Landwirtschaft Fleischersatz und Hanf als Chance für Landwirte?

Vegane und vegetarische Speisen und Gerichte liegen weiterhin im Trend. Bauernpräsident Joachim Rukwied sagt, diese Entwicklung sei eine Chance für die Landwirtschaft. Und: Der Hanfanbau sei unter deutschen Ackerbauern ein hippes Thema. Der ein oder andere würde sich hier schon zum richtigen Anbau belesen.

Vegan
Sojabohne, Kichererbse, Linse ... Ersatzprodukte für Fleisch bestehen aus verschiedensten Hülsenfrüchten und Gemüsesorten. Bildrechte: MDR/Josefine Bauer

Der Trend zur veganen Ernährung ist laut Bauernpräsident Joachim Rukwied für deutsche Landwirte mehr Chance als Bedrohung:

Es sind ja wir Bauern, die die Rohstoffe für die Ersatzprodukte anbauen.

Joachim Rukwied, Bauernpräsident Neue Osnabrücker Zeitung

Aus diesen Worten lässt sich ein neues Selbstbewusstsein in der Diskussion um vegetarische, vegane und klimaschonendere Ernährung herauslesen.

Kühe im Kuhstall, eine Hand reicht Futter 20 min
Bildrechte: Budimir Jevtic/Adobe Stock

Kichererbsen werden zu Fleischersatz

Das gelte beispielsweise für Kichererbsen, die dann zu Fleischersatz weiterverarbeitet würden. Viele Bauern seien bereits in den Anbau eingestiegen oder planten es.

"Wir liefern nachhaltige, heimische Rohstoffe, die zu trendigen Lebensmitteln verarbeitet werden", sagte Rukwied. Darüber hinaus äßen neun von zehn Deutschen weiterhin Fleisch. Der Fleischkonsum würde also nicht einbrechen, auch wenn er leicht zurückgehe.

Ersatzprodukte weiter im Trend

Bemerkbar mache sich auch ein vermehrter Anbau von Körnerleguminosen, sagte der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbands, Bernhard Krüsken.

Zu den Körnerleguminosen gehören eiweißhaltige Bohnensorten wie Soja, die auch in vegetarischen und veganen Ersatzprodukten zum Einsatz kommen. Diese Pflanzensorten hätten "in den letzten Jahren einen Aufwind bekommen", sagte Krüsken weiter.

Futtermittelanbau (noch) lohnenswerter

Der Anbau von Futtermitteln für Tiere ist für viele Landwirte finanziell zwar noch immer lohnenswerter als der Anbau von Pflanzen zur Herstellung von veganen oder vegetarischen Ersatzprodukten, trotzdem wachse der Markt für die trendigen Produkte, sagte Krüsken. Und ergänzt:

Der Markt ist da, er wächst und die Landwirte steigen darauf ein.

Bernhard Krüsken, Generalsekretär des Deutschen Bauernverbands

Hippes Thema unter Bauern: Hanf

Angesichts der erwarteten Cannabis-Legalisierung beschäftigten sich bereits viele Bauern damit: "Der Hanfanbau ist unter deutschen Ackerbauern ein hippes Thema", sagte Rukwied. Es werde viel darüber diskutiert und "der eine oder andere hat sich schon eingelesen, wie das funktionieren kann mit dem Hanf."

Agrar Kongress: Özdemir und Lemke wollen Allianz

Umweltministerin Steffi Lemke
Steffi Lemke und Cem Özdemir wollen mit ihren Ministerien gemeinsam Umwelt- und Tierschutz fördern. Bildrechte: dpa

Die Zukunft der Landwirtschaft, besonders im Hinblick auf Umwelt- und Tierschutz, ist auch Thema auf dem Agrar-Kongress, der am Dienstag in Berlin stattfindet. Die beiden Grünen-Minister Steffi Lemke (Umweltministerium) und Cem Özdemir (Landwirtschaftsministerium) wollen Probleme gemeinsam angehen. Beide kündigten eine neue strategische Allianz der beiden Ministerien an.

"Wir haben es satt!"

Das Bündnis "Wir haben es satt!" hat den neuen Landwirtschaftsminister Cem Özdemir unterdessen aufgefordert, den Umbau von Landwirtschaft und Ernährungssektor "schleunigst" anzupacken. Der Reformstau in Deutschland sei "enorm", erklärte das Bündnis am Dienstag. Für Samstag kündigte es mehrere Aktionen in Berlin an.

Der Minister hat bereits angekündigt, dass er sich äußern und mit den Demonstrierenden sprechen will.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR AKTUELL RADIO | 17. Januar 2022 | 19:00 Uhr

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