Coronavirus-Pandemie Elternrat kritisiert Schulstart und Schüler-Tests in Sachsen

In Sachsen beginnt für die Abschlussklassen heute wieder der Präsenzunterricht. Wegen der weiter hohen Coronavirus-Infektionszahlen im Land soll es für die gut 50.800 betroffenen Schülerinnen und Schüler und ihre Lehrkräfte jedoch nicht im Klassenzimmer losgehen, sondern mit einem freiwilligen Schnelltest in rund 100 Testschulen. Das sorgt für Unmut bei Gewerkschaft und Elternvertretern.

Es geht also wieder los: Schüler der Abschlussklassen in Sachsen kehren in den Präsenzunterricht zurück. Das sollte für Schüler, Eltern und Lehrkräfte eigentlich eine Befreiung sein. Ist es aber nicht, im Gegenteil: Die Infektionszahlen sind weiterhin hoch, gerade in Sachsen. Und nun sollen sich Schüler und Schülerinnen im Klassenverband und in möglichst großer Zahl zu einer der rund 100 Testschulen begeben, um sich freiwillig auf Covid-19 testen zu lassen – so will es das Kultusministerium.

Wie das umgesetzt werden soll, erklärt der Sprecher des Landesamts für Schule und Bildung, Roman Schulz: "In den Städten Leipzig und Dresden ist das relativ einfach," weil die Testschulen nicht so weit weg seien. Schülergruppen könnten unter Einhaltung des Abstands dorthin laufen, zum Teil auch mit dem ÖPNV fahren. In den Landkreisen hätten einige Schulen eine Busbeförderung organisiert. "Das ist eine breite Palette", sagte Schulz. Zentral von einem Amt aus könne das nicht organisiert werden.

In den Testschulen werde dann zeitlich versetzt getestet, um größere Menschenansammlungen zu vermeiden. Außerdem sei so gewährleistet, dass sich Schüler verschiedener Schulen nicht nicht über den Weg laufen, sagt Schulz.

Landeselternrat: "Der rote Faden fehlt"

Der Landeselternrat sieht das mit gemischten Gefühlen. Es sei zwar schön, dass die Schüler die Möglichkeit hätten, sich testen zu lassen, sagt die Vize-Vorsitzende Nadine Eichhorn. Die Art und Weise bereite ihr aber Sorge – gerade mit Blick auf das aktuelle Infektionsgeschehen:

Gerade auf dem platten Land kutschieren wir die Kinder durch die Gegend in einem kuscheligen, muckeligen Bus. Auf der anderen Seite überlegen wir, ÖPNV einzuschränken, damit nicht so viele sich in den Verkehrsmitteln bewegen. Der rote Faden fehlt.

Nadine Eichhorn, stellvertretende Vorsitzende des Landeselternrats in Sachsen

Dass es keine optimale Lösung ist, Schülerinnen und Schüler mit Bus und Bahn zu Testschulen fahren zu lassen, gibt man im Kultusministerium offen zu. Die Tests an allen sächsischen Schulen durchzuführen, sei organisatorisch aber nicht möglich gewesen, sagt Sprecher Dirk Reelfs:

Wir beißen in einen sauren Apfel, um die Möglichkeit zu schaffen, dass nur gesunde Jugendliche und auch gesunde Lehrerinnen und Lehrer an den Schulen tätig sind.

Dirk Reelfs, Sprecher des Kultusministeriums in Dresden

Um dieses Angebot schaffen zu können, unter der Maßgabe einer begrenzten Anzahl von Teams, die solche Tests durchführen könnten, "mussten wir auf das Konstrukt der Testschulen zurückgreifen", sagt Reelfs weiter.

Große Zweifel bei der GEW: "Genauer hingucken"

Um zumindest einigermaßen sicherzustellen, dass nur gesunde Schüler und Lehrkräfte am Schulbetrieb teilnehmen, müssten sich allerdings möglichst viele testen lassen. Die Bildungsgewerkschaft GEW hat da große Zweifel. Landeschefin Uschi Kruse sagt: Wenn sich nicht genug Schülerinnen und Schüler testen lassen und wenn Bund und Länder zu der Erkenntnis kommen, dass es zunächst einen noch schärferen Lockdown brauche: "Dann muss man da noch mal genauer hingucken."

Mit "genauer hingucken" meint Kruse: Die Schulen sollten noch geschlossen bleiben. Dass sie überhaupt öffnen, hält sie für unverantwortlich und ihre erneute Schließung nur für eine Frage der Zeit. Bei einer derart hohen Sieben-Tage-Inzidenz wie in Sachsen würden sich mit großer Sicherheit weitere Schüler und Lehrende anstecken.

Das ist auch eine große Sorge des Landeselternrats in Sachsen. Vorstand Nadine Eichhorn sagt, es gebe sehr viele Eltern, die Angst hätten, dass ihre Kinder sich infizieren und das Virus in die Familie weitertragen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 18. Januar 2021 | 07:05 Uhr

8 Kommentare

Agnostiker vor 16 Wochen

Was Sie fordern, würde ein Mindestmaß an Flexibilität von Seiten des Kultusministeriums erfordern. Diese Flexibilität gibts dort aber nicht. Das hat man schon bei den Schulöffnungen gesehen. Viele Lehrer haben von Anfang an das Wechselmodel gefordert. War aber nicht möglich. So hätte man vielleicht Unterrichtsausfall vermeiden können. Aber Sachsen hat sich für das Modell alles oder nichts entschieden. Am Ende hat man dann eben nichts.

dsommer vor 16 Wochen

Ich persönlich werde Hrn. Piwarz noch diese Woche wegen versuchter Körperverletzung anzeigen. Vielleicht wird auch Vorsatz daraus. Es ist unglaublich, was dieser Minister alles anstellt, um von seinem Versagen bei der Ermöglichung des Homeschoolings abzulenken.

DerFrank vor 16 Wochen

Wenn es verständlicherweise nicht genügend Personal gibt, um alle Schulen gleichzeitig testen zu können, dann müssen die Schulen eben nacheinander aufmachen. Und jetzt soll keiner sagen: Das könnte man niemandem zumuten. Was soll dara so schlimm sein? Es gibt auch jetzt ständig geschlossenene Klassen und Schulen in denen Quarantänemaßnahmen angeordnet wurden. Da funktioniert die Informationsweitergabe ja auch! Es könnte ja mal ein Fahrplan gemacht werden: Montag diese Schulen, Dienstag diese usw. Diesen auf den Seiten des Kultusministeriums veröffentlicht und gut. Erklärt uns uns nicht immer was NICHT geht, sondern dreht Euch endlich! Da muss mal jemand Excel aufmachen uns was eintippen! Los geht's!

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