Bundestagswahl 2021 Wie der Wahl-O-Mat funktioniert

MDR Aktuell-Redakteur Marvin Kalies
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Der neue Wahl-O-Mat ist online gegangen. Er soll den Wählerinnen und Wählern helfen, ihre Interessen mit den Programmen der Parteien abzugleichen, die zur Bundestagswahl antreten. Wie das genau funktioniert, erklärt Martin Hetterich von der Bundeszentrale für politische Bildung im Interview mit MDR AKTUELL. Der Wahl-O-Mat mit seinen 38 Fragen hilft laut Hetterich vielen Menschen, ihre Wahlentscheidung zu treffen. Bei der letzten Bundestagswahl sei die Seite millionenfach aufgerufen worden.

Pamela Brandt von der Bundeszentrale für politische Bildung steht mit ihrem Smartphone während der Vorstellung im Sächsischen Landtag vor einem Laptop und einem Werbebanner für den Wahl-O-Mat der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung. Mit dem Wahl-O-Mat können sich die Nutzer anhand von 38 Thesen zu unterschiedlichen Politikgebieten über die Positionen der zur Landtagswahl 2019 antretenden Parteien informieren.
Der Wahl-O-Mat wird für Bundestags- und Landtagswahlen aufbereitet. Bildrechte: dpa

MDR AKTUELL: Wie funktioniert der Wahl-O-Mat denn genau?

Martin Hetterich von der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb)
Martin Hetterich von der Bundeszentrale für politische Bildung. Bildrechte: © privat

Martin Hetterich: Der Wahl-O-Mat stellt seinen Nutzerinnen und Nutzern 38 Thesen zu politischen Themen vor, die im Bundestagswahlkampf und im Bundestag in den kommenden vier Jahren eine bestimmte Rolle spielen. Zu diesen Thesen kann man sich positionieren mit: 'Ich stimme zu', 'Ich stimme nicht zu' oder 'neutral' und bekommt dann am Ende, wenn man die Parteien ausgewählt hat, angezeigt, mit welchen Parteien man die meisten Übereinstimmungen hat und mit welchen eher nicht.

Warum braucht es denn überhaupt so ein Angebot?

Das Angebot braucht es, um auf die Wahl und die Themen der Wahl aufmerksam zu machen. Und um zu zeigen, dass eben die Parteien nicht gleich sind. Das ist ja ein immer wieder gehörtes Vorurteil, Parteien seien alle gleich und es sei nicht wichtig, zur Wahl zu gehen, es mache auch keinen Unterschied. Und da wollen wir eben dagegen vorgehen und sagen: 'Nein, das macht einen Unterschied, welche Partei man wählt und welche Partei später eben in Verantwortung ist und welche nicht, weil sich die Parteien unterscheiden'. Und die Unterschiede wollen wir eben aufzeigen.

Wie werden denn diese Unterschiede aufgezeigt?

Logo Wahl-O-Mat 2021
Logo des aktuellen Wahl-O-Maten zur Bundestagswahl 2021. Bildrechte: Bundeszentrale für politische Bildung (bpb)

Wir stellen den Parteien 38 Thesen, die dann im Wahl-O-Mat zur Abstimmung stehen. Und die Parteien müssen sich zu den Thesen positionieren, genauso wie die Nutzerinnen und Nutzer. Und am Ende des Wahl-O-Maten erfährt man, wie sich die Parteien positioniert haben und wie sie das begründen.

Was passiert denn jetzt genau, wenn sich eine Partei zu einer bestimmten Frage nicht positionieren möchte?

Das passiert nicht. Alle Parteien positionieren sich zu allen Thesen.

Aber es gibt ja die Möglichkeit, dass man als Privatperson neutral anklickt oder eine Frage überspringt. Können das die Parteien auch oder müssen sie immer für oder gegen eine These stimmen?

Als Nutzerinnen und Nutzer können Sie neben dem 'Ich stimme zu' und 'Ich stimme nicht zu' und 'neutral' eine These auch überspringen, das stimmt. […] Das können Parteien nicht machen. Die neutrale Position ist auch eine Position, die eben zwischen den beiden Extremen steht, wie vielleicht eine Zustimmung mit weitreichenden Einschränkungen oder man hat eine dritte Idee neben Zustimmung und Ablehnung. Das heißt, eine neutrale Positionierung ist auch eine Positionierung.

