Parteiinterner Streit Linken-Mitglieder beantragen Parteiausschluss von Wagenknecht

Mehrere Mitglieder der Linkspartei haben den Rauswurf ihrer Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl in Nordrhein-Westfalen beantragt. Sie werfen der ehemaligen Fraktionschefin im Bundestag vor, die Partei zu schädigen. Sie verweisen unter anderem auf ihr neues Buch und sinkende Umfragewerte.

Sahra Wagenknecht (Linke) spricht bei einer Online-Versammlung.
Im April war Sahra Wagenknecht erneut zur Spitzenkandidatin der Linken in Nordrhein-Westfalen gewählt worden. Jetzt haben mehrere Mitglieder ihren Parteiausschluss beantragt. Bildrechte: dpa

Mehrere Mitglieder der Linkspartei haben ein Parteiausschluss-Verfahren gegen die prominente Politikerin Sahra Wagenknecht beantragt. Der Landesgeschäftsführer der Linken in Nordrhein-Westfalen, Michael Kretschmer, bestätigte, dass bei der Landesschiedskommission ein entsprechender Antrag eingegangen sei. Wer die Antragsteller sind und wie sie ihren Antrag begründen, sagte er nicht.

Wagenknecht soll Linkspartei schweren Schaden zugefügt haben

Nach Informationen des Nachrichtenmagazins "Spiegel" wird der Ausschluss-Antrag damit begründet, dass Wagenknecht der Partei schweren Schaden zugefügt habe. Die Antragsteller sollen auf Interview-Äußerungen von Wagenknecht und vor allem auf ihr neues Buch "Die Selbstgerechten" verweisen. Wagenknechts Kritiker sehen in darin eine Abrechnung mit ihrer Partei.

Die Antragsteller werfen Wagenknecht dem "Spiegel" zufolge vor, sie vertrete ein eigenes Programm, dass dem Programm der Linken in vielen Punkten widerspreche. Sie weisen zudem darauf hin, dass die Linke in Nordrhein-Westfalen seit Wagenknechts Kür zu ihrer Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl 30 Prozent der Wählerstimmen in den Umfragen eingebüßt habe. Mehr als hundert Mitglieder seien aus dem Landesverband ausgetreten.

Wagenknecht war im April erneut zur Spitzenkandidatin der Linken in Nordrhein-Westfalen gewählt worden. Die frühere Fraktionschefin der Partei im Bundestag hatte dabei rund 60 Prozent der Stimmen erhalten.

Schiedskommission befasst sich mit Antrag

Nach Angaben der Linkspartei wird die Schiedskommission in den kommenden Tagen mit dem Ausschlussantrag befassen. Zunächst werde es dabei nur um die Frage gehen, ob das Verfahren eröffnet werde oder nicht. Sollte das Gremium in Nordrhein-Westfalen den Ausschluss befürworten, könnte Wagenknecht die Entscheidung vor der Bundesschiedskommission anfechten. Danach bliebe ihr immer noch der Gang vor ein normales Gericht.

Sahra Wagenknecht 101 min
Sahra Wagenknecht Bildrechte: MDR/Michael Kotschi/Kundschafter Filmproduktion & Sandra Kaudelka

Auch Lebensgefährte Lafontaine zum Parteiaustritt aufgefordert

In den vergangenen Wochen hatte auch ein Streit zwischen Wagenknechts Lebensgefährte, Oskar Lafontaine, und seinem saarländischen Landesverband für Wirbel gesorgt. Der frühere Linken-Bundesvorsitzende hatte unter anderem dazu geraten, die Linke bei der Bundestagswahl nicht mit der entscheidenden Zweitstimme zu unterstützen, weil dies seinem innerparteilichen Gegner, Saar-Spitzenkandidat Thomas Lutze nützen würde. Der Landesvorstand forderte Lafontaine inzwischen auf, die Partei von sich aus zu verlassen.

Quellen: MDR, dpa, AFP

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 10. Juni 2021 | 16:30 Uhr

54 Kommentare

Taube vor 2 Tagen

Genauso sehe ich das auch .
Wagenknecht trifft mit ihrer Kritik und ihrer Auffassung voll ins Schwarze, lässt sich nicht verbiegen und hat Geradlinigkeit.

Querdenker vor 2 Tagen

Noch mal zum Potenzial von einer Parteigründung durch Sahra Wagenknecht:

siehe "focus Umfrage Ein Drittel der Deutschen würde Wagenknechts "Aufstehen" Bewegung wählen" (2018)

Wenn ich also schreibe, die 5% Hürde wäre schaffbar, dann ist das sehr realistisch. Ich denke viele Bürger würden ihr eine Chance geben wollen.

Eulenspiegel vor 2 Tagen

„Wagenknecht war im April erneut zur Spitzenkandidatin der Linken in Nordrhein-Westfalen gewählt worden. Die frühere Fraktionschefin der Partei im Bundestag hatte dabei rund 60 Prozent der Stimmen erhalten. „
Und jetzt soll sie fliegen. So stellen sich das zumindest einig,wenige, nicht näher benannte Parteimitglieder der Linken vor.
Ich denke eins ist sicher:
Frau Wagenknecht braucht diese Partei nicht. Aber die Linken?
Sie hat immer in dieser Partei für ihre Überzeugung gestanden und ihr auch den Spiegel vorgehalten. Das wurde ihr gerade von der Parteiführung übel genommen. Aber trotzdem wurde sie immer wieder gewählt, sogar in den Bundesvorstand.

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