Faktencheck Welchen Einfluss haben Steuern und Abgaben auf den Strompreis?

Im ersten Triell zwischen den Kanzlerkandidaten Armin Laschet, Annalena Baerbock und Olaf Scholz wurde auch diskutiert, wie ein Ansteigen der Stromkosten verhindert werden kann. Welchen Anteil haben Steuern und Abgaben überhaupt auf den Strompreis?

Ein Stromstecker, sowie Geldscheine und Münzen
Strom ist in Deutschland teuer - Schuld daran sind auch EEG und Stromsteuern Bildrechte: dpa

Klimaschutz und die möglichen Kosten waren ein Themenfeld beim Triell zwischen den Kanzlerkandidaten von CDU und SPD und der Kanzlerkandidatin der Grünen. CDU-Kandidat Armin Laschet forderte die Abschaffung der Erneuerbare Energien-Umlage, kurz EEG-Umlage und eine niedrigere Stromsteuer. Auch SPD-Kandidat Scholz forderte die Abschaffung der EEG-Umlage. Baerbock indes sprach sich vor allem die eine Auszahlung eines Energiegeldes an die Bürger aus. Wieso ist das so ein wichtiges Thema im Wahlkampf und was kosten uns eigentlich Stromsteuer und EEG-Umlage?

Fakt 1: Strompreis stark gestiegen

Der Strompreis hat sich seit dem Jahr 2000 laut dem Portal Verivox verdoppelt. Im August lag er für private Haushalte laut einer Auswertung von Verivox bei 30,4 Cent pro Kilowattstunde. Die Bundesnetzagentur hatte für den April 2020 für Haushaltskunden sogar einen Strompreis von 32,05 Cent pro Kilowattstunde registriert. Laut Verivox gehen die aktuell hohen Preise allerdings vor allem auf einen Anstieg bei den Großhandelspreisen zurück.

Doch was verbirgt sich eigentlich hinter dem Verbraucherpreis? Im Wesentlichen drei Komponenten:

  • die Kosten für den Strom an sich, Service und Vertrieb (lag 2020 laut Bundesnetzagentur bei 25 Prozent)
  • das Netzentgelt (23 Prozent)
  • Steuern und Abgaben (52 Prozent)

Zu den Steuern und Abgaben wiederum zählen verschiedene Komponenten, darunter auch die EEG-Umlage und die Stromsteuer. Die EEG-Umlage liegt derzeit bei 6,5 Cent, das sind rund 22 Prozent Anteil am Gesamtstrompreis. Die Stromsteuer beträgt seit der Einführung im Jahr 1999 konstant 2,05 Cent pro Kilowattstunde.

Fakt 2: Deutschland braucht mehr Strom

Um klimaneutral zu werden, müssen in Deutschland viele Prozesse künftig mit Hilfe elektrischer Energie betrieben werden. Deshalb wird auch der Stromverbrauch massiv steigen – laut Prognose des Bundeswirtschaftsministeriums von 545 Milliarden Kilowattstunden im Jahr 2020 auf 645 bis 665 Milliarden Kilowattstunden im Jahr 2030.

Derzeit wird diskutiert, wie verhindert werden kann, dass der Strompreis besonders für einkommensschwächere Haushalte weiter steigt. Darum drehte sich auch die Debatte im Triell mit den Kanzlerkandidaten.

Die Stromsteuer ist europarechtlich festgelegt, könnte allerdings auf ein Minimum gesenkt werden. Die EEG-Umlage könnte theoretisch abgeschafft werden. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen fordert schon lange eine Abschaffung der EEG-Umlage, Hauptkritik ist die Befreiung für energieintensive Unternehmen.

Auch bei anderen Energieexperten stoßen die Vorschläge auf Zustimmung:

"Eine Abschaffung der EEG-Umlage und eine Senkung der Stromsteuer auf den europäischen Mindeststeuersatz wären wünschenswert", sagt Veronika Grimm, Professorin am Lehrstuhl für Volkwirtschaftslehre an der Uni Erlangen-Nürnberg. Sie gehörte erst kürzlich einer Expertenkommission des Bundeswirtschaftsministeriums zur Energiewende an. Sie wünscht sich stattdessen mehr Fokus auf dem CO2-Preis. Mit dem kürzlich eingeführten CO2-Preis sollen klimaschädliche Prozesse verteuert werden.

"Dadurch könnte eine bessere Lenkungswirkung erzielt werden", sagt Grimm. "Zur Gegenfinanzierung der Entlastung beim Strompreis wären allerdings zunächst rund 30 Milliarden Euro jährlich nötig. Ein Teil könnte aus den Einnahmen der CO2-Bepreisung gestemmt werden. Darüber hinaus könnten direkte und indirekte Subventionen fossiler Energieträger in großem Umfang reduziert werden", sagt sie.

"Da wir grünen Strom künftig auch zum Heizen, für Elektroautos oder für eine klimaneutrale Industrie brauchen, muss der Preis sinken", sagt Thorsten Lenck, Projektleiter Strommarktdesign und Erneuerbare Energien bei der Denkfabrik Agora Energiewende. "Die EEG-Umlage und die Stromsteuer sind einfache Hebel dafür. Über eine höhere CO2-Bepreisung könnte das gegenfinanziert werden, das hätte einen doppelt positiven Effekt für den Klimaschutz."

Fazit: Großer Einfluss auf Stromkosten

Die EEG-Umlage und die Stromsteuer haben einen großen Einfluss auf den Strompreis, eine Abschaffung würde Privatverbraucher entlasten. Allerdings wäre eine Gegenfinanzierung in großer Höhe nötig.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 29. August 2021 | 22:00 Uhr

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