Homeschooling Kultusministerium weist Schulen zu Digitalunterricht an

Für Sachsens Schulen und Lehrer gibt es erstmals seit Beginn der Corona-Pandemie konkrete Vorgaben im Umgang mit dem häuslichen Lernen. Nach Informationen von MDR AKTUELL hat das Kultusministerium ein Schreiben an alle Schulen geschickt. Kultusminister Christian Piwarz reagiert damit nach eigenen Angaben auf Fälle, in denen Lehrende den Distanzunterricht verweigerten.

Lehrer unterrichtet per Videoanruf an Schüler während Quarantäne.
Völliger Verzicht auf Online-Angebote ist im Heimunterricht nicht angemessen. Bildrechte: imago images/Westend61

Bisher hat das Kultusministerium immer versucht, mit motivierender Ansprache eine Verbesserung zu erreichen. Jetzt dagegen heißt es in der Anweisung des Kultusministeriums:

"Häusliche Lernzeit ist Unterrichtszeit. Dazu gehören Umfang und Fristsetzung inklusive angemessenem Feedback, Absprachen zur Festlegung relevanter Kommunikationswege sowie das Angebot von Präsenz-Sprechzeiten. Für Fälle ohne verlässlichen Internetzugang sind regelmäßige Absprachen auf anderen Kommunikationswegen zu sichern. Ein völliger Verzicht auf Online-Angebote ist nicht angemessen."

Schülerrat: Sammlung unverbindlicher Hinweise

Bemerkenswert ist die vorherrschende Befehlsform. Nach dem Motto: So hat Distanz-Unterricht in der Pandemie mindestens auszusehen. Joanna Kesicka ist Schülerin an einem Görlitzer Gymnasium und Vorsitzende des Landesschülerrats Sachsen. Für sie ist der neue Tonfall genau der Richtige, aber sie schränkt ein: "Die Schülerschaft hätte sich dieses Papier definitiv zu Beginn der Pandemie gewünscht. Es ist eine Sammlung von Hinweisen, die unverbindlich ist."

Dass der Tonfall vielleicht anders wahrgenommen werde, sei klar. Aber das Papier sei immer noch etwas, das eigentlich nur Hinweise an die Lehrer gebe, die diese schon vor Monaten hätten erkennen müssen und wohl auch schon in vielen Punkten erreicht hätten, sagt Kesicka.

Piwarz: Rückhalt für Lehrer

Kultusminister Christian Piwarz entgegnet, dass es ja erstmal zu Missständen kommen müsse, auf die man dann reagieren könne: "Wir haben gemerkt, dass wir an der einen oder anderen Stelle Meldungen von Schulen über die Eltern bekommen haben, vor allem, wo Dinge unzureichend liefen, und umgekehrt auch Lehrer sich teilweise mehr Sicherheit im Umgang mit dem, was jetzt häusliche Lernzeit heißt, gewünscht haben."

Man dürfe nicht vergessen, dass man sehr viele Lehrer habe, die sich wirklich reinknieten. Und auch für die sei das nochmal ein Stück Rückhalt, betont Piwarz.

Eltern befürworten Anweisung

Bei manchen Elternteilen dürfte die klare Ansage des Kultusministeriums Erleichterung auslösen. So ist es zum Beispiel bei Andreas Otto, Elternsprecher am Hans-Erlwein-Gymnasium in Dresden. Auch er meint, das Papier komme viel zu spät.

Aber prinzipiell empfinde er die Inhalte in dem Papier als richtig, sagt Otto. "Wenn ich zum Beispiel den Punkt Eins, die verlässlichen Strukturen, sehe: Die Eltern sind damit beschäftigt, mit ihren Kindern zusammen einen Wochenplan aufzustellen, einen Lernplan aufzustellen. Sowas hätte man sich eigentlich von der Schule gewünscht, und das steht auch hier ganz konkret drin, dass die Schule dafür zuständig ist", betont Ott.

"Deutlicher Anstoß", Lehre zu überdenken

Der sächsische Kultusminister, Christian Piwarz, sagt, er würde nicht so weit gehen zu sagen, dass ihm der Kragen geplatzt und es deshalb Zeit gewesen sei für eine Dienstanweisung. Piwarz streitet aber auch nicht ab, dass es nach wie vor Fälle gebe, in denen Lehrende den Unterricht de facto verweigerten.

Christian Piwarz: "Also diese Fälle kenne ich und bin teilweise verwundert bis fassungslos, wenn ich solche Extreme dann höre. Und deshalb haben wir uns dafür entschieden, das noch mal deutlicher zusammen zu schreiben, eben auch aufgrund der Schilderungen, die bei uns eingegangen sind, wo wir gesagt haben: Das sind Zustände, die so nicht in Ordnung sind, und da brauchen auch die Lehrer, die es bislang nicht ausreichend getan haben, noch mal einen deutlichen Anstoß, hier ihre Arbeitsweise zu überdenken."

