Messerattacke von Würzburg Bayerns Innenminister schließt islamistisches Motiv nicht aus

Bei der tödlichen Messerattacke von Würzburg schließt Bayerns Innenminister Herrmann ein islamistisches Motiv nicht aus. Dies müsse aber erst ermittelt werden. Gegen den tatverdächtigen Somalier wurde unterdessen Haftbefehl erlassen. Ihm wird dreifacher Mord und sechsfacher Mordversuch vorgeworfen.

Joachim Herrmann Innenminister CSU
Herrmann: "Ermitteln, inwiefern Psyche und islamistische Einstellungen zur Tat beitrugen." Bildrechte: dpa

Das Motiv für die tödliche Messerattacke von Würzburg ist nach Angaben von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann nicht vollends geklärt. Wie der CSU-Politiker bei einer Pressekonferenz am Samstag in der unterfränkischen Stadt mitteilte, müsse jetzt ermittelt werden, inwiefern die Psyche des 24 Jahre alten Somaliers eine Rolle gespielt habe und inwiefern islamistische Einstellungen zur Tat beigetragen hätten.

Islamismus nicht ausgeschlossen

Einen islamistischen Anschlag wollte Herrmann nicht ausschließen. Er betonte auf Nachfragen von Journalisten, dass bereits frühere Fälle in Bayern gezeigt hätten, dass sich Hinweise auf Islamismus und psychische Probleme nicht zwangsläufig ausschließen ließen. Es sei nicht die Frage, ob das eine oder das andere infrage komme. Mehrere Zeugen hatten berichtet, dass der mutmaßliche Täter während seiner Bluttat mehrfach den arabischen Ruf "Allahu akbar" (Gott ist am größten) sowie "Dschihad" gerufen habe.

Ermittler finden Hassbotschaften

Ein junger Mann entzündet vor einem geschlossenen und abgesperrten Geschäft in Würzburg eine Kerze.
Ein junger Mann entzündet vor dem Kaufhaus, in dem drei Frauen erstochen wurden eine Kerze. Bildrechte: dpa

Ermittler haben im Obdachlosenheim, in dem der Somalier zuletzt lebte, Hassbotschaften gefunden. Wie der Leitende Kriminaldirektor Armin Kühnert mitteilte, wurde das Material sichergestellt, aber noch nicht ausgewertet. Auch Nachrichten auf einem entdeckten Handy müssten noch untersucht werden, was wegen der dabei genutzten fremden Sprache etwas dauere.

Aus Sicherheitskreisen hatte es zuvor geheißen, der junge Mann habe bei seiner Vernehmung eine Äußerung gemacht, die auf religiösen Fanatismus schließen lasse. Hinweise auf Kontakte zu militanten Salafisten gibt es dem Vernehmen nach bisher jedoch nicht.

Subsidiärer Schutzstatus

Den Angaben der Behörden zufolge hielt sich der Angreifer legal in Deutschland auf. Ihm war der subsidiäre Schutzstatus zugesprochen worden. Er soll 1997 in der somalischen Hauptstadt Mogadischu geboren und 2015 nach Deutschland gekommen sein.

Grundlos auf Menschen eingestochen

Bei der Messerattacke hatte der Angreifer nach Darstellung der Polizei am Freitagnachmittag offenbar grundlos auf ihm unbekannte Menschen eingestochen. Unterfrankens Polizeipräsident Gerhard Kallert sagte, der Verdächtige habe sich unmittelbar vor der Attacke in dem Geschäft nach Messern erkundigt, sich eines aus einer Auslage geschnappt, sofort auf eine Verkäuferin eingestochen und sie tödlich verletzt. Anschließend tötete er nach bisherigen Erkenntnissen dort zwei weitere Frauen.

Fünf weitere Personen wurden schwer verletzt. Von diesen kämpfen immer noch mehrere Menschen um ihr Leben. Zwei Menschen erlitten leichte Verletzungen.

Haftbefehl erlassen

Gegen den Somalier wurde nach Angaben seines Pflichtverteidigers Hanjo Schrepfer mittlerweile Haftbefehl erlassen. Dieser laute auf dreifachen Mord und sechsfachen versuchten Mord. Sein Mandant sollte noch am Samstag in ein Gefängnis in Untersuchungshaft überstellt werden. Er sei haftfähig trotz einer Beinschussverletzung. Nach Gesprächen mit dem 24-Jährigen könne er bisher kein islamistisches Motiv erkennen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 26. Juni 2021 | 17:30 Uhr

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