Tag der Bipolaren Störung Wenn Stimmungsschwankungen krankhaft sind

Wenn Stimmungsschwankungen krankhaft werden, kann das schwere Folgen haben. Bei einer manischen Depression schränken Hochs und Tiefs den gesamten Alltag ein. Zum Internationalen Tag der Bipolaren Störung haben wir uns einmal intensiv mit dieser psychischen Krankheit beschäftigt.

Eine junge Frau steht allein am Fenster und schaut hinaus.
Menschen mit bipolarer Störung hegen besonders oft Selbstmordgedanken. (Symbolbild) Bildrechte: imago images/Petra Schneider

Katrin ist 43, seit 15 Jahren leidet die zweifache Mutter unter einer bipolaren Störung. Wichtigstes Merkmal: extreme Stimmungsschwankungen. "Ich sage immer, es gibt so einen Mittelstreifen, wo sich die normalen Gefühle befinden. Die Depression schlägt heftig nach unten aus und die Manie in die andere Richtung", beschreibt Katrin ihre Krankheit. "Wenn man richtig in einer Manie ist, dann ist dieses Bewusstsein auch weg und dann hat man immer das Gefühl, man ist der Tollste oder die Tollste."

Erste Symptome zwischen 20 und 30 Jahren

In einer solchen Hochphase wollte Katrin ein Schloss kaufen und mit ihrer Familie dort einziehen. Laut der Gesellschaft für Bipolare Störungen treten die ersten Symptome einer manischen Depression meist zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr auf. Nur sehr selten seien Patienten bereits im Jugendalter betroffen.

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Die Erkrankung betrifft Frauen und Männer zu gleichen Teilen und kann durch verschiedene äußere Faktoren ausgelöst werden. So können sich einschneidende Lebensereignisse wie Todesfälle – aber auch ein erhöhter Alkoholkonsum oder Stress – negativ auf das Nervensystem auswirken.

Genetische Faktoren

Aber auch die Gene spielten eine Rolle, sagt Philipp Ritter, Oberarzt an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der TU Dresden: "Man weiß, dass es eine ganz starke genetische Komponente gibt. Es scheint eine Vielzahl von Risikogenen zu geben, die einen sehr kleinen Beitrag leisten und dann dazu führen, dass eine solche Störung entsteht."

Sie brauchen Hilfe?

Sie haben Selbsttötungsgedanken oder eine persönliche Krise? Die Telefonseelsorge hilft Ihnen rund um die Uhr: 0800 1110111 und 0800 1110222. Der Anruf ist anonym und taucht nicht im Einzelverbindungsnachweis auf. Auf der Webseite finden Sie weitere Hilfsangebote. Das Info-Telefon Depression erreichen Sie unter 0800 / 33 44 533, Mo, Di, Do: 13:00 – 17:00 Uhr und Mi, Fr: 08:30 – 12:30 Uhr.

Laut Deutscher Gesellschaft für Bipolare Störungen werden nur etwa 10 bis 15 Prozent der Betroffenen richtig behandelt. Bei Katrin vergingen mehrere Jahre bis zur Diagnose. Dabei ist es gerade bei dieser Erkrankung wichtig, dass sie frühzeitig erkannt wird, erklärt Ritter.

Das Risiko, durch einen Suizid zu versterben, ist bei Personen mit einer Bipolaren Störung um das etwa 15- bis 20-Fache erhöht. Wir wissen, dass etwa 60 bis 70 Prozent aller Personen mit der Diagnose einen Suizidversuch unternehmen werden.

Dr. Philipp Ritter Oberarzt an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der TU Dresden

Forderung nach besserem Reha-Zugang

Psychische Erkrankungen sind grundsätzlich zu wenig im Fokus politischer Entscheidungen, sagt Kirsten Kappert-Gonther, Obfrau der Grünen-Bundestagsfraktion im Gesundheitsausschuss. Das spiegele sich auch in der Versorgungsrealität wieder. "Der Anspruch und das Antragsverfahren auf Rehabilitation sollte durch die Sozialversicherungsträger erleichtert werden, damit die Betroffenen nicht noch zusätzlich vor unnötig große Hürden gestellt werden."

Probleme in der Arbeitswelt

Oberarzt Ritter sieht noch ein anderes Problem. Aus seiner Sicht würden zu viele Personen mit psychischen Erkrankungen zu früh in Rente gehen. Auch Katrin erhält mittlerweile eine Erwerbsunfähigkeitsrente. Seit Jahren ist sie mit Medikamenten gut eingestellt, Phasen hat sie keine mehr. Versuche, in ihrem Job als Altenpflegerin zu arbeiten, scheiterten. Eine Stelle bei einer Pflegedienstleistung habe sie nach einem halben Jahr wieder verloren, als sich eine ledige Kollegin für die Stelle beworben habe, meint Katrin.

Nach langer Suche hat sie eine Einrichtung gefunden, in der sie zwei Stunden pro Tag arbeiten kann. Mittlerweile leitet Katrin eine Selbsthilfegruppe, die sie selbst gegründet hat.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 30. März 2021 | 06:00 Uhr

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