Visa-Einschränkungen Kaum noch russische Touristen in Mitteldeutschland

Carolin Voigt, Autorin, Redakteurin und Sprecherin
Bildrechte: MDR/Karsten Möbius

Viele europäische Länder wollen Visa-Beschränkungen für russische Touristinnen und Touristen einführen. Für Deutschland ist das kein Weg, wenn es nach Bundeskanzler Scholz geht. Auch in Mitteldeutschland sind Politiker dagegen. In der Region spielen russische Touristen allerdings sowieso kaum noch eine Rolle.

Ein Jogger läuft auf dem Elberadweg vor der Altstadtkulisse von Dresden
Vor allem in Dresden ist ein Rückgang bei Besucherzahlen aus Russland zu verzeichnen. Bildrechte: dpa

Passt das zusammen? Auf der einen Seite sterben jeden Tag ukrainische Zivilisten durch den russischen Angriffskrieg. Auf der anderen Seite reisen Russinnen und Russen unbeschwert durch Europa. Für etliche nord- und osteuropäische Länder passt das nicht. Unter anderem Finnland, Norwegen, Polen, Tschechien, Estland wollen daher Visa-Einschränkungen für russische Touristen.

Die Überlegung dahinter: Auslandsreisen leistet sich vor allem die Elite Russlands und die hat in der Regel gute Verbindungen in den Kreml. Finnland ist schon vorangeschritten und plant, weniger Touristenvisa auszustellen.

Auch CDU und FDP gegen Visa-Einschränkungen

Kein Weg für Deutschland, findet der stellvertretende Vorsitzende der Unionsbundestagsfraktion, Sepp Müller: "Wladimir Putin führt Krieg gegen die Ukraine und deswegen gehört auch er persönlich sanktioniert. Wir können nicht ein ganzes russisches Volk bestrafen und sanktionieren, weil sein Präsident Krieg gegen die Ukraine führt."

Die Personensanktionen müssten jedoch nachgeschärft werden. Für kremlnahe Leute und Putins Freunde müsse die Visa-Vergabe eingestellt werden, sagt Müller.

Ähnlich äußert sich Müllers Fraktionskollege, der außenpolitische Sprecher Jürgen Hardt. Er ergänzt: "Wir müssen schon darauf achten, dass diejenigen, die vielleicht auch eine andere Meinung in dieser Frage haben, die Möglichkeit haben, auch Familienbesuche zu machen oder zu Studienzwecken oder aus touristischen Gründen nach Europa zu kommen."

Das ist auch der FDP wichtig. Der außenpolitische Sprecher der Bundestagsfraktion, Ulrich Lechte, sagt im Gespräch mit MDR AKTUELL: "Auf der anderen Seite darf man nicht übersehen, dass viele russisch-stämmige Leute in Europa leben. Wir würden die Familien auf ewig auseinanderdividieren. Aber dennoch, der Weg darf nicht verschlossen werden. Das ist meine Botschaft und ich darf auch keinen neuen Eisernen Vorhang entstehen lassen."

Kaum noch russische Touristen in Mitteldeutschland

Das Thema wird weiter diskutiert. Tschechien will den Reisebann für Russen beim EU-Gipfel Ende des Monats vorschlagen. Für Mitteldeutschland spielen russische Touristen übrigens kaum noch eine Rolle. Erfurt haben nach offiziellen Angaben letztes Jahr 88 russische Gäste besucht. Für Magdeburg spielen Touristen aus Russland laut Tourismus Service eine absolut untergeordnete Rolle.

Nach Angaben der Leipzig Tourismus und Marketing GmbH gab es im vergangenen Kalenderjahr 1.433 Übernachtungen von Russen in der Messestadt. Vor Corona, 2019, waren es noch knapp 20.000 gewesen. Ähnlich sieht es in Dresden und Umgebung aus. 2021 kamen laut Dresden Marketing GmbH 1.068 Russinnen und Russen – im Vergleich zu fast 30.000 vor zwei Jahren.

Entsprechend die Einschätzung von Rico Gebhardt, Fraktionsvorsitzender der Linken im sächsischen Landtag: "Ich glaube nicht, dass uns das helfen würde und dazu beiträgt, dass Putin den Krieg in der Ukraine beendet, wenn wir jetzt noch einigen Russinnen und Russen das Visum versagen."

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Das Nachrichtenradio | 18. August 2022 | 06:00 Uhr

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