Steuersenkung Tankrabatt ab 1. Juni – Das sollten Sie wissen

Mittlerweile liegen die Preise für Benzin und Diesel an deutschen Tankstellen seit mehr als zwei Monaten bei teilweise deutlich über 2 Euro. Ab 1. Juni soll sich das ändern, denn dann tritt die kurzzeitige Senkung der Energiesteuer in Kraft – besser bekannt als sogenannter Tankrabatt. Doch wie wird der genau umgesetzt und ist es sinnvoll, am 1. Juni zur Tankstelle zu fahren?

Eine Frau nimmt an einer Tankstelle in Hamburg Geld aus dem Portmonee, nachdem sie ihr Auto betankt hat
Benzin und Diesel sind teuer geworden. Um die Belastung beim Tanken etwas zu mildern, hat die Bundesregierung eine dreimonatige Steuersenkung auf Kraftstoffe beschlossen. Los geht's ab 1. Juni. Bildrechte: dpa

100 Euro und mehr für ein Mal den Kombi volltanken – das ist seit März 2022 die neue Normalität an deutschen Tankstellen. Im Vergleich zum vergangenen Mai sind die Benzinpreise um mehr als 40 Prozent gestiegen. Das trifft vor allem Personen, die auf das Auto angewiesen sind – zum Beispiel Pendlerinnen und Pendler oder Menschen, die in ländlichen Gegenden ohne gut ausgebauten Öffentlichen Nahverkehr von A nach B kommen müssen. Um die finanzielle Last etwas zu mildern, führt die Bundesregierung am 1. Juni eine befristete Energiesteuersenkung ein. 

Steuersenkungen auf Benzin, Diesel und Co.

Konkret bedeutet der Tankrabatt, dass der Steuersatz für Benzin, Diesel, Erdgas und Flüssiggas so weit gesenkt wird, wie es nach Europarecht erlaubt ist. Daraus ergeben sich Steuersenkungen bei Benzin in Höhe von 29,55 Cent pro Liter, bei Dieselkraftstoffen um 14,04 Cent pro Liter.

Warum gibt es bei Benzin höhere Steuersenkungen als bei Diesel?

Der Energiesteuersatz für Benzin und Diesel ist in Deutschland unterschiedlich hoch: Während er für Benzin bei 65,45 Cent pro Liter liegt, werden für Diesel 47,04 Cent pro Liter berechnet. Die Europäische Union (EU) hat Mindeststeuersätze für ihre Mitgliedsstaaten festgelegt. Diese betragen für Benzin auf 35,9 Cent pro Liter, für Diesel 33 Cent pro Liter. Die Bundesregierung senkt nun die Steuer vom 1. Juni bis 31. August auf diese Mindeststeuer. Dadurch, dass die reguläre deutsche Steuer auf Diesel im Vergleich zu Benzin in Deutschland fast 20 Cent pro Liter günstiger ist, fällt die Ersparnis beim Tankrabatt geringer aus.

Wann werden Benzin und Diesel billiger?

Doch wer am 1. Juni deutlich gesunkene Preise an den Zapfsäulen erwartet, wird möglicherweise enttäuscht. Denn zwar gelten ab diesem Tag die Steuersenkungen, doch Katja Legner vom ADAC erwartet erst einige Tage später eine Entspannung der Preise: "Die Tankstellen werden erst ab dem 1. Juni nach und nach den Sprit mit den reduzierten Steuersätzen einkaufen. Das heißt, sie werden also nicht um Punkt Mitternacht umstellen. Erst mit diesem nachgekauften Kraftstoff kommt der niedrigere Preis auch beim Verbraucher an."

Auch der Zentralverband des Tankstellengewerbes weist darauf hin, dass Autofahrer nicht sofort mit sinkenden Spritpreisen rechnen sollten. Schließlich könnten es sich die wenigsten Betreiber leisten, den teurer eingekauften Kraftstoff billiger anzubieten.

Kartellamt soll Weitergabe des reduzierten Steuersatzes sicherstellen

Zudem ist gar nicht sicher, ob eine spürbare Entlastung überhaupt kommen wird. Das Bundesfinanzministerium (BMF) teilt zwar mit, dass die Steuersenkung vollständig an die Endverbraucherinnen und Endverbraucher weitergegeben werden soll, doch wie kann das kontrolliert werden? Nach Angaben des BMF hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) "Maßnahmen eingeleitet, damit das Bundeskartellamt mit seiner Markttransparenzstelle für Kraftstoffe in Zukunft genauer prüfen kann, wie die Mineralölgesellschaften ihre Preise setzen. So soll sichergestellt werden, dass der reduzierte Steuersatz möglichst rasch für Kundinnen und Kunden an der Tankstelle ankommt."

