Infrastruktur auf dem Land Radverkehrskonzept Sachsen: Was ist ein Jahr danach passiert?

Radfahren in Deutschland boomt. Doch damit die Fahrt nicht zu einer Gefahr für Leib und Leben wird, braucht es eine gute Infrastruktur – vor allem an Staats- und Bundesstraßen. Um das Radwegenetz in Sachsen zu verbessern, hat Verkehrsminister Martin Dulig letzten Sommer ein Konzept für den Freistaat vorgelegt. Was davon wurde bereits umgesetzt?

Radfahrer hinter Tanklaster
Das Radverkehrskonzept Sachsen sieht unter anderem mehr Radwege an Bundes- und Staatsstraßen vor. Bildrechte: dpa

Ein Radweg im Dresdner Norden, gleich neben einer breiten Straße. Hier steht Rolf Leonhardt neben seinem gelben Fahrrad und schaut Richtung Innenstadt. Leonhardt ist Vize-Chef des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs, kurz ADFC, in Sachsen und hofft, dass hier ein Radschnellweg entstehen wird.

Leonhardt betont, es wäre schön, wenn die boomenden Umlandgemeinden wie Radeberg, Langebrück, Weixdorf oder Ottendorf-Okrilla eine zügige Anbindung an das Dresdner Zentrum hätten.

Minimalistischer Ausbau auf dem Land

Solche Radschnellwege für Ballungsräume sind ein zentraler Bestandteil der Radverkehrskonzeption von Verkehrsminister Martin Dulig. Da gehe es auch ganz gut voran, lobt Leonhardt. Zuschüsse für Lastenräder und die neue Arbeitsgemeinschaft der Kommunen zur Förderung des Radverkehrs seien Positivbeispiele.

Zufrieden ist er trotzdem nicht. Besonders beim Bau von Radwegen an Staats- und Bundestraßen hapere es noch gewaltig: "Das klemmt nach wie vor sehr und da ist es schon seit fünf, sechs Jahren alles im Argen und es geht nicht richtig voran."

Die Radwege fehlten vor allem auf dem Land, sagt Leonhardt. Dort müssten fast alle Wege mit dem Auto gemacht werden, das schmälere die Lebensqualität. Das sieht auch der verkehrspolitische Sprecher der Grünen, Gerhard Liebscher, so: "Wenn man sich anschaut, was in den letzten Jahren real gebaut wurde, oder auch dieses Jahr in Angriff genommen wurde, dann ist das sehr minimalistisch." Dort müsse mehr passieren.

Lässt sich Sachsen Geld entgehen?

540 Kilometer Radwege sollen bis 2025 entlang der Bundes- und Staatsstraßen in Sachsen entstehen. Dazu müssten pro Jahr 100 Kilometer gebaut werden, rechnet Leonhardt aus. Dem Verkehrsministerium zufolge werden es dieses Jahr allerdings nur etwa 19 Kilometer.

Leonhardt sagt, es brauche deutlich mehr Geld. 30 Millionen Euro im Jahr hält er für notwendig, etwa dreimal so viel wie bisher. Mit Geld von EU und Bund sei das aber machbar, versichert Leonhardt. Hier lasse sich Sachsen viel Geld entgehen. "Also nur um ein kleines Beispiel zu bringen, an Bundesstraßen baut der Freistaat im Auftrag des Bundes und da sind also für dieses Jahr 2,5 Mio. Euro vorgesehen."

Das sehr viel kleinere Mecklenburg-Vorpommern mit einem kürzeren Bundesstraßennetz und mit weniger Einwohnern habe 15 Millionen beantragt, so Leonhardt. Der Freistaat sei sehr schlecht darin, solche Fördermittel abzugreifen.

Mehr Personal für den Radverkehr

Das Verkehrsministerium weist diesen Vorwurf auf Anfrage von MDR AKTUELL zurück. Planung und Genehmigung von Radwegen dauerten oft einfach sehr lange, heißt es zur Erklärung.

Grünen-Sprecher Liebscher glaubt, dass es ohnehin weniger am Geld, als vielmehr am Personal fehle: "Auf der Planungsseite im Landesamt für Straßenbau und Verkehr, dort muss aufgestockt werden, damit man diese Projekte auch voranbringt. Ganz klar, dort fehlt einfach Personal um das voranzutreiben."

Das Verkehrsministerium erklärt dazu auf Anfrage, dass das für die Radverkehrsförderung zuständige Personal gemäß des Koalitionsvertrags deutlich aufgestockt werden solle. Insbesondere im Landesamt für Straßenbau und Verkehr. Außerdem seien für den nächsten Doppelhaushalt mehr Mittel als je zuvor für den Radverkehr angemeldet worden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 15. August 2020 | 05:00 Uhr

4 Kommentare

Micky Maus vor 35 Wochen

"Im Jahre 2020 werden bzw. werden vielleicht 19 (in Worten: neunzehn) km Fahrradwege neu gebaut."

das bedeudet ja immer noch nicht das Radwege wirklich gebaut wurden, es wurden einfach mal Radwege auf Straßen, vorallem Innenorts auf Bundesstraßen aufgemalt.

Es ist an der Zeit für Herrn Dulig (SPD) zu gehen!

Dynamo vor 35 Wochen

Der Sächs. Verkehrsminister Dulig (SPD) kündigt letzten Sommer ein Fahrradwegegesetz an. Im Jahre 2020 werden bzw. werden vielleicht 19 (in Worten: neunzehn) km Fahrradwege neu gebaut. Dazu fällt mir nichts mehr ein. Oder soll das ein Witz sein? 15.08.2020, 11:45

Micky Maus vor 35 Wochen

"Dem Verkehrsministerium zufolge werden es dieses Jahr allerdings nur etwa 19 Kilometer. "

dafür sollte der Verkehrsminister seinen Hut nehmen.

Mit 2 bis 3 Mrd Euro könnte man jedes Jahr das zehnfache bauen.

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