Tag der Befreiung Merkel warnt am 8. Mai vor Schlussstrich-Denken

Vorwiegend digital ist in Deutschland an das Ende des zweiten Weltkriegs erinnert worden. Bundeskanzlerin Merkel mahnte, keinen Schlusstrich zu ziehen. Gedenken gab es auch in Mitteldeutschland. In Leipzig und Dresden gab es Kranzniederlegungen. Der Landtag von Sachsen-Anhalt stellte einen Gedenkfilm ins Netz. Thüringens Ministerpräsident Ramelow mahnte, eine Welt der Humanität und des Friedens sei nie selbstverständlich. In Berlin gingen Tausende auf die Straße

Angela Merkel
Angela Merkel: Der 8. Mai 1945 war ein Tag der Befreiung. Bildrechte: dpa

Zum 76. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs und der Befreiung Deutschlands vom Nationalsozialismus hat Bundeskanzlerin Angela Merkel vor einem Schlussstrich-Denken gewarnt. "Der 8. Mai 1945 war ein Tag der Befreiung", schrieb Regierungssprecher Steffen Seibert in Merkels Namen auf Twitter: "Er bedeutete das Ende der NS-Diktatur und des Zivilisationsbruchs der Shoah." Es bleibe eine immerwährende Verantwortung, "die Erinnerung an die Millionen von Menschen wachzuhalten, die in den Jahren nationalsozialistischer Gewaltherrschaft ihr Leben verloren".

Außenminister Heiko Maas dankte jenen, "die ihr Leben riskiert und millionenfach geopfert haben, um die Welt vom Faschismus zu befreien". Auf Twitter erinnerte er daran, dass der Faschismus bis heute bestehe. "Die Idee des Faschismus ist leider auch heute nicht ganz ausgemerzt. Wir müssen jeden Tag gemeinsam für Demokratie und Freiheit einstehen."

Gedenken in mehreren Städten Sachsens

In mehreren Städten Sachsens ist am Sonnabend an das Ende und die Opfer des Zweiten Weltkriegs erinnert worden. In Leipzig gedachten Oberbürgermeister Burkhard Jung und der Generalkonsul der Russischen Föderation in Leipzig, Andrey Dronow, am Ehrenmal für die militärischen und zivilen Gefallenen des Zweiten Weltkrieges aus der ehemaligen Sowjetunion. In Dresden trafen sich Linke-Kommunalpolitiker am Ehrenmal für die gefallenen Soldaten der Roten Armee. In Görlitz/Zgorzelec ließen Oberbürgermeister Octavian Ursu und sein polnischer Amtskollege Rafal Gronicz auf der Altstadtbrücke über die Neiße Friedenstauben fliegen.

Sachsen-Anhalts Landtag stellt Gedenkfilm ins Netz

In Sachsen-Anhalt gedachte der Landtag coronabedingt erstmals rein digital des Endes des Zweiten Weltkriegs. Dazu wurde ein 45 Minuten langer Gedenkfilm mit historischen Originalaufnahmen und verschiedenen Redebeiträgen ins Internet gestellt. Der Film blickt unter anderem mit Originalaufnahmen der US-Wochenschau auf die letzten Kriegstage entlang der Elbe zwischen Altmark und Wittenberg. Landtagspräsidentin Gabriele Brakebusch beschreibt in ihrer Rede den Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus als Tag des Gedenkens an die Millionen von Opfern sowie als Tag der Trauer, der Demut und der Verantwortung.

Ramelow mahnt: Welt der Humanität nie selbstverständlich

Auch in Thüringen gedachten Landespolitiker des Endes des Zweiten Weltkrieges und dessen Opfern. Ministerpräsident Bodo Ramelow sagte laut Mitteilung, er verneige sich "vor allen Opfern der faschistischen Gewaltherrschaft". Ramelow mahnte: "Eine Welt der Humanität, des Friedens und der Geschwisterlichkeit ist niemals selbstverständlich." Landtagspräsidentin Birgit Keller erklärte, das Opfer von Millionen Menschen, die beim NS-Vernichtungsfeldzug und bei der Befreiung Europas vom Faschismus ihr Leben ließen, sei eine Verpflichtung: "Faschismus und Terror dürfen nie wieder die Oberhand gewinnen."

