Gedenken Steinmeier: "Dieser 8. Mai ist ein Tag des Krieges"

Tausende Menschen in ganz Deutschland haben am 8. Mai an das Ende des Zweiten Weltkriegs, an den "Tag der Befreiung" von der Herrschaft der Nationalsozialisten 1945 erinnert. Zu diesem Anlass bezeichnete Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier den Krieg in der Ukraine als "Epochenbruch" und den 8. Mai 2022 als einen "Tag des Krieges".

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier spricht auf der Eröffnungsveranstaltung des 22. Ordentlicher Bundeskongress des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB).
Auf der Eröffnungsveranstaltung des 22. Ordentlichen Bundeskongress des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) spricht Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier vom Ukraine-Krieg als "Epochenbruch". Bildrechte: dpa

Anlässlich des Gedenkens an das Ende des Zweiten Weltkrieges am 8. Mai 1945 hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier den Krieg in der Ukraine als "Epochenbruch" bezeichnet. Beim DGB-Bundeskongress in Berlin am Sonntag sagte er, "wir waren uns zu sicher, dass Frieden, Freiheit, Wohlstand selbstverständlich sind". Dieser Krieg mache auf eine brutale Weise klar, dass man die Demokratie schützen und verteidigen müsse – nach innen und nach außen.

Tag der Befreiung, der Hoffnung, des Krieges

Der russische Angriffskrieg bedrohe die Ukraine in ihrer Existenz, erklärte Steinmeier weiter. "Der Angriff auf die Ukraine ist auch ein Angriff auf die Idee der liberalen Demokratie und auf die Werte, auf denen sie gründet: Freiheit, Gleichheit, die Achtung der Menschenrechte und der Menschenwürde." Die Antwort sei eindeutig und klar, so Steinmeier: "Wir stehen an der Seite der Ukraine, aus voller Überzeugung und mit ganzem Herzen, gemeinsam mit unseren europäischen Nachbarn."

Steinmeier betonte, der 8. Mai, der das Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa markiert, sei ein Tag der Befreiung und ein Tag der Mahnung. Sehr lange sei es auch ein Tag der Hoffnung gewesen – der Hoffnung, dass niemand mehr auf Krieg als Mittel der Politik setze.

Dieser 8. Mai ist ein Tag des Krieges

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier

Eine Lehre des 8. Mai sei auch, dass sich die Europäer nicht noch einmal durch aggressiven Nationalismus und Völkerhass auseinandertreiben lassen dürften. "Nationalismus, Völkerhass und imperialer Wahn dürfen nicht die Zukunft Europas beherrschen. Das müssen wir verhindern", forderte der Bundespräsident.

Friedliches Gedenken in Berlin

Unterdessen haben in Berlin viele Menschen unter starker Polizeipräsenz an verschiedenen Gedenkorten an das Ende des Zweiten Weltkriegs erinnert. Am Sowjetischen Ehrenmal im Treptower Park und in Mitte legten Hunderte Menschen Blumen und Kränze ab. Ein Mann verteilte einem dpa-Reporter zufolge ukrainische Papier-Flaggen, die die Polizei aber rasch wieder einsammelte. Der Mann wurde demnach von den Beamten von der Veranstaltung weggeführt.

Für die Gedenkveranstaltungen am Sonntag hatte die Polizei in Berlin für 15 Gedenkorte Auflagen erlassen und unter anderem das Zeigen von russischen und ukrainischen Fahnen verboten. Viele der Menschen trugen daher blaue und gelbe Kleidungsstücke – in den Nationalfarben der Ukraine. Das Flaggenverbot gilt auch bei Gedenkveranstaltungen am Montag, den 9. Mai. Dieser Tag wird in Russland als "Tag des Sieges" über Nazideutschland gefeiert. Bundesinnenministerin Nancy Faeser hatte dazu im Vorfeld angekündigt, dass die Polizei gegen eine Verherrlichung des Kriegs Russlands gegen die Ukraine scharf vorgehen werde.

Gedenken auch in Mitteldeutschland

Auch in Mitteldeutschland wurde an die Ereignisse vor 77 Jahren erinnert. In vielen Orten gab es Kranzniederlegungen. Im sächsischen Wurzen sollte eine Fahrradtour durch das Muldental an die Opfer von Todesmärschen erinnern. Görlitz richtete gemeinsam mit Zgorzelec am polnischen Ufer der Neiße eine Veranstaltung aus.

Im nordsächsischen Torgau zerstörten Unbekannte in der Nacht zum Sonntag am Denkmal der Begegnung mehrere Blumenkübel und eine hölzerne Friedenstaube. Zudem wurden Fahnen heruntergerissen und gestohlen, die im Gedenken an die Kriegsopfer an der Elbbrücke befestigt waren. Auf der Brücke hatten sich am 25. April 1945 amerikanische und sowjetische Soldaten die Hand gereicht und so symbolisch das Ende des Zweiten Weltkrieges besiegelt.

In Sachsen-Anhalt gab es unter anderem in Halle eine Gedenkveranstaltung auf den Südfriedhof. In Magdeburg empfing Landtagspräsident Gunnar Schellenberger am Abend die Zeitzeugin, Ärztin und Psychotherapeutin Eva Umlauf. Sie hatte als kleines Kind gemeinsam mit ihrer Mutter die Deportation aus der Slowakei und die Inhaftierung im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau überlebt.

Bei einer Gedenkveranstaltung in Thüringens Landeshauptstadt Erfurt sagte der Vorsitzende der jüdischen Landesgemeinde in Thüringen, Reinhard Schramm, die "überragende historische Bedeutung" des 8. Mai 1945 könne auch nicht durch den russischen Angriffskrieg in Frage gestellt werden. "Und doch schändet dieser Krieg das Ansehen einstiger Befreier."

dpa,epd (cga,agr)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 08. Mai 2022 | 12:00 Uhr

25 Kommentare

Norbert 56 NRW vor 7 Wochen

Naja demokratisch legitimiert ist die eine Sache, was derjenige daraus macht die andere (z.B. Wendehalspolitik). Nun ist mir das Amt des BP in der BRD sowieso suspekt. Aber egal wenns schee macht...

Wessi vor 7 Wochen

nun @ Norbert ... bei Frau Merkel kann ich mich an die eigene Nase fassen,denn ich habe sie nie gewählt, aber genau wie Steinmeier war resp. was St. anbelangt ist, sie demokratisch legitimiert worden, sogar mehrfach (selbst als sie das tat,was sie am Meisten wohl kritisieren).St. wurde sogar über Parteigrenzen hinweg gelobt, scheint also, im demokratischen Sinne gut gearbeitet zu haben,weils zum 2.Mal ist+ist nun einmal unser Staatsoberhaupt, ob man ihn nun mag oder nicht....!

Norbert 56 NRW vor 8 Wochen

Also Wessi da scheiden sich die Geister, für mich war und ist diese Frau die Abrissbirne Deutschlands. Steinmeier mag Ihr Präsi sein, für viele andere ist er es halt nicht, ich sehe keine messbar guten Eigenschaften an dem ex Wasserträger von Schröder...

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