Nachrichten & Themen
Mediathek & TV
Audio & Radio
SachsenSachsen-AnhaltThüringenDeutschlandWeltRatgeber
Merkel verfolgte im Sitzen und sichtlich gerührt den Großen Zapfenstreich der Bundeswehr zu ihrer Verabschiedung. Bildrechte: dpa

Großer ZapfenstreichMerkel wirbt zum Abschied für Demokratie und Fröhlichkeit

von MDR AKTUELL

Stand: 02. Dezember 2021, 22:25 Uhr

Nach der Rekorddauer von 16 Jahren im Amt ist Kanzlerin Merkel mit einem Großen Zapfenstreich verabschiedet worden. Merkel rief dabei zur Verteidigung der Demokratie auf und wünschte den Deutschen "Fröhlichkeit im Herzen". Während der höchsten militärischen Ehrerbietung spielte das Musikkorps der Bundeswehr ein Kirchenlied, einen Chanson und einen DDR-Hit von Nina Hagen. Parteikollegen würdigen unter anderem ihr Engagement für den Osten.

Mit einem Großen Zapfenstreich hat die Bundeswehr in Berlin Bundeskanzlerin Angela Merkel verabschiedet. Wegen der Corona-Beschränkungen nahmen wesentlich weniger Gäster an der Zeremonie als üblich teil.

Merkel ruft zum Kampf für Demokratie auf

In ihrer Rede zu Beginn der Zeremonie bedankte sich Merkel für das ihr entgegengebrachte Vertrauen. Zugleich rief sie dazu auf, die Demokratie gegen Hass, Gewalt und Falschinformation zu verteidigen. Überall da, wo wissenschaftliche Erkenntnis geleugnet, Verschwörungstheorien und Hetze verbreitet würden, müsse Widerspruch laut werden.

Bildrechte: dpa

Unsere Demokratie lebt auch davon, dass überall da, wo Hass und Gewalt als legitime Mittel zur Durchsetzung eigener Interessen erachtet werden, unsere Toleranz als Demokratinnen und Demokraten ihre Grenze finden muss.

Angela Merkel

Merkel wünscht Deutschland "Fröhlichkeit"

Merkel wünschte Deutschland für die Zukunft "Fröhlichkeit im Herzen". Sie sei überzeugt, dass die Zukunft sich gut gestalten lasse, wenn sich die Deutschen nicht mit Missmut, mit Missgunst, mit Pessimismus, sondern mit Fröhlichkeit im Herzen an die Arbeit machten. Ihrem möglichen Nachfolger Olaf Scholz wünschte Merkel alles Gute und Erfolg.

Merkel bedankte sich zudem noch einmal bei allen Helferinnen und Helfern im Kampf gegen die Corona-Pandemie.

Bundeswehr spielt Kirchenlied, Chanson und Hagen-Hit

Soldaten des Wachbataillon der Bundeswehr waren mit Fackeln angetreten. Bildrechte: dpa

Anschließend verfolgte sie den Großen Zapfenstreich im Sitzen und sichtlich gerührt. Das Musikkorps der Bundeswehr spielte auf Wunsch der scheidenden Regierungschefin neben einem Kirchenlied "Großer Gott, wir loben Dich", den Chanson "Für mich soll's rote Rosen regnen" von Hildegard Knef sowie Nina Hagens Schlager "Du hast den Farbfilm vergessen".

"Du hast den Farbfilm vergessen" bezeichnete Merkel als einen Höhepunkt ihrer Jugend. Das Lied sei aus der DDR gekommen und spiele zudem noch in einer Region, die ihr Wahlkreis gewesen sei. Nina Hagen hatte mit dem Lied 1974 einen Hit in der DDR. Merkel studierte damals in Leipzig Physik, ihr späterer langjähriger Wahlkreis erstreckt sich von Rügen bis Greifswald.

Großer Zapfenstreich ist höchste Ehrung der Bundeswehr

Der Große Zapfenstreich ist die höchste Würdigung durch die Streitkräfte für eine Zivilperson. Er ist vor allem Bundespräsidenten, Kanzlern und Verteidigungsministern vorbehalten. Zuletzt hatte es vor dem Reichstagsgebäude einen Großen Zapfenstreich zur Beendigung des Afghanistan-Einsatzes der Bundeswehr gegeben.

Haseloff: Merkel hatte offenes Ohr für die Probleme des Ostens

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff würdigte im Vorfeld des Großen Zapfenstreichs Merkels Einsatz für Ostdeutschland. Sie habe "immer ein offenes Ohr für die Probleme des Ostens" gehabt und sich "entschlossen und tatkräftig für die Belange der Menschen im Osten eingesetzt", sagte der CDU-Politiker in Magdeburg.

Das Ende ihrer Amtszeit sei eine Zäsur, sagte Haseloff. "Angela Merkel hat die politische Entwicklung unseres Landes in den ersten beiden Jahrzehnten des 21. Jahrhunderts wie keine zweite Persönlichkeit beeinflusst und geprägt." Ihre Politik sei verlässlich und pragmatisch, in stürmischen Zeiten sei sie ein ruhender Pol gewesen.

Ähnlich äußerte sich der bisherige Ostbeauftragte der Bundesregierung, Marco Wanderwitz. Den Zeitungen des "Redaktionsnetzwerks Deutschland" sagte der Parteikollege, es sei eine historische Anomalie, dass es eine Ostdeutsche wenige Jahre nach der Wiedervereinigung an die Spitze geschafft habe und solange geblieben sei. Mit ihrem Credo "weniger reden, mehr tun" habe sie bei der Förderung Ostdeutschlands viel erreicht.

dpa,epd,AFP(rnm/jks)

Dieses Thema im Programm:MDR AKTUELL RADIO | 02. Dezember 2021 | 12:10 Uhr

Kommentare

Laden ...
Alles anzeigen
Alles anzeigen