Eine ADAC-TankApp auf einem Smartphone zeigt die aktuellen Preise für Diesel, während im Hintergrund ein Auto getankt wird.
Per Smartphone die günstigste Tankstelle suchen - das könnte sich vor allem an den ersten Junitagen lohnen. Bildrechte: dpa

Markttransparenzstelle für Kraftstoffe Die Markttransparenzstelle für Kraftstoffe ist Teil des Bundeskartellamts. Die Stelle beobachtet seit 2013 die Kraftstoffpreise an den deutschen Tankstellen. Seitdem können Verbraucherinnen und Verbraucher im Internet und in speziellen Tank-Apps die Preisentwicklungen von Benzin und Diesel transparent einsehen.

Keine gesetzliche Verpflichtung für Tankstellen

Auf Nachfrage von MDR SACHSEN teilt der Sprecher des Bundeskartellamts, Kay Weidner, mit: "Um es ganz deutlich zu sagen, eine gesetzliche Verpflichtung, die Steuersenkung weiterzugeben, gibt es nicht. Ja, die Steuersenkung sollte sich im Verbraucherpreis niederschlagen. Bei einem funktionierenden Wettbewerb wäre das so. Aber offensichtlich funktioniert der Markt nicht gut. Er ist eingeschränkt."

Weidner stellt dabei klar, dass es sich beim Kartellamt um eine Wettbewerbsbehörde handle, keine Preisbehörde: "Wir können alle ein Bauchgefühl haben, dass es unmoralisch und unfair ist, solche Preise wie es sie aktuell gibt, zu nehmen. Aber das ist kein Kartellrechtsgebot." Die Politik müsste regulierend eingreifen, davon ist Weidner überzeugt, wenn sie die Preise wirklich kontrollieren möchte – beispielsweise indem sie den Preis für Kraftstoff vorgibt.

Kraftstoffpreis von vielen Faktoren abhängig

Der Sprecher des Bundeskartellamtes kündigte an, dass die Behörde in jedem Fall die Preise genau im Blick behalten werden. Allerdings warnte Weidner vor vorschnellen Schlüssen: "Daraus wird man nicht ganz einfach die Schlussfolgerung ziehen können, dass die Steuersenkung 1 zu 1 weitergegeben wurde oder nicht. Der Preis für Kraftstoffe ist von vielen verschiedenen Faktoren abhängig: Der Rohölpreis steigt gerade, der Euro-Dollar-Kurs kann sich ändern. Ich möchte mal jemanden sehen, der rückblickend genaue Schlussfolgerungen ziehen kann."

ADAC zuversichtlich, dass Autofahrer günstiger fahren

Katja Legner vom ADAC ist allerdings zuversichtlich, was den Tankrabatt angeht: "Es gibt keine gesetzliche Verpflichtung, aber die Gruppendynamik wird dazu führen, dass mehr oder weniger alle mitmachen. Wenn auch nur eine Tankstelle am Ort den Preisrabatt gewährt, dann müssen alle anderen mitmachen, denn sonst würden sie einfach ignoriert werden."

Grafik Preisunterschiede Sprit in Europa. 9 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
9 min

Umschau Di 24.05.2022 20:15Uhr 08:55 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

Untersuchung des Bundeskartellamts dauert an

Wie sich die Preise entwickeln und welche Faktoren sie beeinflussen, ist teilweise sehr undurchsichtig. Seit April 2022 läuft deshalb im Bundeskartellamt zusätzlich eine Untersuchung des Mineralölsektors. Hintergrund sind die über Tage und Wochen anhaltenden hohen Preise an den Tankstellen im März 2022, obwohl die Rohölpreise bereits deutlich gesunken waren.

Ziel ist es laut Bundeskartellamt, die Gründe für diese Markt- und Preisentwicklungen auszuleuchten. Außerdem würden damit wichtige Grundlagen für eine beabsichtigte Erweiterung der Aufgaben der Markttransparenzstelle geschaffen. Weidner erteilte schnellen Ergebnissen allerdings eine Absage: "Wir befinden uns in der Untersuchung und es wird noch dauern, bis wir zu Ergebnissen kommen. Bisher haben wir Tankstellen und Preise überwacht, die Untersuchung von Mineralölkonzernen hat eine andere Dimension."

