Thüringen Windräder im Wald - wer ist dafür und wer dagegen?

Windenergie und Wald – das sind zwei der ur-eigenen Themen von Bündnis 90/Die Grünen. Doch was passiert, wenn Wind und Wald aufeinandertreffen? Wenn die Frage im Raum steht: Sollte man auch Windräder im Wald bauen, um das Klima zu schützen? Diese Frage wird in Thüringen aktuell diskutiert. CDU und FDP fordern ein rigoroses Verbot von Windrädern im Wald. Die Grünen auf der anderen Seite wollen das weiterhin ermöglichen, um beim Ausbau der Windenergie voranzukommen.

Windenergieanlagen stehen in einem Wald
Windräder im Wald? Das geht - wie hier zu sehen in Brandenburg, Neu Zauche. Bildrechte: dpa

Es gibt Dutzende Bürgerinitiativen, die sich gegen Windräder im Thüringer Wald engagieren. Politische Unterstützung bekommen diese von der CDU im Landtag. Die Fraktion wolle das Thüringer Waldgesetz ändern, sagt Marcus Malsch, Mitglied im Forstausschuss des Landtags.

Gemeinsam mit der FDP wurde ein Gesetzentwurf eingebracht: "Wir möchten gerne ein Verbot aussprechen für Windkraftanlagen im Thüringer Wald im Waldgesetz. Weil der Thüringer Wald andere Funktionen hat, als vorrangig der Windkraft zu dienen. Wir haben im Thüringer Waldgesetz die Walderhaltung stehen, wir haben das große Thema CO2-Speicher zur Reduzierung der Umweltbelastung, wir haben den Artenschutz im Thüringer Wald und wir haben auch die Erholungsfunktion, die jeder Thüringer gut kennt, und dazu dient der Thüringer Wald."

Wie Waldschutz und Windkraft für die Grünen zusammenpasst

Ein Verbot von Windrädern im Wald geht der Grünen-Fraktion hingegen zu weit. Ausgerechnet den Grünen? Für Laura Wahl, energiepolitische Sprecherin der Fraktion, ist es kein Widerspruch, sich für Windräder auch im Wald zu engagieren: "Also für mich passt das zusammen, weil das große Problem des Waldes die Klimakrise ist. Wir haben im letzten Jahr erlebt, dass Trockenheit dem Thüringer Wald extreme Probleme bereitet und die Windkraft ist eben eine der erneuerbaren Energien, die dafür sorgen kann, dass wir unsere Klimaziele erreichen und damit langfristig auch den Wald erhalten."

Den Gesetzentwurf von CDU und FDP lehnen die Grünen ab, weil er große Flächen ausschließe, die für den Ausbau der Windenergie nützlich sein könnten. Waldgebiete, die ohnehin zerstört seien, könnte man nutzen, sagt Laura Wahl: "Also noch 15 Prozent der Bäume im Thüringer Wald sind gesund. Das heißt, wir haben große Flächen, wo der Borkenkäfer, wo die Trockenheit schon extreme Schäden angerichtet hat. Es bietet sich an, diese Flächen zu nutzen, weil man damit auch den privaten Waldbesitzern die Möglichkeit geben könnte, den Waldumbau zu finanzieren."

Was sagen die Waldbesitzer dazu?

Die privaten Waldbesitzer sind allerdings unterschiedlicher Meinung. Der Geschäftsführer des Waldbesitzerverbands Thüringen, Wolfgang Heyn, sagte MDR AKTUELL, seine Mitglieder seien zerstritten. Es gebe viele Gegner von Windkraft im Wald, aber auch einige, die auf ihren Waldflächen gerne Windräder hätten. Ein striktes Verbot, wie es die CDU fordert, lehnt der Verband ab – das sei ein zu starker Eingriff in das Eigentumsrecht. Auch im grün geführten Umweltministerium vertritt man die Haltung: Es muss zumindest die Option geben, Windräder in bestimmten Waldgebieten aufzustellen.

Staatssekretär Olaf Möller verweist ebenfalls auf Gemeinden und private Waldbesitzer: "Wenn Sie sich vorstellen, dass eine Gemeinde das gerne hätte, weil sie Gewerbesteuereinnahmen haben möchte und da Waldbesitzer sind, die das auch gerne wollen, warum sollte man das denen verbieten? Waldbesitzer, die das in ihrem Wald nicht wollen, müssen das ja nicht tun. Niemand kann Waldbesitzer zwingen, in seinem Wald Windenergieanlagen zu bauen. Selbst wenn das Planungsrecht das vorsieht: Wenn der Waldbesitzer das nicht will, passiert da nichts."

Aktuell stehen von 845 Windrädern in Thüringen zwei in einem Forstgebiet. Ob es künftig mehr werden dürfen, wird möglicherweise noch in dieser Legislaturperiode entschieden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 28. Oktober 2020 | 05:17 Uhr

28 Kommentare

Ekkehard Kohfeld vor 47 Wochen

Und übrigens was ihr selbst ernannten Gretas grundsätzlich ausblendet.
-----
Das schmutzige Geheimnis sauberer Windräder | Das Erste ...
Die Produktion vieler getriebeloser Windräder verursacht katastrophale Umweltzerstörungen in China.
Denn für diese Windräder setzen die Hersteller ein wertvolles Metall ein: Neodym,
eine sogenannte "seltene Erde". Neodym-Windräder verzichten meist auf ein Getriebe.
Dafür brauchen sie effizientere Generatoren, die sich besonders gut aus diesem Rohstoff herstellen lassen.
Neodym wird nahezu ausschließlich in chinesischen Minen abgebaut. Bei der Trennung des Neodyms vom geförderten
Gestein entstehen giftige Abfallprodukte, außerdem wird radioaktives Uran und Thorium beim Abbauprozess freigesetzt.
Diese Stoffe gelangen zumindest teilweise ins Grundwasser, kontaminieren so Fauna und Flora erheblich und werden für den
Menschen als gesundheitsschädlich eingestuft.
---
😱😱😱

Tacitus vor 47 Wochen

@goffman, da ist sachlich vieles falsch. Nur einigen Gedanken:
1. Man kann nur mit erneuerbaren Energien kein Hochindustrieland betrieben (Grundlast, Zappelstrom)- außer uns macht das auch keiner.
2. Ob wir uns decabonisieren oder nicht, ist zu gering, um Einfluss auf den Klimawandel zu haben (immer falls CO2 Hypothese stimmt, was nicht bewiesen ist). Die großem Stellschrauben liegen anderswo (Überbevölkerung Afrikas; China, Indien,USA).
3. Wir hätten eine echte Debatte über unsere Energiepolitik gebraucht, bevor (!) die Entscheidungen über die Ausstiege gefällt wurden. Es fehlen gesellschaftliche offene Debatten über wichtige Probleme.
4. Falsche Grundsatzentscheidungen (wie Energie oder Asyl etc) gefährden Zukunft nachfolgender Generationen- die Geschichte ist voll von Beispielen dafür. Man muss nur lernwillig sein.

Ekkehard Kohfeld vor 47 Wochen

"Rechnet man Subventionen und Folgekosten mit ein, dann ist Windkraft eine der billigsten Energiequellen die wir haben."

Und deshalb haben wir die höchsten Strompreis der Welt,den erklären sie uns mal.🤬🤬🤬

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