Corona-Maßnahmen Handwerkskammer Magdeburg: Lockdown fördert Schwarzarbeit

Anne-Marie Kriegel, Landeskorrespondentin Sachsen-Anhalt für das MDR AKTUELL Nachrichtenradio
Bildrechte: MDR/Jan Bräuer

Wann Einzelhändler, Friseure oder Kosmetiker wieder öffnen können, ist derzeit nicht absehbar. Im Lockdown rutschen offenbar vor allem Friseure in die Schwarzarbeit. Das könnte die Pandemie befeuern. Konkrete Zahlen zum Ausmaß der Schwarzarbeit liegen bisher nicht vor.

Friseurin frisiert 2002 einen Mann in seiner Wohnung.
Kunden zu halten ist ein Grund für Schwarzarbeit. Bildrechte: dpa

Ein Friseurladen in Magdeburgs Altstadt nahe des Doms und der Staatskanzlei. Das Schaufenster ist notdürftig zugeklebt, ein großes Plakat in der Mitte der Glasfläche: "Wenn ihr weiter nur die Großen rettet, könnte es hier bald so aussehen!" Und in Großbuchstaben darunter: "WIR BRAUCHEN EINE PERSPEKTIVE!" Eine Aktion der Branche, um auf die Aussichtslosigkeit im aktuellen Lockdown hinzuweisen.

Handwerkskammer: "Nerven liegen blank"

Vor dem Bund-Länder-Treffen am Mittwoch steigt der Druck auf die Regierungschefinnen und -chefs. Burghard Grupe ist der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Magdeburg: "Also die Stimmung hat sich verändert. Anfangs war noch Verständnis dafür da. Inzwischen haben wir hier Anrufe, da wird geschrien am Telefon, da wird geweint. Das sage ich jetzt nicht, um irgendwie polemisch zu werden. Die Nerven liegen blank."

Einschränkungen fördern Schwarzarbeit

Deswegen brauche es jetzt unbedingt eine Öffnungsperspektive, sagt Grupe. Und dass die Einschränkungen gerade die sogenannten körpernahen Dienstleistungen in die Schwarzarbeit drängten. Also zum Beispiel Friseure, Kosmetiker und Fußpflegerinnen: "Das ist natürlich nicht richtig und das begrüßen und unterstützen wir auch nicht, aber es ist die Realität."

Burghard Grupe: "Also die Kunden rufen an, setzen die Friseure unter Druck und wenn man dann ablehnt, gehen die zu einem anderen, der es macht. Und vielleicht kommt der Kunde auch nicht wieder." Vieles finde jetzt in der heimischen Küche statt, wo es keine Mindestabstände, keine Masken, keine Kontaktdatendokumentationen gebe, betont Grupe: "Und das wird die Pandemie sogar noch befeuern. Das ist die Realität und wird sich noch steigern, wenn die Friseure nicht aufmachen."

Aktuelle Zahlen zur Schwarzarbeit in der Branche lägen nicht vor, sagt Grupe. Das teilt auch das Zollamt Magdeburg mit. 

Haseloff: Kontrollmöglichkeiten statt Illegalität

Die Politik steht unter Druck. Schon in der vergangenen Woche hat Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff deutlich gemacht: Wir haben verstanden. Mit Blick auf die Friseure, Kosmetik- und Fußpflegesalons sagte Haseloff: "Wenn wir feststellen, dass sich bestimmte Bereiche in die Illegalität hinein entwickeln und damit noch eine größere Gefahr darstellen, als wenn wir sie wieder ans Netz holen und sie damit klaren Hygienekonzepten und Kontrollmöglichkeiten unterwerfen, dann ist das eine positive Änderung im Sinne auch der Verordnungsphilosophie, die wir haben, und keine Öffnung."

Auch in anderen Bereichen schlägt sich die Lockdownmüdigkeit der Bevölkerung scheinbar nieder. Nicht weit vom Friseur ist eine Kindertagesstätte. Zwei Handvoll Kindergartenkinder überqueren in grell-gelben Warnwesten die Straße, offenbar auf dem Weg in die Einrichtung. Die Notbetreuungsquote in Sachsen-Anhalt hat sich nach Angaben des Sozialministeriums im Vergleich zu Anfang April mehr als verdoppelt. Das Ministerium weist darauf hin, dass ein Grund dafür auch Lockerungen beim Zugang zur Notbetreuung sind.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 10. Februar 2021 | 06:06 Uhr

108 Kommentare

Micky Maus vor 18 Wochen

"Restriktionen schützen Menschenleben."

Ach wessi, es steht ihnen doch frei sich selbstauferlegten Restriktionen zu unterwerfen.

Wenn's Spaß macht 😂

Wessi vor 18 Wochen

@ Sonnenseite ...immer schön auf gesamte posts eingehen.."Restriktionen schützen Menschenleben.Und die gehen in unserem Land vor Geld oder Schutz des Staates".Lesen können.Deutsch können.Hab' ich Sie schon mal 'drauf hingewiesen...!Aber Sie brüllen weiter Ihre Parolen...!

Wessi vor 18 Wochen

@ Norbert ...ich wollte nie, wo auch immer, selbstständig sein.Das unternehmerische Risiko was jetzt und hier ja beklagt wird, ist mir zu hoch.Ansonsten verstehe ich Ihren post, auf den Artikel bezogen, nicht so ganz.Bis auf eine Unterstellung bezgl. der SPD, die Sie nicht belegen, die aber mehr zu CDU/CSU,FDP+AfD passen könnte...! (s. deren Programme)

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