Die Preise für Kraftstoffe werden an einer Tankstelle mit über zwei Euro angegeben.
An deutschen Tankstellen sind die Preise für Kraftstoff besonders hoch. Autofahrerinnen und Autofahrer hoffen nun auf rasche Preissenkungen. Bildrechte: dpa

Im Ausland tanken – lohnt sich das?

Auch mit gesenktem Steuersatz in Deutschland könnten Benzin und Diesel in Tschechien und Polen noch immer günstiger sein. Der Katja Legner vom ADAC rät aber davon ab, extre Wege in Kauf zu nehmen, um einige Cent pro Liter zu sparen: "Das kann sich höchstens für direkt an der Grenze wohnende Autofahrer lohnen. Man sollte nämlich nicht nur die Distanz zur Tankstelle einrechnen, sondern auch wie lange es dauert, bis man an dieser Tankstelle ist und wieder zurück." Außerdem dürfe man die Klimabelastung nicht vergessen, die man durch den zusätzlichen CO2-Ausstoß verursacht.

Wann ist tanken am günstigsten?

Ein Mann betankt an einer Tankstelle ein Auto.
Wer kann, sollte eher am Abend tanken - zu diesem Schluss kommt die markttransparenzstelle für Kraftstoffe. Dann nämlich ist Sprit meist im günstigsten. Bildrechte: dpa

Laut Markttransparenzstelle für Kraftstoffe schwanken die Preise für Diesel und Benzin im Laufe eines Tages enorm. Morgens bis etwa 8 Uhr sind die Preise besonders hoch. Der höchste Preis des Tages wird im Schnitt um 07:10 Uhr erreicht. Abends ab etwa 18 Uhr lässt sich preiswerter tanken. Im Schnitt ist das Benzin um 19 Uhr am günstigsten.

Wie finde ich günstige Tankstellen in meiner Nähe?

Es gibt Internetseiten und eine Menge Apps, mit denen sich die Preise von Tankstellen vergleichen lassen. Eine Liste der verifizierten Apps, finden Sie auf der Internetseite der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe.

Weitere Tipps und Erkenntnisse aus dem vergangenen Jahr hat die Markttransparenzstelle in ihrem Jahresbericht zusammengefasst.

MDR

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Nachrichten | 01. Juni 2022 | 05:00 Uhr

89 Kommentare

ElBuffo vor 10 Wochen

Es werden seit Jahren Autos mit 0 Liter verkauft und auch genug, die ohne Schummelei mit unter 5 auskommen. Da wurde weder eine Diskussion abgewürgt noch irgendwas verhindert. Es gibt auf der anderen Seite eben auch Leute, die sich einen VW-Bus oder solche Dinge kaufen und damit an 200 Tagen im Jahr alleine zur Arbeit und zurückfahren. Da wird das deutlich schwieriger mit 4,5 Litern. Mit den kleinen Radpanzern sowieso. Aber dann über die Physik rumjammern.

ElBuffo vor 10 Wochen

Seinen Wohnort durfte doch jeder selber wählen. Und wer auf dem Lande Blumenerde kauft, tut dies ebenfalls aus freien Stücken. Wie haben wir das nur früher ohne Baumärkte und Gartencenter alles hinbekommen?

Basisdemokrat vor 10 Wochen

Also, allen hilflosen Faultieren und sonstigen Meckerern hier zum Trotz: Die Preise an der Tanke sind heute mit dem vorgegebenen Steuerrabatt gefallen, der ÖPNV ist trotz 9€-Ticket heute auch nicht zusammengebrochen, die Regierung hat Wort gehalten -- und dennoch wird immer vorauseilend gemeckert?! So wird das nichts mit diesem Land! Ist D wirklich ein Land solcher Jammerlappen geworden?! Meine Güte. Da tut die neue Regierung nun mal was, und es ist auch wieder nicht recht. Leute, so wird das nichts. Wandert doch am besten aus.

@Jan-Lausitz: Wählen Sie doch einfach mal in Russland neu. Wäre doch mal 'ne Maßnahme. Vielleicht geht dann sogar der Krieg zuende ...

Mehr aus Deutschland

Martin Bergner 3 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK