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Die Bundeswehr hilft bei der Auswertung von Daten aus der Luft. (Archivbild) Bildrechte: MDR/Simank

Deutsche UnterstützungDie Rolle der Bundeswehr und des BND im Ukraine-Krieg

von Raja Kraus, MDR AKTUELL

Stand: 28. Februar 2022, 13:54 Uhr

Um stets neue Informationen über die russischen Angriffe auf die Ukraine und die aktuelle Lage vor Ort zu generieren, nutzen Bundeswehr und der Bunesnachrichtendienst verschiedene Techniken. Zwei Experten erklären, welche Möglichkeiten es gibt.

  • Aufklärungsflugzeuge und Drohnen sind in den vergangenen Tagen eine Möglichkeit, die Lage in der Ukraine zu überblicken. Aus Sicherheitsgründen können diese jedoch nur bis in den polnischen Luftraum vordringen.
  • Die deutsche Bundeswehr hilft dabei, die dabei gesammelten Daten auszuwerten.
  • Um über potentielle nächste Schritte Russlands informiert zu sein, kann der Bundesnachrichtendienst den taktischen Funk abhören und die Informationen an die Ukraine weitergeben.

Vom Westen aus habe die Nato die Geschehnisse in der Ukraine im Blick, sagt Thomas Wiegold. Er ist Fachjournalist für Sicherheits- und Verteidigungspolitik: "Wir haben in den vergangenen Tagen verfolgen können, wie Aufklärungsflugzeuge aus fast allen NATO-Staaten, aber auch hochfliegende Aufklärungsdrohnen der USA und der Nato über polnischem Gebiet vor allem weiter südlich über NATO-Gebiet geflogen sind und mit ihren Sensoren bis in die Ukraine hineingeschaut haben."

Über der Ukraine selbst fliegt man nicht – damit kein Konflikt mit Russland entsteht. Um auch bis in den Osten der Ukraine "sehen" zu können, wird deshalb auf Satellitenbilder zurückgegriffen, die die Positionen russischer Streitkräfte auf etwa 25 Zentimeter genau bestimmen können.

Bundeswehr hilft bei Auswertung der Drohnendaten

Die Bundeswehr selbst habe keine Aufklärungsflugzeuge oder Drohnen über Polen in der Luft, sagt Wiegold: "Deutschland selbst hat militärisch gesehen diese weitreichenden Sensoren nicht. Oder man muss sagen, nicht mehr. Da ist etwas in der Beschaffung. Aber wir erinnern uns an die gescheiterte Euro-Hawk-Drohne vor nunmehr acht, neun Jahren. Die hätte genau das leisten sollen, ist aber nie gekommen."

Die Bundeswehr beteiligt sich aber an der Datenauswertung der Nato-Drohnen. Das passiert im Bundeswehr-Zentrum für Luftoperationen in Kalkar. Das Kommando Strategische Aufklärung der Bundeswehr in der Nähe von Bonn betreibt außerdem eigene Aufklärungssatelliten. Über Radar-Satelliten werden hier die Bewegungen russischer Radar-Stellungen, die zum Beispiel beim Einsatz von Raketen benutzt werden, lokalisiert.

BND kann taktischen Funk abhören

Erich Schmidt-Eenboom ist Experte für den Bundesnachrichtendienst. Auch dieser bemühe sich im Moment natürlich um ein aktuelles Lagebild aus der Ukraine: "Dazu hat er mehrere Möglichkeiten. Das eine ist die strategische Fernmelde-Aufklärung. Das heißt, das Abhören des großen Militärfunks der russischen Streitkräfte. Aber der ist weitgehend verschlüsselt und möglicherweise nicht zu knacken. Was man aber machen kann, ist, den taktischen Funk abhören, weil da offen kommuniziert wird."

Das betreffe die Kommunikation der Brigaden mit ihren Bataillonen und Regimenten: "Ganz konkret heißt es dann, dass das rechts eingesetzte Bataillon eines Regiments oder einer Brigade den Ort so und so umfasst oder in den Ort so und so als Zwischenziel vorstößt. All solche Informationen kann man sammeln."

Austausch mit anderen Nachrichtendiensten

Das macht der Bundesnachrichtendienst in seiner Aufklärungsstation im bayerischen Pullach. Außerdem sei der Austausch mit anderen Nachrichtendiensten zentral, sagt Schmidt-Eenboom: "Und dann stellt sich die Kernfrage: Gibt der Bundesnachrichtendienst diese militärisch relevanten Informationen an die ukrainischen Streitkräfte weiter, damit sie sich besser verteidigen können? Und ich hoffe, er tut es."

Beide Experten sagen: Deutschland hat einen guten Überblick über die russischen Kriegshandlungen in der Ukraine – dank des Austauschs und der Aufgabenteilung innerhalb der Nato.

Dieses Thema im Programm:MDR AKTUELL RADIO | 28. Februar 2022 | 06:00 Uhr