihr Amt mit sofortiger Wirkung zur Verfügung stelle.

Private wie politische Gründe

Als Gründe nannte sie ihre private Lebenssituation, den Umgang mit Sexismus in den eigenen Reihen sowie die dringend notwendige Erneuerung der Partei, für die neue Gesichter nötig seien. Hennig-Wellsow führte die Linke gemeinsam mit Janine Wissler seit Ende Februar 2021.

"Wir haben zu wenig von dem geliefert, was wir versprochen haben", erklärte Hennig-Wellsow in einem Statement, das sie auf ihrer Website veröffentlicht hat. "Ein wirklicher Neuanfang ist ausgeblieben. Eine Entschuldigung ist fällig, eine Entschuldigung bei unseren Wählerinnen und Wählern, deren Hoffnungen und Erwartungen wir enttäuscht haben."

Vernichtendes Fazit zum Zustand der Partei

Hennig-Wellsow zog ein vernichtendes Fazit des aktuellen Zustands der Linkspartei: "Das Versprechen, Teil eines Politikwechsels nach vorn zu sein, konnten wir aufgrund eigener Schwäche nicht einlösen", schrieb sie. "Zu wenige Menschen glaubten uns, dass wir bereit und in der Lage wären, dieses Land aktiv gestaltend zum Besseren zu verändern." Die Linken-Politikerin äußerte in ihrer Erklärung auch Selbstkritik: Sie habe ihr Ziel, eine Erneuerung der Linken anzustoßen, nicht erreichen können. "Ich weiß um die vermeidbaren Fehler, die ich selbst gemacht habe", schrieb sie.

Des Weiteren schrieb sie, die nötige Erneuerung der Partei brauche "neue Gesichter, um glaubwürdig zu sein: Die Linke hat es verdient, von Menschen geführt zu werden, die unseren Anhänger:innen und Mitgliedern wieder Mut machen." Zudem kritisierte sie den Umgang mit Sexismus in der eigenen Partei: "Ich entschuldige mich bei den Betroffenen und unterstütze alle Anstrengungen, die jetzt nötig sind, um aus der Linken eine Partei zu machen, in der Sexismus keinen Platz hat."

Landesverbände überrascht von Rücktritt

In den mitteldeutschen Landesverbänden der Linken wurde Hennig-Wellsows Rücktritt überrascht und teils bestürzt aufgenommen. Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow sagte, er nehme die Entscheidung mit Respekt zur Kenntnis. Linken-Fraktionschef Steffen Dittes teilte mit, der Schritt solle viele in der Partei zum Nachdenken bringen, einige vielleicht auch besser zur Zurückhaltung. Die Landesvorsitzende der Linken Sachsen-Anhalt, Janina Böttger, sagte MDR SACHSEN-ANHALT, sie bedauere den Rückzug von Susanne Hennig-Wellsow sehr: "Ich kann den Schritt aber menschlich nachvollziehen und habe davor großen Respekt."

Die Linke-Fraktionschefin Susanne Hennig-Wellsow steht vor Ministerpräsident Thomas Kemmerich (FDP) im Thüringer Landtag. Zwischen beiden liegt ein Blumenstrauß auf dem Boden.
Februar 2020: Hennig-Wellsow wirft Thomas Kemmerich (FDP) einen Blumenstrauß vor die Füße. Bildrechte: MDR THÜRINGEN JOURNAL

Hennig-Wellsow ist in Thüringen aufgewachsen und war bis zu ihrer Wahl zur Ko-Bundesvorsitzenden 2021 für die Linke in der Thüringer Landespolitik aktiv. 2004 zog sie mit 26 Jahren als jüngste Abgeordnete in den Thüringer Landtag ein, damals noch für die PDS. 2013 wurde sie zur Thüringer Landesvorsitzenden der Linken gewählt. Bundesweite Bekanntheit erlangte Hennig-Wellsow im Februar 2020: Damals warf sie Thomas Kemmerich (FDP) nach dessen Wahl zum Ministerpräsidenten von Thüringen einen Blumenstrauß vor die Füße, da Kemmerich sich mutmaßlich mit den Stimmen der AfD hatte wählen lassen.

Wissler will Partei bis auf Weiteres alleine führen

Nach dem Rücktritt Hennig-Wellsows will die Linken-Vorsitzende Janine Wissler die Partei bis auf Weiteres alleine weiterführen. Das teilte ein Parteisprecher nach einer Krisensitzung des Bundesvorstands am späten Mittwochabend der Deutschen Presse-Agentur mit. Wissler habe damit eine entsprechende Bitte des Vorstands angenommen. Für Juni ist der nächste Parteitag geplant - ob dort ein neuer Vorstand gewählt wird, sei noch unklar, so der Sprecher.

Die Linke Susanne Hennig-Wellsow (li.) und Janine Wissler (re.), Vorsitzende der Partei DIE LINKE
Hennig-Wellsow und Wissler hatten am 27. Februar 2021 das langjährige Führungsduo Katja Kipping und Bernd Riexinger abgelöst, die auf eine weitere Amtszeit als Parteivorsitzende verzichtet hatten. Bildrechte: IMAGO / Fotostand

Parteichefin Wissler war im Zusammenhang mit den Verdachtsfällen vorgeworfen worden, als ehemalige Fraktionsvorsitzende im hessischen Landtag nicht rechtzeitig genug zur Aufarbeitung unternommen zu haben. Nach dem Rückzug Hennig-Wellsows und der Kritik am Umgang mit Sexismus war zunächst unklar geblieben, ob Wissler im Amt bleiben würde.

AFP/dpa (sra, jan)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | MDR AKTUELL RADIO | 20. April 2022 | 14:00 Uhr

73 Kommentare

Burgfalke vor 22 Wochen

@Britta.Weber,

bitte belegen Sie das konkret und nicht bloß einfach in den "Raum" werfen!

So viel Ehrlichkeit und ... sollte gewahrt bleiben.

Das habe ich nie, noch öfters getan!!! Hätte ich dies getan, so hätte ich überhaupt kein Problem mich dafür zu entschuldigen bzw. das abzuändern!

@MDR-team,
es geht hier um Kritik am unwürdigen Umgang mit der im Artikel benannten Person und in der weiteren Folge auf absurde Anschuldigungen mir zugeordnet, die weder wahr und nicht belegbar sind! Daher bitte veröffentlichen!

Deputy vor 22 Wochen

@erzgebirger
Bevor Sie hier etwas über "Geistes Kind" faseln, hätten Sie sich über den Grund für diese eidesstattliche Erklärung informieren sollen. Darum ging es: Der berüchtigte Hubertus Knabe hatte ohne irgendwelche Beweise in einer Boulevardzeitung behauptet, die PDS habe "mehrere Milliarden" des früheren SED-Vermögens ins Ausland verschoben. Diesbezüglich forderte die Linke eine Gegendarstellung. Das wurde verweigert, weil die Linke ja eine andere Partei sei. Um die Gegendarstellung zu der schwerwiegenden Verleumdung zu erzwingen, hat der Bundesschatzmeister der Linken erklärt, dass man im juristischen Sinne "Rechtsnachfolger" der SED/PDS sei. Mit politischen oder weltanschaulichen Bekenntnissen hatte das gar nichts zu tun.

Tschingis1 vor 22 Wochen

@hilflos
Die Gründe für den Rücktritt konnten sie doch lesen. Und andere Annahmen äußerten sie doch. Doch welche war meine Frage.
Mit "...,die ist nicht besser" ist sehr dürftig.

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