Interview Lindner: Wohlstand durch weniger "Bürokratismus"

FPD-Parteichef und Spitzenkandidat Christian Lindner ist am Freitag auf Wahlkampftour in Sachsen gewesen, in Dresden und am frühen Abend in Leipzig, wo er sich auf dem Augustusplatz für ein Interview mit MDR AKTUELL live in die Sendung schalten ließ. Dabei sprach er sich vor allem für weniger "Bürokratismus" und eine Entlastung von Steuern und Abgaben aus.

Christian Lindner
FDP-Chef Lindner beim Interview auf dem Leipziger Augustusplatz Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

FDP-Parteichef Christian Lindner, Spitzenkandidat der Liberalen zur Bundestagswahl, hat bei MDR AKTUELL dafür geworben, durch gezielte Förderung des Mittelstands, Qualifikation und "weniger Bürokratismus mehr gut bezahlte Jobs" zu ermöglichen. Im Interview während seiner Wahlkampftour in Sachsen sagte Lindner in Leipzig, es sei der "größte Skandal", dass etwa allein erziehende Frauen in Hartz IV bei Minijobs rund 80 Prozent ihres Einkommens abgeben müssten. Das sei nicht gerecht und müsse sich ändern.

Lindner will mehr private Investitionen

Es brauche mehr private Investitionen, hieß es weiter, was durch Drehen an der Steuerschraube aber verhindert würde. Im Haushalt müsse dringend alles Überflüssige gekürzt werden, etwa die Subventionen für Elektroautos. Dieses Geld könne dann in Bildung, Klimaschutz und Digitalisierung investiert werden.

Zum Strukturwandel im Zuge des Kohleausstiegs etwa in der Lausitz erklärte Lindner, die richtigen Rahmenbedingungen könnten hier ermöglichen, "was in Stuttgart, Frankfurt oder Hamburg nicht mehr geht, weil es da so viel Bürokratie gibt". Es gebe hier die Chance für Neuansiedlungen von Unternehmen und hoch qualifizierte Fachkräfte – vor allem im Bereich Energie. Unter den richtigen Bedingungen könne echte Wertschöpfung mit guten Jobs entstehen.

Wirtschaft muss laufen, damit wir Wohlstand erwirtschaften und nicht nur verteilen.

FDP-Chef Lindner bei MDR AKTUELL

Zum Klimaschutz sagte Lindner unter anderem, auch ein alter VW Golf könne klimaneutral werden, durch zusätzlichen synthetischen Kraftstoff, aus Ländern importiert, wo er wirtschaftlich produziert werden könne: "Wir werden ein Energie-Importland bleiben,", sagte Lindner. Öl oder Kohle sollten aber ersetzt werden, etwa durch Wasserstoff und synthetische Kraftstoffe.

Lindner will Finanzminister werden

Der 42 Jahre alte Lindner würde nach der Bundestagswahl am liebsten Finanzminister werden, sollte die FDP in die nächste Regierung eintreten. Es wäre das erste Amt in einer Exekutive für den studierten Politikwissenschaftler. Er war zunächst als Unternehmer tätig, ab dem Jahr 2000 aber erst Landtagsabgeordneter in Nordrhein-Westfalen und dann Abgeordneter im Bundestag. Zugleich stieg er in der Partei auf, deren Vorsitzender er nun seit 2013 schon ist.

Bei der Bundestagswahl 2017 wurde die FDP mit 10,7 Prozent viertstärkste Kraft. Aktuell liegt sie in Umfragen um die elf Prozent und und könnte angesichts der zu erwartenden Mehrheitsverhältnisse am Ende zum Königsmacher werden – in einer "Ampel-Koalition" mit SPD und Grünen oder einem so genannten Jamaika-Bündnis mit der Union und den Grünen, das er nach der Wahl 2017 abgelehnt hatte.

Lindner will "Jahrzehnt der Steuersenkung"

Am Donnerstag, einen Tag vor dem Interview bei MDR AKTUELL, hatte Lindner in Berlin gesagt, er sehe "die meisten inhaltlichen Schnittmengen" mit CDU und CSU; und dass ihm die Fantasie fehle, welche Angebote SPD und Grüne seiner Partei überhaupt machen könnten, denn die FDP schließe höhere Steuern wie auch ein Aufweichen der Schuldenbremse ebenso aus wie Enteignungen und eine Politik, "die im Zentrum Verbote hat – also linke Politik".

Dem "Handelsblatt" vom Freitag sagte Lindner dann aber auch, im Fall einer Regierungsbeteiligung nicht alle Steuerpläne der Liberalen sofort umsetzen zu wollen. Es gehe jedoch um eine Trendwende, denn – so wurde Lindner zitiert: "Auf ein Jahrzehnt der Belastung bei Steuern, Abgaben und Bürokratismus sollte ein Jahrzehnt der Entlastung bei Steuern, Abgaben und Bürokratismus folgen."

MDR AKTUELL/dpa/AFP(ksc)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL FERNSEHEN | 17. September 2021 | 19:30 Uhr

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