Mehr Fichten schlagen Waldbesitzer kritisieren Altmaiers Holz-Vorschlag

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier hat vorgeschlagen, wegen der Holzknappheit mehr gesunde Fichten zu fällen. Der Dachverband der Waldeigentümer hält das für ein Wahlkampfmanöver. Auch die Bauindustrie ist skeptisch. Sie sagte, mehr Holz sei auch kein Mittel gegen die hohen Preissteigerungen.

Fichte im Regen
Bauholz ist in Deutschland knapp – daher schlägt der Bundeswirtschaftsminister nun vor, mehr gesunde Fichten zu fällen. Bildrechte: colourbox

Nach dem Willen von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier sollen in den deutschen Wäldern noch öfter Bäume gefällt werden. Dafür soll eine Rechtsverordnung des Bundeslandwirtschaftsministeriums rückgängig gemacht werden, die genau das Gegenteil zum Inhalt hat. Bis Ende September darf nämlich nur rund 25 Prozent weniger Fichtenholz geschlagen werden darf als in den Jahren zuvor. Der Grund: Es liegt noch immer viel Schadholz in den Wäldern herum. Dabei handelt es sich um Bäume, die wegen Käferbefall und Trockenheit gefällt wurden und die als erstes ins Sägewerk müssen. Dieses sogenannte Schadholz hat die gleichen Eigenschaften wie frisches Holz, auch wenn es bläulicher aussieht.

Sägewerke sind ausgelastet

Den Rohstoff gibt es also reichlich. Warum Holz am Markt aber trotzdem fehlt, erläutert Irene Seling vom Dachverband der Waldeigentümer. Sie sagt, der Flaschenhals sei die holzverarbeitende Industrie und insbesondere die Sägewerke. Diese würden schon unter Volllast fahren und könnten nicht einfach innerhalb kurzer Zeit aufgebaut werden. Seling wies zudem darauf hin, dass die Preissteigerungen bislang bei den Waldbesitzern kaum ankommen. Das Angebot im Wald sei so riesig, dass man "natürlich einen höheren Preis fordern kann", aber dann der Sägewerker sage, dass sei er nicht bereit zu zahlen.

Waldeigentümer sprechen von Wahlkampfmanöver

Beim Dachverband der Waldeigentümer ist man deshalb verwundert über den Vorstoß des Wirtschaftsministers, zumal Altmaier auch darauf drängt, dass es eine entsprechende Rechtsverordnung noch bis zur Bundestagswahl gibt. Die Hauptgeschäftsführerin vom Waldbesitzerverband wittert hier ein wahlpolitisches Manöver.

Seling zufolge könnte man den Eindruck haben, "dass es hier schon der Beginn des Wahlkampfes ist". Die Waldbesitzern dafür verantwortlich zu machen, das gehe überhaupt nicht.

Man könnte den Eindruck haben, dass es schon der Beginn des Wahlkampfes ist.

Irene Seling Dachverband der Waldeigentümer

Bauindustrie rechnet nicht mit sinkenden Preisen

Auch in der Bauindustrie selbst hält man nicht viel von Altmaiers Idee, denn Holz sei nicht der einzige Baustoff, der knapp ist und wo die Preise gestiegen sind. Dafür ist vor allem die Nachfrage verantwortlich, die in den letzten Monaten rasant zugenommen hat. Denn während des Corona-Lockdowns haben sich immer mehr Menschen ins Private zurückgezogen. Dort wird gebaut, gesägt und gehämmert wie lange nicht mehr.

Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie sieht in Altmaiers Idee auch kein Mittel gegen die massiven Preissteigerungen. Pressesprecherin Inga Stein-Barthelmes sagt dazu, die Baubranche gehe aufgrund der hohen Nachfrage davon aus, dass sich das zusätzliche Abholzen von Fichten nicht im Preis widerspiegeln würde.

Aus unserer Perspektive würden wir fast sagen, dass vermutlich nicht viele Forstunternehmen, die nachhaltig wirtschaften, das auch annehmen werden. Zumal die Preise bei den Produzenten weiterhin gering sind."

Inga Stein-Barthelmes Hauptverband der Deutschen Bauindustrie

Die Rechtsverordnung übrigens, die Altmaier ändern will, um mehr Fichten fällen zu können, sie gilt nur bis Ende September. In Kraft getreten war sie im April und zwar deshalb, damit erst einmal das Schadholz aus den Wäldern geholt wird, bevor es an die frischen Bäume geht.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 25. Juni 2021 | 07:30 Uhr

10 Kommentare

Ernst678 vor 4 Wochen

Das Altmeier ein absoluter Nullchecker ist, ist nicht neu. Das er aber wegen völlig verfehlter Politik jetzt auch noch den gesunden Wald abholen will ist ein Umweltverbrechen! Wie wäre es denn denn Ausverkauf deutschen Holzes an die USA und an Finnland (holzreiche Länder) zu stoppen. Doch auf so eine Idee kommt ein deutscher Wirtschafts-Hanswurst wohl nie.

W.Merseburger vor 4 Wochen

Rasselbock,
zunächst Danke für ihre unaufgeregte sehr sachliche Antwort. In diesem Waldstück, von dem Sie berichten, haben also Fachleute mit Sinn und Verstand erfolgreich gearbeitet. Und zu noch Fragen, warum glauben Sie, wenn Grün in der nächsten Regierung sitzt, dass die gesamtgesellschaftliche Aufgabe, Erhalt des Waldes, in den besseren Händen ist? Frau Dalbert in S-A hat die Landwirte und auch die Forstwirte offensichtlich sehr verärgert.

Rasselbock vor 4 Wochen

Hallo, es ist so: In Zusammenarbeit mit dem Revierförster wurden in dreimaligen Aktionen dem Wald Fichten entnommen, andere Baumarten stehen gelassen. Die jüngste Aktion, als die Borkenkäfer da schlimm wüteten wurde so vor gegangen: Es wurden Bäume entnommen, Fichten, damit ein gewisses Dach stehen blieb. Weniger Bäume hatten nun mehr Wasser, das Waldstückblieb vom Käfer verschont. Noch Fragen?

Mehr aus Politik

Mehr aus Deutschland