Schule und Corona Schulleiter in der Pandemie: "Man fühlt sich wie in einem Hurrikan"

Anne-Marie Kriegel, Landeskorrespondentin Sachsen-Anhalt für das MDR AKTUELL Nachrichtenradio
Bildrechte: MDR/Jan Bräuer

Am Donnerstag startet im Internet die 9. Schulleiterkonferenz im deutschsprachigen Raum. Coronabedingt muss der Kongress digital abgehalten werden. Gleich der erste Programmpunkt ist eine Diskussionsrunde zum Thema Schule während der Corona-Zeit. Wie läuft's zurzeit? Wir haben einen Schulleiter an einem Magdeburger Gymnasium besucht.

Ein Lehrer unterrichtet bei geöffnetetn Fenstern und geöffneter Türe vor einer Klasse Corona Schutzmaßnahmen im Unterricht einer Berufsschule
Lüften, Abstand, Maske – die Pandemie hat den Schulalltag verändert (Symbolbild). Bildrechte: imago images/Mattias Christ

Wenn es am Geschwister-Scholl Gymnasium in Magdeburg klingelt, dann ist das mittlerweile nicht die Pausenglocke. Das Klingeln erinnert die Schülerinnen und Schüler und Ihre Lehrkräfte im 20-Minuten-Takt daran, dass sie lüften müssen. Nach und nach gehen die Fenster der Klassenzimmer auf.

Zwischen strapazierten Nerven und Stolz

Das nerve einige, erzählt Schulleiter Steffen Drygalla. Und das solle es auch, setzt er gleich nach. Klar, positiv sei die Stimmung angesichts der Pandemie nicht. Trotzdem schaue er nach vorn. Man könnte meinen, ihm ein bisschen sportlichen Ehrgeiz anzumerken – und Verwunderung: "Dass es trotzdem alles funktioniert. Dass auch viele andere Beteiligte, auch Eltern, da sehr verantwortungsbewusst mit umgehen. Das macht einen dann schon auch stolz."

Manchmal fühlt man sich schon wie in so einem Hurrikan, und zwar im Auge des Hurrikans.

Schulleiter Steffen Drygalla

Drygalla guckt kurz auf sein Telefon. Ein Kollege hat sich mit Symptomen krankgemeldet. Das Testergebnis erwartet der Schulleiter jeden Moment. Ist es positiv, sind die Kontaktlisten schon vorbereitet. Dann ist mit dem Unterricht erstmal Schluss.

Herausforderungen in der Pandemie

Die Pandemie hat seine Schule verändert. Maskenpflicht in der Pause, gestaffeltes Essen für die Jahrgänge, das Lüften. Wird Schule in der Pandemie zur Nebensache? "Administrativ betrachtet in jedem Fall, denn die Inhalte bestimmen hier nicht mehr das eigentliche Unterrichtsgeschehen, sondern eher bestimmte technische Abläufe."

Das betrifft natürlich auch die Lehrkräfte. Damit das gestaffelte Essen klappt, muss der Unterricht teilweise um einige Minuten verkürzt werden. Was sagen die Lehrerinnen und Lehrer, was wird im Lehrerzimmer gesprochen? "Sofern es überhaupt noch Gespräche im Lehrerzimmer gibt", wirft Drygalla ein. "Wir dürfen uns ja eigentlich gar nicht mehr so groß treffen. Natürlich hat das Auswirkungen. Natürlich gibt es nicht nur Freude aufgrund dieser ganzen Maßnahmen, sondern auch Bedenken. Und auch Nachfragen, ob das im Einzelfall notwendig ist. Das erfordert natürlich viel Überzeugungskraft. Da geht auch viel Kraft bei allen verloren."

Austausch unter Schulleitern

Seit ein paar Monaten diskutiert Drygalla mit anderen Schulleiterinnen und -leitern in einer Videokonferenz Alltagsfragen. Denn es gebe Angelegenheiten, die müssten an einer Schule vor Ort geregelt werden, da würden weder Erlasse noch einheitliche Regelungen helfen, sagt der Schulleiter.

Trotzdem sei es wichtig, zusammen zu überlegen: "Organisation von Mittagessen, von Pausen und ähnlichem. Trennt man jetzt die Jahrgänge voneinander? Wie will man Schüler der fünften Klasse von Schülern der sechsten Klasse trennen? Per Aufsicht? Wir sind so viele Schüler hier, 920, da kennt man auch nicht alle Gesichter. Das sind Fragen, die kann man administrativ von außen gar nicht lösen, sowas muss in den Schulen geschehen."

Es sei hilfreich, sich mit anderen über solche Fragen auszutauschen. Eine zentrale Vorgabe, was beispielsweise die Maskenpflicht angehe, sei aus seiner Sicht aber schon sinnvoll. So könnten Diskussionen unter Schülern, Eltern aber auch im Kollegium vermieden werden, schildert Drygalla.

Kurz nach dem Interview schreibt Drygalla eine SMS. Er habe soeben die Nachricht bekommen, dass es am Scholl-Gymnasium keinen Corona-Fall gebe. Damit sei das Leben eines Schulleiters wieder ein bisschen angenehmer.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 26. November 2020 | 05:00 Uhr

1 Kommentar

ralf meier vor 20 Wochen

Schulleiter Steffen Drygalla.meint : 'Manchmal fühlt man sich schon wie in so einem Hurrikan, und zwar im Auge des Hurrikans.' Ich meine, er ist ein Opfer der Panikmache durch Regierung und einige sekundierende Qualitätsmedien.

Siehe dazu aktuell: 'Stuttgarter Nachrichten Studie zu Schulen in der Corona-Krise Schulen spielen bei Verbreitung des Coronavirus keine große Rolle'
SZ: 'Corona-Studie: Schulen sind keine Hotspots'
Ärzteblatt: 'Kinder sind keine Treiber der Corona Epedemie'

Das wußte der MDR schon am 11.06.2020: 'Studien: Schüler verbreiten Corona kaum'

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