EU-Richtlinie Einwegplastik-Geschirr darf nicht mehr produziert werden

MDR-Wirtschaftsjournalist Ralf Geißler
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Ab dem 3. Juli dürfen in der EU keine Einwegprodukte aus Plastik mehr hergestellt werden. Das hatte die Europäische Union bereits 2018 beschlossen. Das Verbot gilt unter anderem für Strohhalme oder Geschirr aus Plastik sowie für To-go-Becher aus Styropor. Was bedeutet das für die Gastronomie?

Messer und Gabeln aus Plastik - stehen in einem Kunststoffbecher.
Strohhalme, Teller und Besteck aus Plastik dürfen in der EU ab sofort nicht mehr hergestellt werden. Bildrechte: dpa

Bei Hassan Lagzouli sind die Gabeln aus Holz, die Strohhalme aus Nudeln und das Essen verpackt er in beschichtete Pappe. Der gebürtige Marokkaner betreibt in Leipzig das Habibi Funk, ein Bistro mit Essen zum Mitnehmen. Auf Plastik hat Lagzouli von Anfang an verzichtet. Und das liegt an seiner Herkunft. Marokko, erzählt er, sei übersät gewesen mit Plastikmüll. "Ich komme ja von einer kleinen Stadt an der Atlantikküste. Und wir hatten das Problem im Sommer, als ich noch ein kleines Kind war, dass wir diese Natur nicht genießen konnten. Wir hatten das Problem in den Feldern – dieses Plastik, das mussten wir wegmachen. Sah halt nicht so schön aus."

Einwegplastik-Geschirr ab 3. Juli verboten

Seine deutschen Kollegen haben solche Erfahrungen zwar nicht gemacht, aber auch sie werden auf Einwegplastik verzichten müssen. Denn ab dem 3. Juli verbietet die EU die Herstellung entsprechende Teller, Schüsseln, Bestecke oder Strohhalme. Restbestände dürfen noch verbraucht werden. Doch schrittweise müssten alle Gastronomen umstellen, sagt Axel Klein, Geschäftsführer beim Dehoga-Verband Sachsen. "Gastronomen machen sich ja – wie jeder Unternehmer auch – Gedanken um die Zukunft. Und die können viele Schritte, die Richtung Nachhaltigkeit gehen, voll mit nachvollziehen. Aber es muss eben verhältnismäßig sein. Es muss wirtschaftlich darstellbar sein."

Alternativen zum Einwegplastik-Geschirr sind noch teurer

Tatsächlich sind die Plastik-Alternativen teurer. Eine Gabel aus Holz kostet dreimal so viel wie eine Gabel aus Plastik. Doch womöglich sinken die Preise, wenn die Alternativen zur Massenware werden. Daran arbeitet Tahsin Dag. Der Unternehmer hat im thüringischen Arnstadt eine Fabrik für umweltfreundliche Einwegverpackungen hochgezogen. Die "Papack-Gigafactory 1" produziert beschichtete Verpackungen aus Papierfasern. "Alles, worin ihr Nahrung transportiert, können wir ökologischer darstellen." Die Beschichtung einer Hamburger-Verpackung etwa sei zu 100 Prozent ökologisch, biologisch abbaubar. "Das heißt, sie kann ganz einfach durch Biologie im Kompost oder in der braunen Tonne abgebaut werden. Es sind keine fossilen Rohstoffe verwendet worden", sagt Dag.

Umweltbundesamt empfiehlt Mehrweg statt Einweg

Die Art der Beschichtung ist Dags Geheimrezept. Doch es bleibt eine Einwegverpackung. Und das findet Sonia Grimminger vom Umweltbundesamt in Dessau nicht optimal. "Wir wollen ja dahin kommen, dass wir weniger verbrauchen und dass wir weniger Abfälle haben. Und dafür bieten natürlich auch Pappprodukte und Papierprodukte, ob sie beschichtet sind oder nicht, keinen Vorteil. Weswegen da lieber doch auf wiederverwendbare Optionen umgestiegen werden sollte." Das Umweltbundesamt empfiehlt Mehrweg statt Einweg – auch beim Essen zum Mitnehmen.

Tatsächlich wird Mehrweg in immer mehr Restaurants angeboten, zum Beispiel im Dorfkrug Roda: Das Landlokal biete seit der Coronakrise Essen zum Mitnehmen in der Mehrwegschüssel an, erzählt Geschäftsführerin Ute Giebler: "Sie rufen hier an, suchen sich ihr Essen aus, was Sie gerne haben wollen. Und dann kommt die Frage: Wollen Sie es Einweg oder Mehrweg verpackt haben. Und wenn der Kunde sich für Mehrweg entscheidet, dann packen wir das in unsere Plasteboxen, die im Pfandsystem laufen. Man zahlt zehn Euro pro Teller oder Schüssel und erhält das Geld zurück, wenn man Teller und Deckel zurückbringt."

Mehr als 10.000 Mahlzeiten hat der Dorfkrug schon in Mehrwegschüsseln ausgegeben. Das Lokal auf dem Land gehört damit zu den Vorreitern in Sachsen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 02. Juli 2021 | 08:25 Uhr

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