Tausende in Berlin auf der Straße

In Berlin sind mehrere Tausend Menschen auf die Straße gegangen, um an den 8. Mai zu erinnern, aber auch gegen Rassismus und Polizeigewalt in Deutschland zu demonstrieren. Die Polizei schätzte die Teilnehmerzahl auf 3.000. Zu dem Protestbündnis gehörten 60 Organisationen, darunter auch Klimaschutzaktivisten von "Fridays for Future" und anderen. Der "Fridays for Future"-Aktivist Quang Paasch sagte: "Der 8. Mai ist ein Tag des Sieges über den Faschismus, aber er ist auch eine Mahnung an uns alle". 76 Jahre nach dem Ende des Nationalsozialismus würden wieder Faschisten und Rassisten in den Parlamenten sitzen.

Russland feiert am Sonntag

Mit der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht endete am 8. Mai 1945 der von Hitler-Deutschland entfesselte Krieg in Europa. Er kostete dort und in Asien mehr als 50 Millionen Menschen das Leben. Aufgrund der Zeitverschiebung wird der Tag in Russland und anderen Nachfolgestaaten der Sowjetunion am 9. Mai begangen. In Berlin wird es am Sonntag Kranzniederlegungen an den Sowjetischen Ehrenmalen im Tiergarten und im Treptower Park geben.

Quelle: DPA, AFP, epd

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 08. Mai 2021 | 14:00 Uhr

57 Kommentare

THOMAS H vor 6 Wochen

Wessi: Eben weil zu viel Unheil von Deutschland ausgegangen ist, ist es heute unverständlich, das es Menschen wie Sie gibt, die es gutheißen, das wieder deutsche Soldaten am Töten von anderen Menschen beteiligt sind und das sogar noch mit Gottes Segen.
Ebenso sollten Sie einsehen, das Sie von anderen Menschen nicht verlangen können, das sie sich schuldig oder verantwortlich für das damals Geschehene fühlen, wobei es auch widersinnig ist, diesen Menschen zu unterstellen, das ihr Gedankengut von feigen Tätern geerbt wurde. Meine Oma Und meine Mutter, welche den 13. Februar 1945 in Dresden-Löbtau er- und überlebt haben, waren mit Sicherheit keine Täter, waren aber auch der Meinung, daß die Kinder und Enkelkinder nicht für das damalige Geschehen verantwortlich gemacht werden können. Und nocheins: Auch ich habe meinen Großvater nicht kennengelernt, weil er 1943 in Jugoslawien erschossen wurde. Ich weiß aber von meiner Oma, das er auch nicht in den Krieg wollte, aber musste.

Wessi vor 6 Wochen

@ SZ Rentner ...Was heisst hier "dümmliche Unterstellungen"? Was heisst hier "genug"? Das haben Leute wie Sie zu entscheiden und nicht die Opfer?Frau Merkel hat zu 100 % Recht: man darf nicht einfach einen Schlußstrich ziehen, zu viel Unheil ist von unserem Land ausgegangen+heute gar wählen in gewissen Gegenden Leute Parteien die eine "180° Grad-Wende der Erinnerungskultur" anstreben.Der Mann der das gesagt hat darf gar als "Faschist" deklariert werden! Glauben Sie ich ließe mir von Rechten wie Ihnen auch nur ansatzweise vorschreiben, wie ich zu fühlen hätte? Nicht das Tätervolk hat zu bestimmen, sondern die Opfer (aus rassischen Gründen,aus politischen Gründen)+ihre Nachfahren.Diese Opfer haben die deutsche Vereinigung überhaupt wieder, politisch+legal, möglich gemacht.In Ihrem Undank wählen Leute wie Sie heute AfD.ES DARF NICHT SCHLUß SEIN, nur weil Faschisten das anstreben, denn 60 Millionen Opfer sind zu viel,jedes einzelne!

SZ Rentner vor 6 Wochen

@ Wessi
Lassen sie doch ihre dümmlichen Unterstellungen uns hat man im Osten genug über das Dritte Reich eingebleut wir werden das nicht vergessen da machen sie sich keine Sorgen. Wenn sie nicht verstehen wollen oder nicht können ist das ihr Problem. Sie haben es wieder nicht verstanden wenn man es übertreibt erreicht man genau das Gegenteil.

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