Katastrophenschutz Funkzellen-Warnung: Cell Broadcast soll ab Mitte 2022 einsetzbar sein

Nach der Unwetter-Katastrophe im Westen Deutschlands war die Forderung erst noch sehr leise, Datenschutzbedenken wurden laut. Jetzt könnte es mit funkzellengenauen Katastrophen-Warnungen per Handy aber relativ schnell gehen. Einem Medienbericht zufolge könnte das System 2022 startklar sein.

Verschiedene Warn-Apps, darunter die Notfall-Informations- und Nachrichten-App "Nina" des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, sind auf auf einem Smartphone zu sehen.
Momentan können Handynutzer nur Warnmeldungen erhalten, wenn sie eine Warn-App installiert haben. Das wäre bei Cell Broadcast anders. Bildrechte: dpa

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) wird voraussichtlich ab Sommer 2022 mit dem vielfach geforderten Warnsystem "Cell Broadcast" arbeiten können. Das berichtet das Redaktionsnetzwerk Deutschland unter Berufung auf Regierungskreise. "Cell Broadcast" solle "bis Mitte nächsten Jahres einsetzbar" sein.

Was ist Cell-Broadcasting?

Beim Cell-Broadcasting können Mobilfunkdienste SMS-ähnliche Nachrichten an alle Empfänger innerhalb einer Funkzelle senden. Anders als bei persönlichen SMS werden die Nachrichten von einem Sender an alle Geräte mit Mobilfunk-Empfang gesendet, die sich in der Funkzelle befinden.

Dass das System überhaupt kommt, ist dem Bericht zufolge sicher. Das geplante Alarmsystem über Textnachrichten auf Mobilfunkgeräten werde schneller installiert sein, als ein flächendeckendes Netz mit analogen Sirenen wieder hergestellt werden könne.

Cell Broadcast Teil eines Mix'

Von den Anfang der 1990er Jahre funktionstüchtigen 80.000 Sirenen waren den Zeitungen des RND zufolge zuletzt noch etwa 15.000 verfügbar. Vor diesem Hintergrund wurden die Rufe nach "Cell Broadcast" zuletzt lauter. Mit dessen Hilfe bekommen alle Besitzer eines Mobiltelefons in einem gefährdeten Gebiet automatisch eine Textnachricht, ohne dass das BBK oder andere Behörden deren Nummern haben.

Bundesinnenminister Horst Seehofer, zu dessen Ressort das BBK gehört, sagte dem RND zufolge, die Prüfung des Cell-Broadcast-Systems werde noch vor der Bundestagswahl am 26. September abgeschlossen sein und voraussichtlich positiv ausfallen. Zugleich betonten Seehofer und BBK-Präsident Armin Schuster, dass kein Warnsystem allein helfen werde, sondern nur ein Mix.

Bei der Hochwasser-Katastrophe in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Bayern war unter anderem die Warn-App Nina zum Einsatz gekommen, die jedoch nur zehn Millionen Nutzer hat. Kritiker beklagten, dies sei ungenügend. 

Quelle: AFP

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 23. Juli 2021 | 09:00 Uhr

3 Kommentare

Lyn vor 8 Wochen

In anderen Ländern wird das schon gemacht, zB in den USA.

Hier verhindert es der Datenschutz. Das obgleich die SMS durch den Anbieter pauschal versendet wird und niemand auch nur den jeweiligen Standort erfährt.

Natürlich hat nicht jeder ein Handy, und wer hat schaut nicht Tag und Nacht darauf, meins ist auch immer auf stumm weil es mich nervt - aber es wäre ein Teil einer ganzen Reihe von Warnmöglichkeiten.

Dazu funktionierende Apps und funktionierende Sirenen.

Und ein Öffentlicher Rundfunk, der warnt statt Musik zu bringen.

Querdenker vor 8 Wochen

Zitat: „… Datenschutzbedenken wurden laut. …“

Es stellt sich die Frage, wer diesen Unfug ungeprüft verbreitet hat? Und welche Lobbyisten standen da jahrelang auf der Bremse und warum?

siehe „rnd Katastrophenschützer prüfen neues Warnsystem Cell Broadcast“

Zitat Sprecher vom Bundesdatenschutzbeauftragten: „Tatsächlich wäre diese Lösung sogar sehr datenschutzfreundlich, weil sie keine Daten sammelt, sondern nur wie ein Radiosender Informationen verschickt.“

siehe „handelsblatt Katastrophenschutz Warum auch Deutschland Cell Broadcast braucht“

Zitat: „Der Bundesdatenschutzbeauftragte, Ulrich Kelber, kritisierte die Berichterstattung bei Twitter. Dem Handelsblatt gegenüber widerspricht er auf Anfrage der Behauptung, dass es datenschutzrechtliche Bedenken gebe und sieht das Argument als Schutzbehauptung, um von Versäumnissen abzulenken.“

Brigitte Schmidt vor 8 Wochen

"...schneller installiert sein, als ein flächendeckendes Netz mit analogen Sirenen"

Außerdem ist es auch besser, wenn auch der letzte endlich ein Smartphone besitzt, benutzt und ständig bei sich hat.

Und sollte im Katastrophenfall dann das Mobilfunknetz ausfallen, lassen sich wenigstens die Gebiete außerhalb der Katastrophe warnen.
Ist ja auch schon was.

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