Sachsen-Anhalt Schüler klagen über viele Tests und Arbeiten

Der Landesschülerrat Sachsen-Anhalt beklagt zu viele Tests und Klassen-Arbeiten nach der Corona-Pause. Vorstandsmitglied Eichelmann sagte MDR AKTUELL, derzeit gingen beim Rat viele Beschwerden über das Pensum ein, das die Schülerinnen und Schüler bewältigen müssten. Nach einer so langen Phase ohne Unterricht sei das für viele Schüler nicht zu stemmen. Arbeiten sollten auf Kernfächer wie Deutsch, Mathe und die erste Fremdsprache beschränkt werden.

Nach einer langen Pause kehren die Schüler der letzten Klasse aufgrund der Corona-Virus-Krankheit COVID-19 wieder zum Gymnasium zurück
Nach Wochen des Fernunterrichts gehen viele Schülerinnen und Schüler inzwischen wieder halbwegs regelmäßig in den Unterricht. Dort warten dann oft Tests und Klassenarbeiten auf sie. Bildrechte: imago images/Action Pictures

Moritz Eichelmann geht in die neunte Klasse auf einem Merseburger Gymnasium. Er sagt: "Ich schreibe zum Beispiel nächste Woche fünf Tests: zwei in Deutsch sind schon angekündigt, einer in Mathe und dann noch jeweils einmal Musik und Biologie."

Eichelmann ist auch im Vorstand des Landesschülerrates Sachsen-Anhalt aktiv. Dort gingen viele Beschwerden ein über das Pensum, das die Schülerinnen und Schüler gerade abliefern müssten: "Also wir haben aus vielen Quellen gehört, dass teilweise fünf bis sechs Tests in der Woche angekündigt sind und wenn es gut läuft, sind dazu noch drei Klausuren angesetzt. Und gerade so was nach einer so langen Zeit ohne Unterricht, ist natürlich für viele Schüler kaum zu stemmen. Uns wurde auch gesagt, dass fünf Stunden Schlaf teilweise sehr viel sind."

Maximal drei Leistungserhebungen

Welche Noten noch erhoben werden und in welcher Form, das entscheiden am Ende die Schulen, sagt Stefan Thurmann, Sprecher des Bildungsministeriums in Magdeburg.

Thurmann erklärt: "Die Schulen kennen am ehesten die Rahmenbedingungen der vergangenen Wochen und entscheiden natürlich auch über die Belastung von Schülerinnen und Schülern. Vom Land gibt es eine klare Vorgabe, die gilt auch in den kommenden Wochen weiter, dass nicht mehr als drei Leistungserhebungen in der Woche stattfinden, nicht mehr als eine am Tag, damit die Schülerinnen und Schüler eben nicht über Gebühr belastet werden, aber alles Weitere liegt in der pädagogischen Verantwortung der Schulen."

Alternative Leistungsnachweise möglich

Letzten Endes ist es der Lehrer, der das entscheiden muss, sagt Torsten Wahl. Er ist Landesvorsitzender des Verbands Bildung und Erziehung und unterrichtet Mathe und Technik an einer Gemeinschaftsschule in Aschersleben. Normalerweise braucht es schon eine gewisse Anzahl von Tests und Klassenarbeiten, um Schülerinnen und Schüler vernünftig zu bewerten, so Wahl.

"Wir haben aber jetzt nicht den Normalfall. Man muss dann eben entsprechend Rücksicht nehmen und da appelliere ich ganz einfach das sogenannte pädagogische Augenmaß mit in Betracht zu ziehen", sagt Wahl. Er verzichtet beispielsweise darauf, eine Klassenarbeit zu schreiben.

Wahl erklärt: "Klassenarbeiten müssen nicht unbedingt nachgeholt werden. Da kann man auch sogenannte Ersatzleistungen bringen, die Möglichkeit besteht auch. Also auch rechtlich gibt es da einen gewissen Spielraum. Wichtig ist, dass man sich da in der Schule abspricht und das auch den Eltern mitteilt und dann wird das bewertet."

Statt eine Physikarbeit zu schreiben, könnten die Schüler beispielsweise auch ein Modell bauen und erklären. Die meisten Lehrer würden da sehr verantwortungsvoll zwischen Noten und dem Wohl der Schüler abwägen, sagt Torsten Wahl.

Landesschülerrat für Beschränkung

Das versichern auf Anfrage auch der Philologenverband und der Verband der Schulleitungen in Sachsen-Anhalt. Ganz ohne Noten gehe es aber auch nicht, gibt Torsten Wahl zu bedenken, insbesondere in der Oberstufe an Gymnasien: "Die haben jetzt Probleme, dass sie da auf ihre entsprechenden Punktzahlen kommen, weil diese Bewertung ja mit einfließt in die Bildung der Abiturnoten."

Das versteht auch Moritz Eichelmann vom Landesschülerrat. Er wünscht sich aber trotzdem mehr Rücksicht in der besonderen Situation: "Dass auch von Schulleitungsseite geguckt wird, was können wir jetzt ausschließen um die Schüler weniger zu belasten."

So könne man Tests und Klassenarbeiten aufs Wesentliche beschränken, schlägt Eichelmann vor, beispielsweise auf Profilfächer wie Deutsch, Mathe und die erste Fremdsprache.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 11. Juni 2020 | 05:00 Uhr

6 Kommentare

Kritische vor 48 Wochen

Diejenigen, die Schülern grundsätzlich Leistungsverweigerung vorwerfen, haben wahrscheinlich vor 20 Jahren oder mehr das letzte Mal wirklich etwas gelernt. Natürlich gibt es die Totalverweigerer und Kinder, die grundsätzlich keinen Bock haben. Aber die meisten wollen lernen. Wochenlang wurden die Kinder hängengelassen und nun 5 Tests in der Woche? Da stimmt doch etwas nicht. Bei 6 oder 7 Stunden Unterricht in der Oberstufe ist das kaum zu stemmen, außer mit Bulimielernen, und das kann ja nicht Sinn der Sache sein.

Gudrun vor 48 Wochen

Hoffentlich haben diejenigen, die den Schülern mangelnde Leistungsbereitschaft "anhängen" wollen, schon einmal über viele Wochen "Fernstudium" betrieben und dann ihr dort erworbenes Wissen in Form von Arbeiten abfragen lassen!!!!!!

Micky Maus vor 48 Wochen

Gerade jetzt nach der Grippe, solltet ihr doppelt so viel lernen und später einmal erfolgreich in der Forschung tätig zu sein, für die Umwelt, für das Klima und gegen Grippewellen.

Also, Fibel aufschlagen und los geht´s

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