Islamismus Neuneinhalb Jahre Haft im Waldkraiburg-Prozess

Im Mai 2020 verübte ein schizophrener Islamist Anschläge im bayerischen Waldkraiburg und nahm dabei auch den Tod vieler Menschen in Kauf. Nun wurde der heute 27-Jährige verurteilt und muss in die Psychiatrie.

Der wegen versuchten Mordes in 31 Fällen, schwerer Brandstiftung und Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat angeklagte Mann (2. v. l.) steht vor Prozessbeginn im Landgericht im Verhandlungssaal zwischen seinen Rechtsanwälten
Der Angeklagte im Gerichtssaal. Bildrechte: dpa

Im Prozess um Anschläge auf türkische Läden im bayerischen Waldkraiburg ist der Angeklagte zu neuneinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Das Oberlandesgericht München sah versuchten Mord in 26 Fällen, schwere Brandstiftung und die Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat als erwiesen an. Es verhängte außerdem die Unterbringung in der geschlossenen Psychiatrie.

Ein Brandermittler der Polizei arbeitet drei Tage nach dem Brand eines türkischen Geschäfts in der Ruine.
Bei dem Brandanschlag auf den Gemüseladen in Waldkraiburg wurde das Geschäft vollständig zerstört. Bildrechte: dpa

Der heute 27-Jährige hatte unter anderem einen Brandsatz in ein türkisches Lebensmittelgeschäft geworfen, über dem sich viele Wohnungen befinden. Die Bewohner und Bewohnerinnen brachte er aus Sicht des Gerichts damit in Lebensgefahr. Außerdem soll er weitere Taten verübt und geplant haben, etwa Angriffe auf einen Friseurladen und eine Pizzeria. Er warf deren Scheiben ein verschüttete eine übelriechende Flüssigkeit.

Shizophrenie und Islamismus

Das Motiv für die Taten soll fanatischer Salafismus und Hass auf Türken gewesen sein. Der Angeklagte ist nach Gerichtsangaben schizophren. "Ohne die Schizophrenie sind die vom Angeklagten verübten Anschläge in Waldkraiburg nicht denkbar", sagte der Vorsitzende Richter. Sie seien aber "ebenso wenig denkbar ohne die islamistisch-dschihadistische Ideologie". Diese sei das Fundament der Taten gewesen.

Die Bundesanwaltschaft hatte dreizehneinhalb Jahre Haft gefordert, die Verteidigung eine Freiheitsstrafe von sieben Jahren.

Quellen: dpa/BR

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 23. Juli 2021 | 11:00 Uhr

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