Weltrecyclingtag Deutschland exportiert sein Müllproblem

Deutschland bleibt nach wie vor der größte Exporteur von Plastikabfällen in der EU – auch wenn die Mengen seit einigen Jahren zurückgehen. Entwicklungsländer in Südostasien, aber auch Polen und die Türkei nehmen den deutschen Müll ab – doch nicht alles davon wird ordnungsgemäß recycelt.

Müll aus der Ostsee sortiert der Umweltverband Naturschutzbund Deutschland am 21.10.2014 auf dem Gelände des Meeresmuseum Stralsund (Mecklenburg-Vorpommern)
Der in Deutschland anfallende Plastikmüll wird nicht komplett hierzulande recycelt - ein Teil wird zur Weiterverwertung in andere Länder exportiert. Bildrechte: dpa

Deutschland hat 2020 mehr als eine Million Tonnen Kunststoffabfälle in andere Länder gebracht. Laut dem Statistischen Bundesamt rangiert unter den "Abnehmern" Malaysia auf Platz 1 – dort landeten 17 Prozent der deutschen Plastikmüllexporte. Auf Platz zwei kamen die Niederlande – wobei man annimmt, dass ein Großteil der deutschen Abfälle über die dortigen Häfen die Weiterreise nach Übersee antritt. Auf Platz 3 kommt die Türkei, wo sich die Menge des eingeführten Plastikmülls aus Deutschland in den vergangenen vier Jahren versiebenfacht hat. Auf Platz 4 kommt Polen, wo brennende Deponien mit deutschem Müll in den vergangenen Jahren mehrmals für Schlagzeilen sorgten.

Nur ein Teil der Plastikmüll-Exporte wird recycelt

Die global stark vernetzte Abfallwirtschaft ist unter Druck, seit China 2018 einen Importstopp für unsortierten Plastikabfall verhängt hat. Bis dahin war die Volksrepublik wichtigster Abnehmer für deutschen Plastikmüll. Seitdem wird er nach Südostasien, darunter Malaysia, umgeleitet.

Doch das ist ein ernsthaftes Umweltproblem, denn in den Abnehmerländern wird ein Großteil dieser Abfälle nur vorgeblich recycelt und landet in Wahrheit auf schlecht gesicherten Deponien. Von dort gelangen Plastik und Schadstoffe in den Boden und ins Grundwasser. Oft werden die Plastikabfälle zudem illegal oder mit nur niedrigen Umweltstandards verbrannt, wobei hochgiftige Schadstoffe entstehen. Ein weiteres Problem sind kleinste Teile von Mikroplastik in den Weltmeeren.

Forschungsschiff Sonne 4 min
Bildrechte: UFZ

Seit 2021: Exportverbot für unsortierten Plastikmüll

Die EU versucht deshalb gegenzusteuern. Seit dem 1. Januar 2021 gelten verschärfte Regeln für den Export von Kunststoffabfällen aus der Europäischen Union. Unsortierte oder verschmutzte Plastikgemische, die sich nicht einfach recyceln lassen, dürfen nicht mehr international gehandelt werden. Gerade bei diesen Abfällen ist das Risiko besonders groß, dass sie in den Abnehmerländern illegal und unsachgemäß entsorgt werden. Nur saubere, gut sortierte und leicht recycelbare Kunststoffabfälle dürfen noch gehandelt werden. Sie sind nämlich ein wertvoller Rohstoff.

Eine weitere positive Nachricht: Die deutschen Plastikmüllexporte gehen von Jahr zu Jahr zurück. 2020 hat sich ihre Menge gegenüber dem Vorjahr um acht Prozent verringert. Im Vergleich zu 2010 war sie sogar um 33 Prozent niedriger.

Quelle: MDR/AFP

Mehr zum Thema

Mehr aus Deutschland