Aber führt denn diese neutrale Haltung nicht dazu, dass man eigentlich im Schnitt immer sehr gut abschneidet? Haben die Parteien nicht die meiste Übereinstimmung, wenn sie sagen "von allem so ein bisschen"?

Teilnehmer testen die aktuelle Version des Wahl-O-Mats der Bundeszentrale für politische Bildung in der Landespressekonferenz Brandenburg. Die rund zwei Millionen Wähler in Brandenburg können bis zur Landtagswahl Anfang September im Internet herausfinden, welche Partei am ehesten zu ihren Ansichten passt.
Teilnehmende testen den Wahl-O-Mat. (Archivbild) Bildrechte: dpa

Nein, wenn man neutral stimmt, als Partei und die Nutzerinnen und Nutzer positionieren sich aber eindeutig für oder gegen eine These, hat man ja im Schnitt nur 50 Prozent Übereinstimmungen. 50 Prozent Übereinstimmung ist keine, die bei einer normalen Parteienauswahl hoch im Ergebnis steht. Also mit einer ständigen neutralen Positionierung kann man sich als Partei kein hohes Ergebnis erschwindeln.

Wie wird denn diese Übereinstimmung genau ermittelt? Also wird nur gezählt, wie oft eine Partei die gleiche Antwort gibt?

Zum einen wird errechnet, wie hoch die Übereinstimmung ist. Das heißt, wenn eine Nutzerin bzw. ein Nutzer mit einer Partei bei einer These übereinstimmt, dann bekommt die Partei zwei Punkte. Wenn sich die Person neutral positioniert und die Partei zustimmt oder andersherum, dann gibt es einen Punkt und wenn sie genau entgegengesetzt stimmt, dann gibt es null Punkte.

Nutzerinnen und Nutzer können sich auch noch überlegen, welche Thesen ihnen besonders wichtig sind und diese Thesen dann doppelt in die Berechnung einfließen lassen. Aus dieser gesamten Punktzahl wird dann am Ende ein Prozentsatz errechnet, der dann im Wahl-O-Mat angezeigt wird.

Was macht man nun mit dem Ergebnis? Wird einem das Denken abgenommen oder sollte man mit dem Ergebnis dennoch kritisch umgehen?

Das Ergebnis ist für die meisten unserer Nutzerinnen und Nutzer, das wissen wir aus den Umfragen, ein Startpunkt, um sich mit dem Wahlkampf zu beschäftigen.

ein Bildschirm
Bei dem Wahl-O-Mat werden insgesamt 38 Thesen vorgestellt. Bildrechte: dpa

Wir haben Funktionen wie den Parteienvergleich, da kann man gucken: 'Okay, diese drei Parteien standen jetzt vielleicht besonders nah beim Ergebnis, wie ist das genau zustande gekommen? Wo haben die Parteien die identische Meinung? Oder wie kommen sie zu ihren Positionen?'

Man kann so viel tiefer in das Ergebnis eintauchen, in die Positionen der Parteien und man bekommt so einen sehr strukturierten Zugang. Und wir wissen, dass die Nutzerinnen und Nutzer nach dem Wahl-O-Mat sagen, dass sie sich besser informiert fühlen und wissen, welche Themen bei der Wahl relevant sind. […] Ganz viele nehmen das auch als Anstoß, um sich mit Freundinnen und Freunden und Arbeitskollegen über die Themen der Wahl zu unterhalten.

Wie oft wird denn der Wahl-O-Mat bei einer Bundestagswahl genutzt?

2017 bei der letzten Wahl hatten wir 15,7 Millionen Nutzungen vor der Wahl.

Werden es dieses Mal mehr sein?

Prognosen sind immer schwer. Wir haben natürlich die Hoffnung, […] dass diese Spannung im Wahlkampf sich vielleicht auch darin niederschlägt, dass die Menschen in Deutschland stärker nach den Themen und nach den Unterschieden der Parteien suchen. Und da ist der Wahl-O-Mat natürlich bereit und kann das leisten.

Und das kann also bedeuten, dass der Wahl-O-Mat dann eine bestimmte Relevanz bekommt und vielleicht noch mal wichtiger ist als vor vier Jahren.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL FERNSEHEN | 02. September 2021 | 19:30 Uhr

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