Oktober 2020 Spahn bei Spendendinner in Leipzig

Jessica Brautzsch
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Seit einem Jahr hören wir immer wieder dieselben Regeln: Hände waschen, Maske tragen, Abstand halten, Kontakte reduzieren. Das helfe am besten gegen die Ausbreitung des Coronavirus – predigt auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und infizierte sich im Oktober dennoch. Jetzt wurde  bekannt, dass sich Spahn zu jener Zeit auf einer privaten Dinnerparty in Leipzig mit einem Dutzend Unternehmern traf und Wahlkampfspenden sammelte. Jessica Brautzsch fasst die Geschichte zusammen.

Jens Spahn (CDU), Bundesminister für Gesundheit, nimmt in der Bundespressekonferenz zu Beginn der Pressekonferenz zur Entwicklung der Corona Pandemie die FFP2-Maske ab.
Nahm es mit seinen eigenen Ratschlägen im Kampf gegen Covid-19 nicht ganz genau: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn Bildrechte: dpa

Hallo, hier ist Jens Spahn. Zuerst einmal möchte ich mich bedanken für die vielen Genesungswünsche, die mich erreicht haben.

Jens Spahn Bundesgesundheitsminister

So meldete sich Bundesgesundheitsminister Jens Spahn aus der Quarantäne. Am 21. Oktober 2020 war bekannt geworden, dass der Minister positiv auf Corona getestet worden war.

Dinnerparty bei Medienunternehmer

Was aber erst vier Monate später herauskommen sollte: Einen Tag vor dem positiven Testergebnis hatte Spahn an einer Dinnerparty in Leipzig teilgenommen.

Gastgeber war Peter Zimmermann. Der ausgebildete Journalist hat eine abwechslungsreiche Karriere hinter sich: Unter anderem war er in der Geschäftsführung der PSR-Mediengruppe, Regierungssprecher der sächsischen Regierung unter Stanislaw Tillich und Staatssekretär für Medien in Thüringen unter Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht. Zwischenzeitlich leitete Zimmermann zudem das Leipziger Internetunternehmen Unister. Mittlerweile ist er der Geschäftsführer eines Leipziger Kommunikations- und Beratungsunternehmens.

Zimmermann dürfte in seiner Karriere vielfältige Kontakte in Politik und Wirtschaft geknüpft haben. Die "Bild"-Zeitung bezeichnet Zimmermann und Spahn als Freunde.

Eigene Warnung missachtet

Lothar Wieler und Jens Spahn
RKI-Chef Lothar Wieler (li) informiert regelmäßig mit Spahn über die Pandemielage in Deutschland. Bildrechte: dpa

Bei dem Dinner in Leipzig sollen nach Medieninformationen gut ein Dutzend weitere Gäste anwesend gewesen sein. Ob und wie die Corona-Schutzmaßnahmen dabei eingehalten worden sind, darüber gehen die Berichte auseinander. Das Bundestagsbüro von Spahn teilte lediglich mit, dass Spahn zwischen 20 Uhr und 21:30 Uhr an dem Essen teilgenommen hätte. Doch allein diese Teilnahme, stößt vielen auf. Hatte der Gesundheitsminister doch noch am Morgen im ZDF gemahnt:

Wir wissen vor allem, wo es die Hauptansteckungspunkte gibt. Nämlich beim Feiern, beim gesellig sein, zuhause, privat.

Jens Spahn am Tag vor einer privaten Dinnerparty in Leipzig

Gesellig und privat – wie etwa eine private Dinnerparty. Tatsächlich war aber eine private Veranstaltung zu diesem Zeitpunkt in keiner Weise illegal.

Spendenparty für Spahns Wahlkampf

Und doch sorgt das Dinner für Stirnrunzeln. Genauso wie die Meldung, dass Gastgeber Zimmermann seine Gäste aufgefordert haben soll, jeweils 9.999 Euro für Spahns Bundestagswahlkampf in seinem Wahlkreis im Münsterland zu spenden.

Der Clou bei dieser Bitte: Erst ab Spenden von 10.000 Euro sind Parteien verpflichtet, die Identität des Geldgebers zu offen zu legen. Tatsächlich bestätigt Spahns Büro, dass Spenden von den Teilnehmern des Abendessens nach der Veranstaltung eingegangen seien. Die Spender des Leipziger Abends dürften also anonym bleiben. Und ein weiterer Glücksfall für sie: Keiner der anderen Gäste sei im Anschluss positiv auf Corona getestet worden, so der Gastgeber Zimmermann.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 02. März 2021 | 16:23 Uhr

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