Infratest Dimap AfD in Thüringen stärkste Kraft – CDU in Sachsen und Sachsen-Anhalt vorn

Wenn am Sonntag Landtagswahlen in Mitteldeutschland wären, würde das der AfD offenbar kaum etwas anhaben. In Thüringen würde die Partei einer Umfrage zufolge gar zur stärksten Kraft. In Sachsen und Sachsen-Anhalt bliebe die CDU vorn, trotz Verlusten. Gewinner in allen drei Ländern wäre die SPD.

Von der durch Corona geprägten politischen Stimmung kann die AfD in Mitteldeutschland profitieren. Die CDU verliert dagegen an Boden. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage von Infratest Dimap im Auftrag des MDR. Wäre am Sonntag Landtagswahl in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, würde die AfD ihren Stimmenanteil verteidigen und in Thüringen die stärkste Kraft werden. Die CDU würde in allen drei Ländern verlieren, in Sachsen acht Prozentpunkte. Vom bundespolitischen Trend könnte die SPD stark profitieren. Allein in Sachsen-Anhalt könnte sie ihr Wahlergebnis fast verdoppeln.

AfD würde in Thüringen stärkste politische Kraft

Die größte Veränderung gibt es in Thüringen. Hier würde die AfD mit 24 Prozent der Stimmen erstmals stärkste Kraft – ein Plus von zwei Prozentpunkten, verglichen mit dem vergangenen ThüringenTREND im Juli 2021. Stärkster Verlierer wäre Die Linke mit 23 Prozent, das entspricht einem Minus von vier Prozentpunkten. Die CDU würde in ihrem einstigen Stammland weiter absacken, käme auf 19 Prozent (-2).

Dagegen könnte vor allem die SPD profitieren, die auf 15 Prozent der Wählerstimmen käme (+4). Grüne 5 (-1) und FDP 7 (+1) würden sich dagegen kaum verändern. Eine stabile Regierungsbildung wäre mit diesem Kräfteverhältnis kaum möglich.

An der Zufriedenheit mit der aktuellen Minderheitsregierung von Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) hat sich wenig geändert, 43 Prozent sind zufrieden oder sehr zufrieden (-3), 54 Prozent sind weniger oder gar nicht zufrieden (+2). Gleichzeitig sprachen sich mehr Wahlberechtige für eine Fortsetzung der Minderheitsregierung 30 Prozent (+5) aus. Mit 62 Prozent (-5) plädiert aber weiter eine deutliche Mehrheit für schnelle Neuwahlen.

Rückschlag für Regierung von Ministerpräsident Kretschmer

In Sachsen bliebe die CDU mit 27 Prozent stärkste Kraft, würde im Vergleich zum vergangenen SachsenTREND im August 2021 aber acht Prozentpunkte abgeben. Die AfD könnte näher heranrücken, mit 24 Prozent (+3). Die SPD gewänne zwei Prozentpunkte dazu, käme auf 13 Prozent der Stimmen. Linke 10 (+/-0), Grüne 8 (+1) und FDP 7 (+1) würden ihr Niveau halten.

Die schwarz-rot-grüne Landesregierung von Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) besonders stark an Zustimmung verloren. Nur noch 43 Prozent (-16) sind sehr zufrieden oder zufrieden, 53 Prozent (+15) sind weniger oder gar nicht zufrieden. Auch Regierungschef Kretschmer hat deutlich an Zuspruch eingebüßt: Nur noch 48 Prozent sind zufrieden oder sehr zufrieden (-23), 48 Prozent (+25) sind kaum, oder gar nicht mit seiner Arbeit zufrieden.

Auch in Sachsen-Anhalt, wo im Juni 2021 zuletzt gewählt wurde, bliebe die CDU mit 33 Prozent der Stimmen (-4) stärkste Kraft. Deutlich dahinter die AfD mit 20 Prozent (-1) und der SPD, die mit 16 Prozent der Stimmen (+8) der stärkste Gewinner wäre. Linke 11 (+/-0), FDP 5 (-1) und Grüne 6 (+/-0) blieben dagegen stabil.

