Digitaler Jahresauftakt Die Linke sucht mit Trabert den Aufbruch

Die Linken-Spitze trifft sich heute zum digitalen Jahresauftakt. Begonnen hat das Jahr für die Partei mit einer guten Nachricht – es ist nach langer Zeit die erste: Parteivorstand und Fraktion haben einmütig einen Kandidaten für die Bundespräsidentenwahl aufgestellt. Der Sozialmediziner Gerhard Trabert kann zwar den Amtsinhaber Frank-Walter Steinmeier kaum besiegen, aber der Linken trotzdem eine Hilfe sein.

Linken-Spitze mit ihrem Präsidentschafts-Kandidaten Gerhard Trabert  (2.v.r.).
Die Linken-Spitze hofft, dass die Kandidatur von Gerhard Trabert (2vr) für das Präsidentenamt das Profil der Partei als Kraft für soziale Gerechtigkeit schärft. Bildrechte: dpa

So viel Begeisterung gab es in der Linken seit längerem nicht mehr und das liegt an Gerhard Trabert, dem Kandidaten der Partei für die Bundespräsidentenwahl. Der Arzt der Armen, Sozialmediziner, Universitätsprofessor und Flüchtlingsretter lässt sogar Fraktions- und Parteispitze um die Wette strahlen. Und so freuen sich Janine Wissler, Dietmar Bartsch und Susanne Hennig-Wellsow über die Kandidatur von Trabert. Hennig-Wellsow sagt, er kümmere sich darum, dass Menschen ihre Würde behalten.

Und darum soll es der Linken doch eigentlich gehen, wenn da nur nicht die ewigen Seitenhiebe gegen andere Genossen wären. Gerhard Trabert allerdings schlägt einen anderen Ton an, er will nicht dagegen sein, sondern dafür: "Ich führe keine Kandidatur gegen Herrn Steinmeier, sondern für von Armut betroffene Menschen."

Einsatz für Menschen in Not

Das glaubt man ihm. Schließlich ist Trabert mehrmals pro Woche mit seinem Arztmobil unterwegs, versorgt Obdachlose und andere Menschen, die nicht krankenversichert sind.

Auch die Liste seiner Auslandseinsätze ist lang. Er half Tsunami-Opfern in Sri Lanka genauso wie Flutopfern in Rheinland-Pfalz und engagiert sich in der Flüchtlingshilfe am Mittelmeer: "Niemand kann durch ein Bild, durch einen Film wissen, was es bedeutet, Menschen kurz vor dem Ertrinken aus dem Wasser zu ziehen. Das lassen Deutschland und Europa aber zu."

Wissler: So wie Trabert wünsche ich mir die Linke

Traberts eindringliche Appelle übertönen sogar kurzzeitig den Streit zwischen Partei und Fraktion. Denn während die Vorsitzenden Wissler und Hennig-Wellsow die Partei neu ausrichten wollen, so dass sie auch für Jüngere attraktiv wird, gibt es in Teilen der Fraktion den Wunsch nach Begrenzung auf soziale Themen wie in alten Zeiten.

Trabert steht irgendwie über diesem Streit. Er sei so, wie sie sich die Linke wünsche, seufzt Parteichefin Wissler.

Linke braucht nach Wahldebakel Aufbruch

Vielleicht könne der gute Mensch und Arzt der Armen in den abgetragenen Klamotten sogar Sympathien über Parteigrenzen hinweg gewinnen, hofft Linkenchefin Hennig-Wellsow: "Vielleicht haben wir ja doch einen neuen Bundespräsidenten, der nicht Steinmeier heißt. Das wäre aus heutiger Sicht etwas Träumerei, aber wir sollen ja auch alle träumen dürfen, dass die Welt auch etwas besser wird."

Auch besser für die Linke. Denn nach dem katastrophalen Wahlergebnis braucht die Partei einen Aufbruch. Wie der gelingen kann, das müssen die Parteichefinnen beim Jahresauftakt am Wochenende in ihren Reden erklären. Die Begeisterung für Gerhard Trabert kann da nur ein Anfang sein.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 15. Januar 2022 | 06:00 Uhr

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