"Sputnik V" Russischer Impfstoff-Entwickler hat Interesse an Produktion in Pharmawerk in Sachsen-Anhalt

Der Entwickler des russischen "Sputnik V"-Impfstoffes hat laut Recherchen des MDR auf der Suche nach einem Kooperationspartner für eine mögliche Impfstoff-Produktion Kontakt mit dem Pharmahersteller IDT Biologika in Sachsen-Anhalt aufgenommen.

Der Russische Impfstoff Sputnik V
Bildrechte: imago images / Cover-Images

Mögliche deutsch-russische Zusammenarbeit: Der Entwickler des russischen Corona-Impfstoffes "Sputnik V" prüft eine Produktion seines Vakzins in Sachsen-Anhalt.

Das bestätigte das Bundesgesundheitsministerium MDR AKTUELL. Inhalte oder Einzelheiten von vertraulichen Gesprächen seien nicht bekannt. Der Kontakt nach Sachsen-Anhalt sei vom Entwickler des Vakzins – dem Moskauer Gamaleya-Institut – sowie dem staatlichen russischen Direktinvestmentfonds (RDIF) ausgegangen.

IDT wollte selber Impfstoff entwickeln

IDT Biologika ist ein Auftragshersteller für biopharmazeutische Unternehmen und hat seinen Hauptstandort in Dessau. Weitere Standorte gibt es in Magdeburg und den USA. Das Unternehmen selber wollte sich nicht zu einer möglichen Kooperation bezüglich des russischen Impfstoffes äußern. Man könne über den Stand möglicher Geschäftsbeziehungen zu anderen Pharmaunternehmen keine Auskunft geben, da dies in der Hand dieser Pharmaunternehmen liege und man zur Vertraulichkeit verpflichtet sei.

Der Vorläufer des heutigen Unternehmens IDT Biologika wurde bereits vor 100 Jahren in Dessau als "Bakteriologisches Institut der Anhaltischen Kreise" gegründet und 1980 in "VEB Impfstoffwerk Dessau-Tornau" umbenannt. Nach der Wiedervereinigung wurde IDT privatisiert und in "Impfstoffwerk Dessau-Tornau GmbH" umbenannt. Es gehört zum Familienunternehmen Klocke Gruppe aus Baden-Württemberg.

Unter den drei deutschen Firmen, die vom Bundesforschungsministerium gefördert werden, um einen Impfstoff gegen Covid-19 zu entwickeln, ist auch IDT Biologika. Es soll aus dem Impfstoff-Sonderprogramm 114 Millionen Euro erhalten. Im November hatte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) angekündigt, mit IDT einen Vertrag über die Abnahme von fünf Millionen Dosen zu schließen und 30 Millionen Euro aus dem Kaufpreis vorab zu bezahlen, um in Dessau Produktionskapazitäten zu schaffen.

"Sputnik V" bisher ohne Zulassung

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte Mitte Januar eine Unterstützung des bundeseigenen und für Impfstoffe zuständigen Paul-Ehrlich-Instituts beim Antragsverfahren für eine Zulassung des Sputnik-Impfstoffes in der EU angeboten.

Das Bundesgesundheitsministerium bestätigte dem MDR, dass es bereits Beratungsgespräche zwischen dem Paul-Ehrlich-Institut sowie dem Moskauer Gamaleya-Institut und dem staatlichen russischen Direktinvestmentfonds gab. Das Paul-Ehrlich-Institut handele dabei als unabhängige Zulassungsbehörde.

Bisher ist der "Sputnik V"-Impfstoff in der EU nicht zugelassen. Die in der EU zuständige Arzneimittelbehörde EMA hatte dem MDR Ende vergangener Woche mitgeteilt, dass es noch keinen Zulassungsantrag für den russischen Impfstoff gebe. Der Entwickler des Impfstoffes habe aber eine Anfrage für eine sogenannte Wissenschaftliche Beratung gestellt, zudem habe bereits ein Treffen zwischen den Sputnik-V-Entwicklern und der EMA stattgefunden.

Impfstoff-Produktion ausgelagert

Dass es Kooperationen zwischen Impfstoffherstellern gibt, ist nichts Ungewöhnliches und sei grundsätzlich als sehr positiv zu bewerten, sagte Jens Meiler dem MDR. Er ist Professor für Pharmazeutische Chemie an der Uniklinik Leipzig. "Die Produktion von Impfstoffen wird häufig ausgelagert, es gibt Firmen, die sich darauf spezialisiert haben", sagte Meiler.

Grundsätzlich sei die Produktion von Impfstoffen sehr komplex. "Es dauert in der Regel Monate, um eine entsprechende Produktionsstraße an einen neuen Impfstofftyp anzupassen, geschweige denn neu aufzubauen." In Europa gebe es nur eine begrenzte Produktionskapazität. Deshalb sei es sinnvoll, dass etwa Firmen, bei denen eigene Entwicklungen stocken, vorhandene Kapazitäten für bereits zugelassene Impfstoffe zur Verfügung stellten.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR AKTUELL | 23. Oktober 2020 | 20:45 Uhr

33 Kommentare

Micky Maus vor 11 Wochen

Wie wären die Konsequenzen für mich, wenn ich mich als Deutscher EU Bürger in Ungarn mit dem Sputnik Impfstoff impfen lasse?

Bekomme ich trotzdem einen der begehrten EU Corona Impfausweise? 🤔

Micky Maus vor 11 Wochen

"Russischer Corona-Impfstoff zeigt Wirksamkeit von 91,6 Prozent"

Quelle: spiegel

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BioNTech / Pfizer // BioNTech / Fosun Pharma: 95 Prozent Wirksamkeit
Moderna (USA): 94,1 Prozent Wirksamkeit
AstraZeneca Life Science / Oxford University (UK): 59,5 Prozent Wirksamkeit
Quelle: vfa

Was gibt es da eigentlich noch zu überlegen?

sachsenradar vor 11 Wochen

Auch für uns Ostdeutsche gelten die gesamtdeutschen Regeln. Wenn es keine Zulassung gibt wird nicht geimpft, egal woher der Impfstoff kommt. Oder wollen Sie, wenn es schief geht auf die Solidarität der (gesamtdeutschen) Krankenversorgung verzichten? Ein bisschen mehr aufrechter Gang, auch wenn es von den "Befreiern" kommt, wäre auch im Osten langsam wünschenswert.

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