Coronavirus Spahn: Anstieg der Infektionszahlen besorgniserregend

In Deutschland sind innerhalb eines Tages rund 4.000 neue Corona-Infektionen gemeldet worden. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn ist besorgt. RKI-Präsident Wieler warnt vor einer unkontrollierten Verbreitung.

Jens Spahn (CDU, r), Bundesminister für Gesundheit, und Lothar Wieler (l), Leiter des deutschen Robert-Koch-Instituts (RKI), tragen Mund-Nasen-Schutz als sie zu einer Pressekonferenz zur Corona-Lage eintreffen.
RKI-Präsident Lothar Wieler und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (r.) auf dem Weg zur gemeinsamen Pressekonferenz. Bildrechte: dpa

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat den deutlichen Anstieg bei den Coronavirus-Infektionen als besorgniserregend bezeichnet. Spahn sagte auf einer Pressekonferenz in Berlin, aktuell steckten sich vor allem Jüngere an. Sie feierten Partys, weil sie sich für unverletzlich hielten. Das seien sie aber nicht.

Spahn sagte, anders als man im März vermutet habe, gebe es keine großen Übertragungen beim Einkaufen, im öffentlichen Nahverkehr oder beim Friseur. Stattdessen zeige sich, dass die meisten Infektionen bei Feiern, Großveranstaltungen oder religiösen Veranstaltungen festzustellen seien.

Mit Blick auf Herbst und Winter kündigte der Minister an, dass die sogenannten AHA-Regeln ergänzt werden sollen. So solle man neben Abstand, Hygieneregeln und Alltagsmasken auch an das Lüften denken und möglichst die Corona-Warnapp nutzen. Spahn betonte, die Pandemie sei ein Charaktertest "für uns als Gesellschaft". Wenn 80 Millionen mitmachten, sinke die Chance des Virus gewaltig.

Es liegt an uns allen, ob wir es schaffen.

Jens Spahn

Wieler warnt vor unkontrolliertem Ausbruch

Der Präsident des Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler, warnte angesichts der aktuellen hohen Infektionsrate vor einer unkontrollierten Verbreitung des Coronavirus. Er wies darauf hin, dass in den letzten sieben Tagen etwa doppelt so viele Fälle an das RKI gemeldet worden seien als Anfang September. Man wisse nicht, wie sich die Lage in den nächsten Wochen entwickle. Es sei möglich, dass es mehr als 10.000 Fälle pro Tag geben könnte. Ziel müsse es sein, so wenige Infektionen wie möglich zuzulassen. Nach Angaben von Wieler gibt es wieder mehr Corona-Infektionen in Alten- und Pflegeheimen.

Infektiologin: Kliniken rechnen mit mehr schwerkranken Patienten

Die Infektiologin Susanne Herold vom Uniklinikum Gießen erklärte auf der Pressekonferenz mit Spahn und Wieler, die Krankenhäuser bereiteten sich auf eine neue Welle von schwer erkrankten Patienten vor. Derzeit würden 470 Covid-19-Patienten in Deutschland auf Intensivstationen behandelt. Die Ärzte erwarteten einen deutlichen Anstieg. Derzeit überwögen noch die leichteren Verläufe.

Der Chef der Kassenärztlichen Vereinigung, Andreas Gassen, sagte, aktuell seien mehr als 8.500 Intensiv-Betten frei. Das seien mehr als die Gesamtkapazität von Italien und Spanien. Zudem gebe es eine Notfallreserve von 12.000 Betten

Am Donnerstagmorgen war bekannt geworden, dass die Zahl der Neuinfektionen in Deutschland auf rund 4.000 angestiegen ist.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 08. Oktober 2020 | 10:00 Uhr

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