Hörer machen Programm Warum Sputnik V in Deutschland noch keine Notfallzulassung bekommt

In Europa sind momentan vier Impfstoffe zugelassen: Biontech/Pfizer, Moderna, Astrazeneca und seit einigen Tagen auch ein Impfstoff der Firma Johnson & Johnson. Astrazeneca darf im Moment nicht verimpft werden. Und was ist mit Sputnik V? Das fragt sich MDR AKTUELL-Nutzer Reimar Kuke aus Thale im Harz. Er will wissen, warum der russische Impfstoff in Deutschland keine Notfallzulassung bekommt.

Eine Nierenschale mit Spritzen
Wird der russische Impfstoff Sputnik V bald auch in Deutschland zugelassen? Bildrechte: dpa

Deutschland könnte den russischen Corona-Impfstoff "Sputnik V" in einem nationalen Notfallverfahren zulassen. So wie zum Beispiel Ungarn. Dafür wäre das Paul-Ehrlich-Institut zuständig. Bei einer Notfallzulassung muss der zulassende Staat selbst festlegen, welche Daten für eine Zulassung nötig sind und in welcher Form die anschließende Überwachung stattfinden soll. Das Paul-Ehrlich-Institut teilte auf Anfrage jedoch mit, dass Deutschland beim bewährten EU-Zulassungsverfahren bleiben wolle.

Das bedeutet: die EMA, die Europäische Arzneimittelagentur entscheidet über die Zulassung, die dann auch für Deutschland gilt. Auf Anfrage teilte die EMA schriftlich mit: "Der russische Impfstoff wird gerade im Rahmen des rollenden Zulassungsverfahrens geprüft. EMA wird dabei aufgrund der Datenlage entscheiden, ob die Vorteile größer als die Nachteile sind. Wir warten noch auf mehr Daten. Danach können wir besser zeitliche Aussagen darüber treffen, wann Sputnik V zugelassen werden könnte."

Linke: Herkunft des Impfstoffs irrelevant

Harald Weinberg, Sprecher für Gesundheitsvorsorge für die Linke im Bundestag, findet, dass gerade in der aktuellen Situation jeder neue Antrag auf Zulassung für einen Corona-Impfstoff willkommen sei. Und da dürfe es keine Rolle spielen, dass es sich bei Sputnik V um einen russischen Impfstoff handele: "Erstmal sind wir der Auffassung, dass wir die gesamte Bandbreite der Impfstoffe brauchen, die es gibt, und in der Tat auch keine ideologischen Scheuklappen haben sollten. Das macht wirklich überhaupt gar keinen Sinn. Das Problem der Zulassung ist ein anderes. Ganz offensichtlich ist es so – das ist die Information, die wir aus der Ausschuss-Sitzung bekommen haben, dass noch nicht alle Unterlagen, die notwendig sind, eingegangen sind bei der Zulassungsbehörde. Das sollte seitens Russlands möglichst schnell nachgeholt werden."

Mögliche Zulassung im April oder Mai

Die Erteilung der Zulassung dauerte bei den vier anderen Corona-Impfstoffen zwischen drei und vier Wochen. Vor diesem Hintergrund ist es denkbar, dass für Sputnik V im nächsten Monat, spätestens aber im Mai eine Zulassung erteilt wird. Zugelassen ist Sputnik V bereits in über 40 Ländern.

Auch Rudolf Henk, Berichterstatter der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für Infektionskrankheiten, hat mit dem russischen Impfstoff kein Problem, solange die EMA-Kriterien erfüllt sind: "Wie bei allen anderen Covid-Impfstoffen sollten wir daran festhalten, dass ein geordnetes Verfahren stattfindet. Selbstverständlich ist es gut, wenn es zügig geht. Aber wir sollten uns jetzt auch nicht unter Druck setzen lassen, dass wir die Anforderungen, die wir an jeden anderen Impfstoff richten, deswegen, weil es ein russischer ist, dann absenken."

Der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission, Thomas Mertens, hatte bereits geäußert, dass der russische Impfstoff seiner Meinung nach gut und clever gebaut ist. Auch Sachsens Gesundheitsministerin Petra Köpping setzt Hoffnung in Sputnik V. Man werde den russischen Impfstoff nach seiner Zulassung gern verimpfen, so Köpping. Aber selbst wenn Sputnik V zugelassen sein sollte – bis zur Auslieferung kann es noch Wochen dauern. Produziert werden soll das Vakzin auch in Deutschland, am Standort der russischen Firma R-Pharm in Bayern.

*In einer ersten Version sprachen wir davon, dass die in der EU bereits zugelassenen Impfstoffe eine Notfallzulassung hätten. Das ist falsch. Diesen Impfstoffen wurde von der EMA eine sogenannte bedingte Marktzulassung erteilt, nachdem die EMA jeweils deren Sicherheit und Wirksamkeit positiv bewertet hatte. Die Prüfung für eine bedingte Marktzulassung durch die EMA nimmt mehr Zeit in Anspruch, bietet laut EU aber mehr Sicherheit, als dies bei einer Notfallzulassung der Fall wäre.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 18. März 2021 | 06:20 Uhr

63 Kommentare

Wessi vor 30 Wochen

@ Sonnenseite ...alles in Ordnung.Nur.......wie kommen Sie darauf, daß nicht "mit Hochdruck an der Zulassungs gearbeitet wird"?Haben Sie belastbare Informationen?Nur weil der im Wahlkampfmodus befindliche Söder soetwas sagt, gibt es keinen richtigen Beleg für "klassischen...Klein-Klein".

Armin C. vor 30 Wochen

"Was mich manchmal irritiert, ist dieses absolute Vertrauen in "alles was aus Russland" kommt.Sputnik durchläuft... ein Genehmigungverfahren, damit man versicherungstechnisch abgesichert ist..."
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Und was mich manchmal irritiert, ist dieses absolute MISStrauen gegen "alles was aus Russland" kommt??? Dies hatten Sie uns ja schon mal vor einiger Zeit mitgeteilt. Aber leider dürften auch Sie diesmal von Ihren amerikanischen "Freunden" schwer enttäuscht sein, was Corona-Impfstoffproduktion und Verteilung angeht?
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Und da Sie sich anscheinend auskennen, erklären Sie doch bitte einmal, wer ist wie "versicherungstechnisch abgesichert?"
- Wenn wie bei den Lieferverträgen mit AstraZeneca die Haftung für den Hersteller verhindert werden konnte?
Und man als zu Impfender ein Aufklärungsmerkblatt, einen Anamnesebogen und eine Einwilligungserklärung, zwar mit Impfarzt/ Impfärztin zu unterschreiben hat? Das sichert hauptsächlich die Ärzte ab, die Risiken müssen die Patienten tragen...???

Sonnenseite vor 30 Wochen

"Söder verwies darauf, dass Sputnik V nach allen Gutachten ein guter Impfstoff sei. "Zum Teil ein besserer als bereits zugelassene", fügte er hinzu. Daher sei es nun nicht angezeigt, bei der Prüfung des Vakzins "im klassischen bürokratischen Klein-Klein-Verfahren alles abzuarbeiten". Die zuständigen Behörden sollten den Stoff aus seiner Sicht vielmehr "schnell, effizient und zügig" zulassen."

Quelle: RT Deutschland


Wenn ich das nochmal hervorheben darf "Zum Teil ein besserer als bereits zugelassene"

Um so unverständlicher, das nicht mit Hochdruck an der Zulassung gearbeitet wird! ☝️




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