Tarifabschluss Altenpflegekräfte sollen bis zu 25 Prozent mehr Lohn erhalten

Beschäftigte in der Altenpflege können mit dem neuen Tarifabschluss mit bis zu 25 Prozent mehr Lohn rechnen. Das Bundesarbeitsministerium will den Tarif auf die gesamte Branche anwenden. Einige Betreiber kündigten aber bereits Klagen an.

Die Löhne für Beschäftigte in der Altenpflege sollen deutlich steigen. Ein Tarifvertrag, auf den sich die Gewerkschaft Verdi und die Bundesvereinigung der Arbeitgeber in der Pflegebranche (BVAP) einigten, sieht vor, die Mindestentgelte bis 2023 in vier Stufen zu erhöhen. Pflegefachkräfte sowie Helferinnen und Helfer sollen dann bis zu 25 Prozent mehr verdienen.

Bereits im September hatten Gewerkschaft und Verband einen Tarifvertrag ausgehandelt, der jetzt in Details verändert wurde. Die Mindestentgelte in der Altenpflege steigen danach in vier Schritten deutlich an. Der Stundenlohn von Pflegehilfskräften soll 2023 mindestens 14,40 Euro betragen, der von Pflegefachkräften 18,75 Euro.

Im Juni 2023 würden bei einer 39-Stunden-Woche dann mindestens folgende Monatsgehälter gezahlt: 2.440 Euro für Pflegehelfer, 2.585 Euro für Pflegehelfer mit mindestens einjähriger Ausbildung und 3.180 Euro für Pflegefachkräfte. Zudem soll es in der Altenpflege künftig mindestens 28 Urlaubstage pro Jahr und ein zusätzliches Urlaubsgeld von mindestens 500 Euro geben.

Mindestgehälter im Osten an Westen angleichen

Der neue Tarifvertrag soll auch dafür sorgen, dass Beschäftigte im Osten nicht mehr schlechter gestellt sind als ihre West-Kollegen. Bisher bestehen in Ost- und Westdeutschland unterschiedliche Mindestlöhne für Pflegehilfskräfte, die bis September auf einheitlich 12,55 Euro pro Stunde steigen sollen.

Bundesarbeitsminister Bundesarbeitsminister Hubertus Heil will die Vereinbarungen ab dem 1. August in der gesamten Altenpflege für allgemeinverbindlich erklären. Dann könnten gut 1,1 Millionen Beschäftigte davon profitieren. Zuvor müssen aber noch die kirchlichen Anbieter Diakonie und Caritas zustimmen. Sie unterliegen einem kircheneigenen Tarifrecht.

Viele Betreiber lehnen kleinen Branchenverband ab

Die privaten Pflegeheimträger und Betreiber von Pflegediensten wehren sich allerdings gegen einen einheitlichen Tarifvertrag. Sie haben Klagen angekündigt. Sie sprechen es dem relativ kleinen Arbeitgeberverband BVAP ab, für die Branche sprechen zu können.

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Die Deutsche Stiftung Patientenschutz begrüßte die Entwicklung. "Es ist gut, dass der bundesweite Tarifvertrag kommt", sagte Vorstand Eugen Brysch. Der Bundesgesundheitsminister müsse allerdings dafür sorgen, dass die Kostenexplosion bei den Eigenanteilen gestoppt werde. Auch Verdi, der BVAP und die Diakonie mahnten, die Mehrkosten nicht auf die Pflegebedürftigen abzuwälzen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 01. Februar 2021 | 14:00 Uhr

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