Drittes TV-Triell Rot-Grün gegen Union

Eine Woche vor der Bundestagswahl haben sich die drei Kanzlerkandidaten von Union, SPD und Grünen ihrem letzten großen Schlagabtausch im Fernsehen gestellt. Armin Laschet, Olaf Scholz und Annalena Baerbock diskutierten im Triell unter anderem über den Mindestlohn, soziale Gerechtigkeit, Klimaschutz oder die Frage nach möglichen Koalitionen nach der Bundestagswahl. Dabei wurden bereits Koalitionswünsche deutlich.

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Das letzte Triell der Kanzlerkandidaten vor der Bundestagswahl Bildrechte: dpa

Eine Woche vor der Bundestagswahl haben am Sonntagabend die Kanzlerkandidaten Armin Laschet (CDU/CSU), Olaf Scholz (SPD) und Annalena Baerbock (Grüne) unter anderem über die Themen Mindestlohn, soziale Gerechtigkeit, Klimaschutz und die Frage nach möglichen Koalitionen nach der Bundestagswahl diskutiert. Das Triell wurde von Sat1, ProSieben und Kabel 1 übertragen.

Scholz und Baerbock für höheren Mindestlohn

SPD-Kandidat Scholz und die Grünen-Kandidatin Baerbock verlangten übereinstimmend eine Anhebung des gesetzlichen Mindestlohns auf zwölf Euro. Es seien zehn Millionen Bürgerinnen und Bürger, die davon profitieren würden, sagte Scholz und sprach von einer "notwendigen und richtigen Reform".

Unions-Kandidat Armin Laschet sagte zwar, Menschen mit niedrigsten Einkommen müssten besser gestellt werden. Eine Anhebung des Mindestlohns durch die Politik lehnte er jedoch ab. Dies sei Aufgabe der Tarifparteien.

Streit um Reform des Sozialsystems

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Die Kanzlerkandidaten von SPD, Union und Grünen treten zum letzten Triell vor der Wahl an Bildrechte: dpa

Scholz und Baerbock sprachen sich auch für einen Umbau des Sozialsystems aus. Scholz sagte, die Regelsätze müssten großzügiger bemessen werden. Außerdem müssten die Leistungen für Wohnungen und das Kindergeld steigen. Die Grünen-Kandidatin Baerbock erklärte, jeder dritte Empfänger sei ein Kind im Hartz-IV-System. Die Sätze müssten um 50 Euro erhöht werden.

Widerspruch kam von Unionskandidat Laschet. Hartz IV sei kein Beruf. Das größte Problem von Armut sei, wenn Eltern keine Arbeit hätten. Deshalb müsse alles dafür getan werden, damit Menschen in Arbeit kämen.

Kontroverse um Steuerpolitik

Auch beim Thema Steuern lieferten sich die drei Kandidaten eine Kontroverse. Laschet lehnte Steuererhöhungen erneut ab, da diese seiner Meinung nach die Wirtschaft ausbremsen würden. Scholz und Baerbock sprachen sich hingegen für Steuererhöhungen für Besserverdienende aus. Dies sei zur Finanzierung kleinerer Einkommen nötig, sagte Scholz.

Baerbock fordert Klimaregierung

Die Grünen-Kandidatin warf den beiden derzeitigen Regierungsparteien Versäumnisse in der Klimapolitik vor. Die Klimamaßnahmen, die vorlägen, reichten nicht. "Das heißt für mich: Die nächste Bundesregierung muss eine Klimaregierung sein."

Auch Laschet sprach sich für mehr Klimaschutz aus. Regenerative Energien müssten ausgebaut werden, hierfür brauche es eine gemeinsame europäischen Kooperation. Zugleich warnte er vor Verboten - es gehe darum, Innovationen zu schaffen.

Auch Scholz sprach sich für die Förderung erneuerbarer Energien aus. Um klimaneutral zu werden, müssten leistungsfähige Netze ausgebaut werden. Der Union hielt er vor, den für den Transport von Wind- und Solarenergie nötigen Ausbau der Stromnetze in Deutschland gebremst zu haben.

SPD und Grüne wünschen Union in Opposition

Scholz und Baerbock betonten abschließend, gemeinsam eine Regierung bilden zu wollen. Sie hoben die Gemeinsamkeiten zwischen ihren Parteien hervor und attackierten die Union, während Unions-Bewerber Laschet vor einem Bündnis von SPD, Grünen und Linkspartei warnte.

Scholz in Umfrage der Sieger

Einer Blitzumfrage zufolge ging Scholz aus dem letzten TV-Dreikampf der Kanzlerkandidatinnen und -kandidaten als Sieger hervor. In einer am Sonntagabend nach dem TV-Triell von Sat1 veröffentlichten Forsa-Blitzumfrage gaben 42 Prozent der Befragten an, dass Scholz die 90-minütige Diskussion gewonnen habe. 27 Prozent sahen Unions-Kandidat Laschet vorne, 25 Prozent die Grünen-Bewerberin Baerbock.

Das zweite Triell

Bei ihrem zweiten TV-Treffen am 12. September, das von ARD und ZDF übertragen wurde. hatten sich Olaf Scholz, Annalena Baerbock und Armin Laschet einen teils heftigen Schlagabtausch geliefert. Einig waren sie sich in einer Sache: Sie baten die Zuschauer, sich impfen zu lassen.

Das erste Triell

Erstmals vor einer Bundestagswahl hatten sich am 29. August die drei Kanzlerkandidaten von Union, SPD und Grünen eine TV-Debatte geliefert. Das Triell war von RTL und n-tv übertragen worden. Dabei schlossen Laschet, Scholz und Baerbock einen neuen Corona-Lockdown aus. Alle drei betonten jedoch, die Impfquoten weiter zu erhöhen. Streitpunkte gab es bei den Themen Klima und Steuern.

Quellen: AFP, dpa (isc)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 19. September 2021 | 22:30 Uhr

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