Digitalpakt Schule Lehrer müssen auf Laptops für digitalen Unterricht warten

Das Thema digitaler Unterricht hat durch die Corona-Pandemie einen gewaltigen Schub bekommen. Finanziert wird dieser Schub mit dem Digitalpakt Schule. So haben inzwischen viele Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, Laptops oder Tablets für den Fernunterricht zu leihen. Als nächstes sollen die Lehrkräfte dran sein: Die passende Bund-Länder-Vereinbarung wurde Ende Januar unterzeichnet. Bis die Geräte aber bei den Lehrkräften ankommen, kann es noch dauern.

Die 14 Jahre alte Lilli hat auf einem Laptop die Lernplattform "mebis" für bayerische Schulen geöffnet.
Schülerinnen und Schüler können für den Fernunterricht inzwischen Laptops und Tablets an vielen Schulen ausleihen. Lehrkräfte müssen bislang aber noch private Technik einsetzen. Bildrechte: dpa

Endlich ist der Geldhahn offen und die Schulen können Laptops und Tablets an ihre Lehrkräfte verteilen. Besonders schnell soll das in Sachsen-Anhalt gehen, wie Stefan Thurmann, Sprecher des Bildungsministeriums angibt: "Das Ziel ist es, die Gesamtbeschaffung noch im Februar auf den Weg zu bringen und die Geräte zu bestellen."

Etwas weniger optimistisch klingt die Prognose aus Sachsen. Dirk Reelfs vom Kultusministerium meint: "Wir gehen davon aus, dass spätestens im Mai die ersten Anträge bei uns erfasst werden können."

Großer Bedarf an den Schulen

Beide bestätigen: Bislang ist die Ausstattung mit Dienstlaptops für Lehrkräfte dürftig und der Bedarf groß. Das gibt auch das Ministerium in Thüringen auf Nachfrage an.

Doch wie setzen die Lehrerinnen und Lehrer den digitalen Unterricht in der Pandemie dann um? Kathrin Vitzthum, Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Thüringen, erklärt, dass die Lehrkräfte bislang private Geräte genutzt hätten: "Das hat ja auch eine Befragung der GEW Bund ergeben, dass nahezu 90 Prozent der Lehrkräfte eigene Geräte nutzen, um Unterricht vorzubereiten."

Unterricht oft nur mit privater Technik möglich

Ihre Kollegin Eva Gerth, GEW-Vorsitzende in Sachsen-Anhalt, berichtet von Schulen, die von Haus aus überhaupt keine Videokonferenzen anbieten können: "Weil die keinen Laptop haben, weil keine Webcam da ist, weil kein entsprechendes Mikro an den Computern ist." Wenn digitaler Unterricht stattfinde, dann sei das nur über die privaten Geräte der Lehrkräfte und über den privaten Internetanschluss möglich. Teilweise würden sogar die Eltern einspringen, erzählt Gerth weiter. Das sei auch aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht die optimale Lösung.

Eva Gerth, Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft
Eva Gerth Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wir haben im Moment die absurde Situation, dass Eltern Videokonferenzen organisieren, damit Lehrkräfte Unterricht machen können.

Eva Gerth GEW Sachsen-Anhalt

Bis die Geräte wirklich bei den Lehrkräften ankommen, kann es allerdings noch dauern. Sowohl die GEW als auch die Ministerien rechnen mit Lieferengpässen. Felix Knothe, Sprecher des Bildungsministeriums in Thüringen, sagt, er hoffe, dass die Geräte dieses Jahr zur Verfügung stehen.

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Stilisiertes Mauerwerk mit einem Videochat-Icon. Schrift: Herr Radtke allein zu Haus - Lehrer im Lockdown. Logo: MDR WISSEN 15 min
Lehrer im Lockdown Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk

"Problematische Versorgungslage"

Zwar sollten die Bestellungen genau wie in Sachsen und Sachsen-Anhalt größtenteils in den nächsten Monaten rausgehen. Aber: "Es kann zu Schwierigkeiten kommen, denn der Markt für Endgeräte ist angespannt, die Versorgungslage ist problematisch." Eine Erfahrung, die die Schulen erst kürzlich mit den Leihgeräten für Schülerinnen und Schüler gemacht haben. Die müsste es eigentlich seit Sommer geben.

