RKI stuft hoch Spanien ab Dienstag Hochinzidenzgebiet – was bedeutet das für Reisende?

Jetzt ist es offiziell: Das liebste ausländische Reiseland der Deutschen ist ab Dienstag Hochinzidenzgebiet – Spanien. Das hat das Robert-Koch-Institut gestern bekannt gegeben. Und das ausgerechnet in der Reisehochsaison. Problematisch ist die Hochstufung, die außer Spanien auch noch die Niederlande betrifft, vor allem für Ungeimpfte.

Touristen schwimmen und sonnenbaden am Strand Can Pastilla in Palma de Mallorca.
Spanien ist ab Dienstag Hochinzidenzgebiet. Bildrechte: dpa

Schon wieder zwei Länder mehr auf der Liste der Hochinzidenzgebiete. Schlechtes Timing, findet die Leipziger Reisebüroinhaberin Sabine Hornig. "Es ist natürlich ganz schlimm, dass ausgerechnet vor den Ferien solche Änderungen erfolgen. Für die Familien ist das eine Katastrophe."

Inzidenz immer noch ausschlaggebend

Nun richtet sich das Virus bekanntlich nicht nach den Ferien. Die Frage, ob das RKI ein Ferienland als Risikogebiet listet, richtet sich nach dem Virus – beziehungsweise nach dem Inzidenzwert.

Eine Tatsache, die sich aus Sicht des Deutschen Reiseverbandes unbedingt ändern sollte. Sprecherin Kerstin Heinen: "Es gibt inzwischen eine umfassende Meinung, dass der Inzidenzwert nicht mehr wirklich der allein ausschlaggebende Wert sein sollte. Das muss natürlich auch übertragen werden auf die Zielgebiete und dementsprechend wäre es gut, wenn die Einreiseverordnung entsprechend geändert wird."

Die aktuelle Corona-Einreiseverordnung gilt nun aber noch bis zum 10. September – und Spanien wurde danach eben vom einfachen Risikogebiet zum Hochinzidenzgebiet hochgestuft.

Was das für Reisende bedeutet

Reisende, die aus einem solchen Gebiet kommen, müssen grundsätzlich in Quarantäne. Genesene oder Geimpfte können sich aber recht schnell über das Einreiseportal des RKI – einreiseanmeldung.de – aus der Isolation befreien.

Wer allerdings aus einem Hochinzidenzgebiet wie jetzt Spanien wiederkommt und weder geimpft noch genesen ist, kommt frühestens fünf Tage nach Einreise durch einen negativen Antigen-Schnell- oder PCR-Test aus der Quarantäne. Das betrifft dann vor allem Kinder, sagt die Reiseverbandssprecherin: "Genau das ist der Punkt, Kinder sind in der Regel eben noch nicht geimpft. Und ab sechs Jahren müssen sie auch getestet werden. Heißt: Sie müssen auch in eine Quarantäne."

Storno oder Umbuchung nicht uneingeschränkt möglich

Aber selbst das würden einige Kunden jetzt in Kauf nehmen, berichtet die Inhaberin des Leipziger Premium Reisebüros. "Die Kunden wollen ja fahren und die haben es auch nach anderthalb Jahren bitter nötig. Also deswegen ist die Storno- bzw. Umbuchungsfrage jetzt noch nicht gestellt."

Ob das – Umbuchung oder Stornierung – so einfach geht, hängt stark davon ab, was gebucht wurde, erklärt Claudia Neumerkel von der Verbraucherzentrale Sachsen. Sobald Urlaubsländer beim RKI aufgelistet werden, dann ließen sich zunächst die Pauschalreisen kostenfrei stornieren, so Neumerkel. Das gelte allerdings nur, wenn der Reiseantritt in den Zeitraum der bestehenden Reisezeit fällt.

Anders sieht es aus, wenn man sich Anreise und Unterkunft selbst organisiert habe. Dann heißt es: Das Kleingedruckte lesen. "Und das kann auf die Akzeptanz eines Gutscheines oder gar zu entrichtende Stornogebühren hinauslaufen. Und deswegen empfehlen wir immer, sich auf flexible Stornogebühren einzulassen, sofern die angeboten werden. Dann ist ein kostenfreier Rückzug bis kurz vor Reiseantritt auch möglich."

Kein Verlass auf Reiserücktrittsversicherung

Und noch einen Tipp hat die Verbraucherschützerin: Auf eine klassische Reiserücktrittsversicherung könne man sich in der Coronakrise in der Regel nicht verlassen. "Diese deckt nur bestimmte Risiken wie die eigene Krankheit oder die von Mitreisenden oder Arbeitslosigkeit ab – alles Risiken, die nicht im Zusammenhang mit der Pandemie stehen."

Doch die Versicherungswirtschaft hat schon reagiert und sogenannte Covid-Reiseversicherungen entwickelt. Allerdings mit deutlichen Leistungsunterschieden, warnt Claudia Neumerkel von der Verbraucherzentrale. Noch ein Pluspunkt für die Abenteuerfraktion: Covid-Reiseversicherungen gebe es auch für Individualreisende.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 24. Juli 2021 | 10:07 Uhr

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