Sachsen-Anhalt: Zuspruch für Arbeit der Regierung relativ hoch

Nach rund fünf Monaten im Amt ist der Zuspruch für die schwarz-rot-gelbe Regierung relativ hoch: 54 Prozent sind zufrieden (keine Vergleichswerte), 43 Prozent sind unzufrieden.

Beim Thema Corona-Impflicht für alle ab 18 Jahren gibt es in Sachsen-Anhalt (55 Prozent dafür, 42 Prozent dagegen) und Thüringen (51 Prozent dafür, 46 Prozent dagegen) knappe Mehrheiten unter den Befragten. In Sachsen ist das Verhältnis umgekehrt: Nur 44 Prozent sind dafür, 53 Prozent dagegen.

Gleichzeitig ist in Sachsen der Zuspruch für Lockerungen am größten: 74 Prozent halten diese für angemessen, nur 22 Prozent halten sie für nicht angemessen. In Sachsen-Anhalt (66 Prozent angemessen, 29 Prozent nicht angemessen) und Thüringen (69 Prozent angemessen, 27 Prozent nicht angemessen) ist der Zuspruch zwar ebenfalls stark, aber nicht ganz so ausgeprägt. Auffällig: In allen drei Ländern ist die Zustimmung zu Lockerungen unter AfD- und FDP-Anhänger am größten.

Eine Karte aus den drei Bundesländern Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zeigt Zustimmungswerte zur Einführung einer Corona-Impfpflicht.
Bildrechte: #MDRklärt / Maximilian Fürstenberg

Geringes Verständnis für Proteste gegen Corona-Politik

Vergleichsweise gering ist der Zuspruch für Proteste gegen die Corona-Maßnahmen in Mitteldeutschland. In Sachsen sagen 34 Prozent, dass sie sehr großes oder großes Verständnis für die Demonstrationen haben. 64 Prozent haben wenig bis gar kein Verständnis für die Corona-Proteste. In Sachsen-Anhalt zeigen nur 26 Prozent Verständnis und 72 Prozent wenig oder gar kein Verständnis. Unter den Befragten in Thüringen zeigten 32 Prozent Verständnis, 66 Prozent wenig, bis gar keins.

Je Bundesland rund 1.200 Wahlberechtigte befragt

Für die Umfrage hat Infratest Dimap in den drei Bundesländern jeweils rund 1.200 Wahlberechtigte zwischen dem 17. und 22. Februar 2022 am Telefon und online befragt. Die Auswahl erfolgte zufallsbasiert.

MDR (Jens Hänisch, Luca Deutschländer)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL Radio | 24. Februar 2022 | 06:00 Uhr

102 Kommentare

Fakt vor 48 Wochen

@hilflos:

Von "Wahlen" habe ich gar nicht geschrieben, sondern von "Umfragen".
Lesen Sie doch erst einmal richtig, bevor Sie frustriert in die Schreibtischkante beißen.

AlexLeipzig vor 48 Wochen

Wachtmeister, bei solchen Allgemeinplätzen wird wohl kaum jemand aufheulen, nur wird darunter wohl jeder etwas anderes verstehen. Aber passt schon zur AFD und deren Klientel - undifferenziert opponieren und sich ein "Ideal" wünschen, möglichst unkonkret und schwammig, damit noch was zum Meckern bleibt.

Fakt vor 48 Wochen

@faultier:

Die "stabilen" zwölf Prozent kommen aber auch lediglich durch die östlichen Bundesländer zusammen. Nimmt man die Umfragen in den westlichen Ländern inklusive Berlin und lässt die "neuen" Bundesländer außen vor, stünden die Blaubraunen bei 8,2 Prozent.

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