In Sachsen-Anhalt warten aber einige Schulen noch immer auf die Lieferung, erzählt die GEW-Vorsitzende Eva Gerth. Dort seien noch nicht alle oder noch gar keine Laptops für Schülerinnen und Schüler angekommen. Die Lehrkräfte müssten sich da erst mal hinten anstellen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 08. Februar 2021 | 06:52 Uhr

36 Kommentare

Dietmar vor 23 Wochen

goffman - der VPN-Tunnel ist kein Geheimnis. Die Studenten haben Zugriff auf Lehrinhalte (Opal etc.), dass sämtliche Dozenten ihre privaten Laptops einbinden, wage ich zu bezweifeln. I.d.R. haben die Dozenten Hardware, die von der UNI / Institut bereitgestellt werden. Diese sind dann über den Admin in die Infrastruktur eingebunden.
Wie gefragt - es geht um die privaten Rechner. Für die Unterrichtsvorbereitung nutzen die Lehrer diese - allerdings größtenteils ohne Einbindung in die Schulsysteme. 2019/2020 waren ca. 32500 Lehrer in Sachsen beschäftigt, auch diese Größenordnung muss ersteinmal in die IT-Infrastruktur eingebunden werden.

Was wollen Sie eigentlich mit "einige ältere Dozenten aber die hatten 1. die Bereitschaft sich mit Neuerungen zu beschäftigen und sich in neue Programme einzuarbeiten" zum Ausdruck bringen?

goffman vor 23 Wochen

Ich finde es prinzipiell in Ordnung, wenn Lehrkräfte zumindest zum Teil für ihre Unterrichtsmaterialien aufkommen müssen. Wir hatten damals eine Lehrerin, die hat Zettel gedruckt, als wollte sie den ganzen Regenwald zu Papier verarbeiten.
Anders formuliert: finanzielle Anreize, um mit den Ressourcen unseres Planeten sparsam umzugehen, finde ich auch für Lehrkräfte nicht schlecht. Das Gleiche gilt für PCs: Für E-Mails, Video-Konferenzen und Office Anwendungen braucht es kein Dienstgerät, zusätzlich zu einem privaten Laptop.

Wo ich Ihnen aber recht gebe: Die Bezahlung und was davon übrig bleibt sollte natürlich der Wichtigkeit des Berufes angemessen sein (allerdings sollte der Blödsinn abgeschafft werden, das sich die Bezahlung an der Schulform orientiert - der Grundschullehrer hat nicht weniger Verantwortung und der Gymnasiallehrer mag zwar mehr Fachwissen brauchen, hat dafür meist einfachere "Unterrichtsverhältnisse").

goffman vor 23 Wochen

An Universitäten ist es durchaus gängig, dass Studenten und Dozenten mit ihren privaten Geräten sich in das VPN der Uni einwählen - und schon seit Jahren alle möglichen Dienste nutzen, die der Fernunterricht benötigt.

Das Problem sind weniger Hardware, IT-Sicherheit und Datenschutz als viel mehr Ausbildung und Organisation.

Meine Uni hatte damals im Rechenzentrum eine zentrale Anlaufstelle zu IT-Fragen, ein paar gute Informatiker die sich um den Aufbau und die Sicherheit des Netzes und der benötigten Software gekümmert haben und die Studenten waren sowieso entsprechend Computer-affin.
Schwieriger war es für einige ältere Dozenten aber die hatten 1. die Bereitschaft sich mit Neuerungen zu beschäftigen und sich in neue Programme einzuarbeiten, 2. wenn nötig Schulungen und 3. bei Fragen und Problemen immer eine Anlaufstelle.

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