26. September 2021 Deutschland wählt: Ausgang offen wie lange nicht mehr

Mehr als 60 Millionen Deutsche sind am 26. September aufgerufen, einen neuen Bundestag zu wählen. Umfragen sagen einen knappen Ausgang voraus. Nur eines ist klar: Nach 16 Jahren endet die Ära von Angela Merkel.

Nachtaufnahme des Deutschen Bundestages (Aufnahme mit langer Verschlusszeit und bewegter Kamera).
Am Sonntag wird eine neue Besetzung des Bundestages gewählt. Bildrechte: IMAGO / photothek

Drei Wahlen auf einmal

Am 26. September wird der 20. Deutsche Bundestag gewählt. 60,4 Millionen Menschen sind aufgerufen, ihre Stimme abzugeben, unter ihnen 2,8 Millionen Erstwählerinnen und Erstwähler.

Parallel zur Bundestagswahl wählen außerdem die Bürgerinnen und Bürger in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin neue Parlamente. Die in Thüringen eigentlich vorgesehene Landtagswahl findet nicht statt.

47 Parteien bei der Bundestagswahl

Bei der Bundestagswahl treten 47 Parteien an. Ursprünglich hatte der Bundeswahlleiter sogar 54 Parteien und Wählervereinigungen zugelassen. Sieben Parteien stellten jedoch keine Direktkandidatinnen oder -kandidaten auf.

Vergleichen Sie hier die Wahlprogramme von CDU/CSU, SPD, AfD, FDP, Linke und Grüne:

Drei Kanzlerkandidaten

Mit Angela Merkel verzichtet erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik eine amtierende Regierungschefin freiwillig auf eine erneute Kandidatur. Unabhängig vom Wahlausgang wird Deutschland folglich von einer neuen Kanzlerin beziehungsweise einem neuen Kanzler regiert. Als Kanzlerkandidaten treten offiziell an: Armin Laschet für die CDU, Olaf Scholz für die SPD und Annalena Baerbock für die Grünen.

Olaf Scholz 5 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Spannender Wahlabend zu erwarten

Der Ausgang der Bundestagswahl gilt als so spannend wie lange nicht. In den Wahlumfragen war in den vergangenen Monaten ungewöhnlich viel Bewegung: Die Grünen sackten von Rekordwerten im Frühjahr ab; CDU und CSU verloren so viele Prozentpunkte wie noch nie; die Sozialdemokraten sehen sich genauso im Aufwind wie die FDP.

Sicher scheint, dass es für keine Partei zur absoluten Mehrheit reichen wird. Laut ARD-Deutschlandtrend von Anfang September wird wahrscheinlich sogar ein Dreierbündnis notwendig sein, um eine Mehrheit im Bundestag zu bilden.

Rechnerisch möglich sind eine Vielzahl an Kombinationen. Die Sozialdemokraten könnten den Umfragen zufolge womöglich ein Bündnis mit Grünen und FDP schmieden, also die sogenannte "Ampel-Koalition". Knapp reichen könnte es auch für eine Verbindung mit Grünen und Linken, also eine rot-grün-rote Koalition. Theoretisch wären auch SPD-geführte Koalitionen mit Union und FDP oder mit Union und Grünen denkbar. Gegen die SPD könnten zudem Union, Grüne und FDP eventuell ein sogenanntes "Jamaika"-Bündnis eingehen.

Mehrheitsbeschaffer FDP

Die rechnerischen Koalitionsmöglichkeiten verdeutlichen die wichtige Position der FDP. Die Liberalen würden in mehreren Bündnissen als Mehrheitsbeschaffer gebraucht. Parteichef Christian Lindner hat seinen Machtanspruch bereits deutlich gemacht: Er erklärte wiederholt, er wolle an die Macht und Teil der nächsten Bundesregierung sein. Mit einem starken Wahlergebnis hätten die Liberalen eine gute Verhandlungsposition, um viele ihrer Projekte in einem Koalitionsvertrag unterzubringen.

Diskussion um Rot-Grün-Rot

In einem rot-grün-roten Bündnis könnte andererseits die Linke zu einem Königsmacher werden. Die mögliche Regierungsbeteiligung der Partei war eines der Themen des Wahlkampfs. SPD-Kandidat Olaf Scholz schloss ein linkes Bündnis nicht aus – was von der Union heftig kritisiert wurde. Scholz stellte allerdings mehrere Bedingungen, die die Linkspartei um ihre Spitzenkandidaten Janine Wissler und Dietmar Bartsch erst einmal erfüllen müsste.

Parteien schließen Bündnis mit AfD aus

Keine Rolle bei der Regierungsbildung dürfte die AfD spielen. Gute Umfragewerte in Ostdeutschland, etwa in Sachsen, reichten jüngst nicht, um die Partei in den Vorhersagen über das Ergebnis von vor vier Jahren zu heben. Überdies schlossen alle anderen Parteien ein Bündnis mit der AfD und ihren Spitzenkandidaten Alice Weidel und Tino Chrupalla aus.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 26. September 2021 | 06:00 Uhr

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