Reaktionen Bundesregierung: Weltklimabericht ist ein Warnsignal

Der Bericht des Weltklimarates ist quer durch die politischen Lager als Alarmsignal aufgenommen worden. Einigkeit herrscht darüber, dass der CO2-Ausstoß gesenkt werden muss. Bei anderen Konsequenzen gehen die Meinungen auseinander.

Svenja Schulze
Findet drastische Worte nach dem Bericht des Weltklimarates: Bundesumweltministerin Svenja Schulze Bildrechte: dpa

Der aktuelle Bericht des Weltklimarats ist nach Ansicht der Bundesregierung ein Warnsignal, das nicht mehr überhört werden kann. Umweltministerin Svenja Schulze sagte, der Planet schwebe in Lebensgefahr. Viele Folgen könnten schon heute nicht mehr vermieden werden. Das zeigten Überschwemmungen und anhaltende Dürren.

Der Planet schwebt in Lebensgefahr.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze

Schulze sagte, dennoch könne der Mensch könne auch jetzt noch etwas tun. Der Treibhausgasausstoß könne unter anderem mit einer raschen Abkehr von Kohle, Öl und Gas und dem Ausbau der Sonnen- und Windkraft gesenkt werden: "Jedes Gramm CO2, jedes Zehntelgrad zählt."

Karlicek kündigt Investitionen in Wissenschaft an

Forschungsministerin Anja Karliczek kündigte an, dass Deutschland noch mehr in die Wissenschaft investieren werde. Die Bundesrepublik solle ein Zentrum für die Entwicklung von klimafreundlichen Technologien werden. Hierzu gehörten neben dem sogenannten grünen Wasserstoff für eine klimaneutrale Industrie auch Methoden zur CO2-Entnahme aus der Atmosphäre, erklärte Karliczek.

Grüne fordern mehr internationales Engagement

Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock forderte deutlich mehr internationales Engagement gegen die Erderwärmung.

Baerbock schrieb auf Twitter, die Bundesregierung müsse gemeinsam mit der EU, Großbritannien und den USA "alles dafür tun", dass die Klimakonferenz in Glasgow im November zum Wendepunkt werde "und wir auf den 1,5-Grad-Pfad kommen".

Baerbock erklärte, gegen die Klimakrise würden keine Sonntagsreden helfen, sondern ausschließlich wirksamer Klimaschutz. Als Beispiele nannte sie einen schnelleren und massiveren Ausbau der erneuerbaren Energien "und das Engagement, als erste Industrienation klimaneutral zu werden".

FDP schlägt Klimabörse vor

Die FDP-Bundestagsfraktion sprach sich für ein strenges CO2-Limit und die Ausweitung des Emissionshandels aus. Der parlamentarische Geschäftsführer der Fraktion, Marco Buschmann, schlug in der Zeitung "Welt" eine "globale Klimabörse" mit einem Jahresobergrenze für die CO2-Ausstoßmenge vor. Daraus könne man ein weltweites Handelssystem entwickeln, in dem man Ausstoßmengen kaufen und verkaufen könne. Das mache Investitionen in den Klimaschutz attraktiv. Deutschland sollte zügig damit beginnen, "um zu zeigen, dass es geht".

 Linke: Klimapolitik nicht nur markwirtschaftlich

Linken-Spitzenkandidat Dietmar Bartsch nannte es falsch, in der Klimapolitik vor allem auf marktwirtschaftliche Instrumente wie den CO2-Preis zu setzen. Gebraucht würden ordnungspolitische Maßnahmen, etwa beim Güterverkehr. Parteichefin Susanne Hennig-Wellsow ergänzte, realistische Klimapolitik müsse sozial gerecht sein. Nötig sei ein radikaler Umbau von Produktion und Energieerzeugung, der zugleich die Menschen mitnehme und dessen Finanzierung "von den Starken geschultert" werden müsse.

Weltklimabericht sagt schnellere Erderwärmung voraus

Der Weltklimabericht war heute vorgestellt worden. Demnach wird die Durchschnittstemperatur auf der Erde bereits 2030 ohne Gegenmaßnahmen um 1,5 Grad im Vergleich zum vor-industriellen Zeitalter steigen. Das sei fast zehn Jahre früher als noch 2018 prognostiziert.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 09. August 2021 | 16:00 Uhr

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