Datenschützer stoppt Facebook Darum geht es im Streit um Whatsapp-Daten

Neue Runde im Streit um die geplante Weitergabe von Whatsapp-Nutzerdaten an den Mutterkonzern Facebook: Die Hamburger Datenschutzbehörde hat das in Deutschland untersagt. Behördenchef Johannes Caspar verlangt mehr Transparenz. Er warnte bei MDR AKTUELL vor einer möglichen Einflussnahme auf die Bundestagswahl. Hier die Fakten zum Datenstreit.

Icons von Facebook, Instagram und WhatsApp auf einem Smrtphone
Whatsapp und Instagram gehören zum Facebook-Konzern. Die Dienste sind kostenfrei, der Nutzer "zahlt" mit seinen Daten. Bildrechte: dpa

Politischer Streit um Update

Hamburgs Datenschutzbeauftragter Johannes Caspar hat im Gespräch mit MDR AKTUELL Intransparenz bei Facebook beziehungsweise Whatsapp kritisiert. Die Nutzer wüssten nicht, was mit ihren Daten bei Facebook passiere. Er sprach von einer "Blackbox", es drohe neuer Datenmissbrauch. Als Beispiele nannte er den Cambridge-Analytica-Skandal im US-Wahlkampf. Außerdem seien erst kürzlich Daten von 500 Millionen Facebook-Nutzern im Internet gelandet.

Behörde untersagt Datenweitergabe

Ein Demonstrant mit zwei Schildern
Protest in den USA gegen Facebook. Bildrechte: dpa

Der Messengerdienst Whatsapp wollte bereits zum 8. Februar seine Nutzungsbedingungen ändern. Nach heftiger Kritik von Datenschützern wurde dieser Termin verschoben. Die rund 60 Millionen Nutzer in Deutschland wurden dann aufgefordert, bis 15. Mai den neuen Datenrichtlinien zuzustimmen.

In dieser Woche untersagte die Hamburger Datenschutzbehörde Facebook die Verarbeitung von Whatsapp-Nutzerdaten zu eigenen Zwecken. Das gilt zunächst für drei Monate. Hamburgs Datenschutzbehörde ist in dem Streit zuständig, weil Facebook im Stadtstaat seine Deutschland-Zentrale hat.

Die Hamburger Datenschutzbehörde beruft sich bei ihrem Verbot auf die europäische Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). Sie will den Fall nun an den Europäischen Datenschutzausschuss weiterleiten, um eine EU-weite Lösung herbeizuführen.

Facebook pocht auf Update

Mit den neuen Nutzungsbedingungen bei Whatsapp soll es künftig Unternehmen ermöglicht werden, mit Kunden auf Whatsapp zu chatten oder zu telefonieren. Auch sollten Kontakte und Profildaten von Nutzern an Facebook übermittelt werden. So könnten etwa Werbeanzeigen kundenspezifisch geschaltet werden.

Ein Whatsapp-Sprecher sagte der Nachrichtenagentur AFP, die Anordnung der Hamburger Datenschutzbehörde fuße auf einem "Missverständnis" und habe keine rechtmäßige Grundlage: "Da die Anschuldigungen falsch sind, wird die Anordnung keine Auswirkungen auf das weiterhin laufende Update haben."

Unklar sind die möglichen Folgen für Verweigerer. Dann könnten zunächst Whatsapp-Funktionalitäten eingeschränkt und später auch Konten gesperrt werden.

Fragen und Antworten zum Whatsapp-Datentransfer an Facebook

Was steckt hinter dem Update bei Whatsapp?

Whatsapp will es künftig Unternehmen ermöglichen, mit den weltweit zwei Milliarden Nutzern seiner App zu chatten oder zu telefonieren. Die Funktion ist optional, diese Chats sollen eindeutig als Werbung ausgewiesen werden.

Was  sind die Kritikpunkte?

Datenschützer und Bürgerrechtler befürchten vor allem, dass Nutzerdaten an Facebook oder Drittunternehmen weitergegeben werden. Konkret geht es um Account-Informationen wie Namen, Telefonnummer oder Profilbild. Die Chats bleiben hingegen verschlüsselt. Whatsapp selbst streitet einen zusätzlichen Datenaustausch im Zuge des Updates ab. Allerdings teilt der Messenger nach eigenen Angaben ohnehin schon länger Informationen mit Facebook: etwa die Telefonnummer, bestimmte Geräteinformationen sowie Whatsapp-Nutzungsdaten. Außerhalb der EU fließen bereits einige Daten unter anderem zu Werbezwecken an Facebook.

Der Hamburger Datenschutzbeauftragte Caspar bemängelt, die Datennutzungsbestimmungen wiesen "erhebliche Widersprüche auf", sie seien "unklar" und "schwer auseinanderzuhalten". Auch nach genauerer Analyse ließe sich nicht erkennen, was die konkreten Konsequenzen seien. Eine Untersuchung der Bestimmungen habe jedoch gezeigt, dass die Verbindung zwischen Whatsapp und Facebook weiter ausgebaut werden solle, "damit Facebook die Daten der Whatsapp-Nutzerinnen und -Nutzer jederzeit zu eigenen Zwecken verwenden kann".

Was passiert, wenn Whatsapp-Nutzer nicht einwilligen?

In einem Blog-Eintrag von Whatsapp heißt es, dass bei Nicht-Einwilligung "weder Accounts gelöscht, noch die Funktionalität eingeschränkt" würden. Wenn den Änderungen allerdings mehrfach nicht zugestimmt wird, erscheint eine permanente Erinnerung. Dann funktioniert der Messenger nur noch in abgespeckter Form: Der Zugriff auf die Chatliste ist nicht mehr möglich, eingehende Anrufe könnten zunächst noch entgegengenommen und Nachrichten gelesen und beantwortet werden. Nach ein paar Wochen mit diesen Einschränkungen soll der Account dann quasi stillgelegt und später auch gelöscht werden.

Welche Alternativen gibt es zu Whatsapp?

Andere Instant-Messengerdienste, etwa Telegram, verzeichneten zuletzt einen starken Zulauf. Telegram steht wegen Datenschutz-Lücken selbst stark in der Kritik. Als sichere Alternativen gelten hingegen Signal und Threema. Auch der Verbraucherzentrale Bundesverband empfiehlt in einer Analyse aller Anbieter den Wechsel zu Messengern, "die keine Daten ihrer Nutzer zu Werbezwecken verwenden oder an andere Unternehmen weitergeben". Doch die Marktmacht von Whatsapp ist bei knapp 60 Millionen Nutzern in Deutschland enorm. Für die beliebten Gruppen müssten alle Mitglieder zum selben Konkurrenten umziehen. Wer sich dennoch zum Wechsel entschließt und seine Chats behalten möchte, sollte seine Verläufe schnellstmöglich sichern.

Quellen: AFP, DPA, MDR

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 13. Mai 2021 | 11:00 Uhr

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