Ausbildung Sachsen ringt um neues Berufsschulnetz

MDR-Wirtschaftsjournalist Ralf Geißler
Bildrechte: Ralf Geißler

Wer Kfz-Mechaniker, Bäcker, Drogist oder Erzieher werden will, braucht nicht nur einen Ausbildungsbetrieb, um das praktische Handwerk zu lernen, sondern muss auch zur Berufsschule. Doch nicht in jeder Stadt wird jeder Beruf gelehrt. Nun hat das Land Sachsen einen landesweiten Berufsschulplan erarbeitet. Demnach sollen die Profile der einzelnen Schulzentren geschärft werden.

Ausbilder Carsten Pohle erläutert der Auszubildenden Victoria Ramesmayer im 2. Lehrjahr die Funktionsweise eines Hybridantriebes in einem Porsche Cayenne im Porsche Ausbildungszentrum.
An bestimmten Standorten sollen bestimmte Ausbildungszweige konzentriert werden. Bildrechte: dpa

Jens-Torsten Jacob ist enttäuscht. Der Chef der Kreishandwerkerschaft Meißen hat sich die Pläne für Sachsens Berufsschulen angesehen. Seit mehr als 1.000 Jahren, sagt er, würden in Meißen Bauleute ausgebildet. Doch nun solle mit den Dachdeckern auch die letzte Bauklasse verlegt werden, nach Löbau: "Der Kreis Meißen wird zukünftig gerade mal in drei Berufen die Berufsschule vorhalten. Das bedeutet, dass in 57 Berufen unsere jungen Leute immer wegfahren müssen. Das halte ich für sehr problematisch."

Piwarz: Ländlichen Raum stärken

Jacob hat seine Kritik der Politik vorgetragen. Doch gebracht hat das nichts. Seit Monaten ringt Sachsens Kultusministerium um das neue Berufsschulnetz. Unternehmer und Kammern wurden angehört. Für den nun vorliegenden Entwurf, sagt Kultusminister Christian Piwarz, habe man sich von zwei Gedanken leiten lassen: "Das eine ist, dass wir gezielt auch den ländlichen Raum stärken, verschiedene Berufsausbildungen im ländlichen Raum konzentrieren – beziehungsweise dort ausbauen. Und das zweite ist, dass wir versuchen, möglichst jedem Berufsschulzentrum, insbesondere denen im ländlichen Raum, ein eigenes klares Profil, eine eigene klare Kompetenz zu geben." Man wolle so mittel- und langfristige Bestandsgarantien für die Ausbildungsgänge und für die Standorte sicherstellen.

Stärkere Spezialisierung der Schulen

Von den 60 Berufsschulzentren in Sachsen sollen alle erhalten bleiben. Doch um die Profile zu schärfen, werden Ausbildungszweige konzentriert. So wird Bautzen zum Bildungszentrum fürs Metallhandwerk, was in Riesa für Unmut sorgt, weil ausgerechnet die Stahlstadt diese Ausbildung verliert. In Torgau wird der Glascampus gestärkt. Die Handwerkskammer zu Leipzig begrüßt die Pläne. Erstmals, sagt Abteilungsleiter Hans-Peter Schmidt, könne es in Sachsen ein verlässliches Berufsschulnetz geben. Damit könnten die Ausbildungsbetriebe planen und wüssten, wo sie ihre Lehrlinge zur Schule schicken müssten. Bisher sei jährlich ein neuer Schulplan gekommen, sodass es keine Sicherheit gegeben habe, wo ein Lehrling zur Schule gehen müsse, erklärt Schmidt.

Für Fragezeichen sorgt der Berufsschulplan allerdings beim Sächsischen Lehrerverband. Vorstandsmitglied Jens Nelle fragt, wie die spezialisierten Berufsschullehrer künftig an die noch stärker spezialisierten Schulen kommen sollen. Zwar könne man bestimmte Strecken auch weiterhin mit dem Auto fahren: "Es wird aber auch Verschiebungen geben, wo der neue Standort so weit weg liegt, dass es nicht mehr machbar sein wird, dass eine Lehrkraft von A nach B fährt." Drüber sei überhaupt noch nicht gesprochen worden.

Zustimmung aller Kreise erforderlich

Für Schüler, deren Wege weiter werden, gibt es Internate. Die Zuschüsse zur Unterkunft hat das Kultusministerium auf 16 Euro je Nacht verdoppelt. Die Kammern finden das allerdings zu wenig. Denn die Mehrkosten trägt zumeist der Ausbildungsbetrieb. Neben solchen finanziellen Korrekturen bleibt bei Meißens Handwerkerchef Jacob ein grundsätzliches Anliegen: "Was ich mir sehr wünschen würde, ist nochmal ein Umdenken. Zum einen brauchen wir die Metaller in Riesa, weil da einfach die Kompetenzen da sind." Zweitens brauche man eine Bauausbildung im Kreis Meißen.

Was Jacob Mut macht: Der Berufsschulplan ist vorläufig. Das Kultusministerium hofft allerdings, dass ihm alle Städte und Kreise bis März zustimmen. Wenn nur ein Kreis ablehnt, sagt Minister Piwarz, müsse man die gesamte Planung überdenken.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 02. Dezember 2020 | 05:00 Uhr

2 Kommentare

Dreibeiner vor 52 Wochen

braucht Sachsen keine Pflegerinnen? Nur Bildmaterial wo an Bänken und Maschinen geschuftet wurde ohne so wichtige berufe wie Pfleger oder Arzt, Lagerist oder Verkäufer von Toilettenpapier, Hefe, Konserven etc. - die Kassierer*Innen sollten vor allem richtiges Rechnen erlernen, falls mal Strom ausfällt, gehackt wurde und wir trotzdem einkaufen können.

Micky Maus vor 52 Wochen

" Demnach sollen die Profile der einzelnen Schulzentren geschärft werden."

Das ist doch nur eine weitere Floskel für einen weiteren Abbau der qualifizierten Ausbildung.

Das ist eine Schande für unser Sachsen.
Das Endet bei uns noch wie im Westen, ist dass das Ziel?

Mehr aus Politik

Der Thüringer Ministerpräsident Bodo Ramelow 4 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Mehr aus Deutschland