Schüler fordern Kontrolle

Wie aber nun die neuen Standards durchsetzen? Die Görlitzer Gymnasiastin und Schülerrats-Vorsitzende Joanna Kesicka hat da eine klare Vorstellung: "Ich glaube, von der Schülerseite ist dringend zu sagen, dass man irgendeine Art von Kontrolle braucht. Beziehungsweise, dass, wenn berichtet wird, dass an einigen Schulen das nicht funktioniert, dort nachgehakt wird."

Kultusminister Christian Piwarz wird nun wohl kaum überall dort mit der Kavallerie einreiten, wo es nicht klappt. Aber der Wunsch der Schülerin trifft bei ihm grundsätzlich auf offene Ohren.

"Es eine Unterstützung für Lehrer, sich daran zu orientieren. Es ist hoffentlich auch ein Stück weit Druck für diejenigen, die sich bislang noch nicht entsprechend verhalten haben. Und dort, wo wir die Rückmeldung bekommen, es läuft nach wie vor nicht, werden wir hinterher sein, über die Schulleitungen darauf hinzuwirken, dass die Maßnahmen, die wir für wichtig und notwendig halten, dass die dann auch entsprechend umgesetzt werden", sagt Piwarz.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 20. Februar 2021 | 06:00 Uhr

26 Kommentare

Sandra F. vor 40 Wochen

...lautet da meine Antwort! Es kommt nämlich darauf an, wie die "Notbetreuung" aussieht! In unserem Hort erschöpfte es sich in "Betreuung". Wurden in der Zeit der Betreuung die Homeschoolingaufgaben gemacht?! FEHLANZEIGE!! D.h. die Verkäuferin oder die Krankenschwester darf nach ihrer "beruflichen Schicht" (vor geht übtigens nicht,weil Notbetreuung feste Zeiten von 7:00 Uhr bis 16:00 Uhr hat!) noch die Kraft und vor allem die Nerven aufbringen, um mit ihrem Kind die Schulaufgaben zu erledigen. Jeder, der das jemals versucht hat oder versuchen musste, weiß, wie aussichtslos ist!!! Also habe ich da Mitleid mit Lehrern?! So leid es mir tut - NEIN!! Lehrer zu sein bedeutet in dieser Zeit einen Job und damit auch eine Verantwortung zu haben und zwar gegenüber ihren Schülern!! Im Interesse aller (vor allem aber im Interesse UNSERER KINDER!!!) bleibt daher nur zu hoffen, dass insgesamt bald wieder Normalität einzieht!!

Sandra F. vor 40 Wochen

...auch wenn wir selbst nicht in diesen Genuss kommen durften, möchte ich allen Lehrern, die sich in den vergangenen Wochen mit aller Kraft und aus Eigeninitiative und mit ihrer privaten Technik um ihre Klassen gekümmert haben, meinen ehrlich gemeinten "DANK" aussprechen!!
Bei allen Diskussionen möchte ich zudem daran erinnern, dass sich NIEMAND von uns diese Situation ausgesucht hat, sondern jeder im Interesse der Kinder(!!) das Beste aus der Situation gemacht hat oder machen sollte. Jeder hat dabei aber unterschiedliche familiäre und/oder berufliche Rahmenbedingungen. Natürlich ist es da für einen Lehrer im Homeoffice schwer, die eigenen Kinder zu beschulen. Aber fragt bei dieser Diskussion auch mal jemand nach einer Verkäuferin oder einer Krankenschwester, die gar nicht die Möglichkeit haben, im Homeoffice zu arbeiten?! Letzteren bleibt nichts anderes übrig, als ihre Kinder in die Notbetreuung zu geben. Hat diese Beschäftigte Freizeit, wenn sie Heim kommt? Das kommt drauf an, ...

Sandra F. vor 40 Wochen

Eigentlich wollte ich mich aus der gesamten Diskussion heraushalten, weil ich in dieser "schwarz-weiß"-Diskussion jegliche "Graustufen" vermisse und jeder aus seinem Blickwinkel nur die "guten, zu wenig wertgeschätzen Lehrer und die bösen, zu viel verlangenden Eltern" oder "die bösen,ja gar faulen Lehrer und die alles viel besser könnenden Eltern" sieht. Aber ich kann mich nicht raushalten, weil ich betroffene Mutter eines Grundschülers bin, dessen Klassenlehrerin jegliche digitale Medien ablehnt, die nicht in der Lage ist, eine vernünftige Email mit Anrede und Grußformel zu schreiben, die nicht Wiilens und/oder in der Lage ist, PDF-Dateien zu erstellen und die Aufgaben für 4 Wochen im Block und ohne wochenweise Aufteilung oder Rückgabefristen verteilt. Innerlich habe ich gehofft, dass unsere Klasse damit eine Ausnahme ist, aber die "Mitteilung" des SMK bestätigt leider anderes und ich bin (auch wenn ich weiß, dass sich nur wenig oder nichts ändern wird) dankbar über die Mitteilung...

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