Welttag des Wassers Grundwasserspeicher in Mitteldeutschland brauchen weiterhin viel Regen

Seit Jahren sinken die Grundwasserstände in Deutschland, auch in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Es gibt regionale Unterschiede: Im Norden Sachsen-Anhalts und Sachsens ist es trockener als in Thüringen. Da dieser Winter aber sehr regenreich war, erholen sich die Wasserspeicher langsam. Für eine dauerhafte Stabilisierung bräuchte es aber mehrere Monate Regen.

Der Fluss Apfelstädt im Januar 2022
Dei Grundwasserspeicher in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sind nachgefüllt aber noch lange nicht wieder voll. Dafür bräuchte es mehrere Monate Regen. Bildrechte: MDR/Loréne Gensel

  • Sachsens Flüsse führen aktuell weniger Wasser als in vergangenen Jahren.
  • Auch in Sachsen-Anhalt haben sich die Grundwasserspeicher noch nicht wieder vollständig erholt.
  • In Thüringen gibt es weniger Dürren als in den beiden Nachbarbundesländern.

Am Dienstag ist Welttag des Wassers. Seit 30 Jahren rufen die Vereinten Nationen diesen Tag aus, um auf das Wasser als Ressource allen Lebens aufmerksam zu machen. 2022 steht er unter dem Motto "Unser Grundwasser: der unsichtbare Schatz".

Durch Hitze und Dürre ist dieser Schatz in den vergangenen Jahren geschrumpft. Der zurückliegende Winter hat mit viel Regen die Grundwasserspeicher in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen wieder etwas gefüllt. Vor allem die Grundwasserkörper, die nah an der Oberfläche sind, hätten sich dadurch gut erholt, sagt Andreas Marx, Leiter des Deutschen Dürremonitors und des Mitteldeutschen Klimabüros am Helmholtz Zentrum für Umweltforschung (UFZ). Bei Grundwasserspeichern hingegen, die tiefer in der Erde liegen, in 15 bis 20 Metern Tiefe, werde die Erholung erst zeitverzögert einsetzen. Hier könne es Monate oder Jahre dauern, bis der Regen die Speicher erreicht.

Nicht nur je nach Tiefe der Grundwasserspeicher, sondern auch je nach Region gibt es Unterschiede. So war der zurückliegende Winter laut Marx in Sachsen und Thüringen sehr feucht, in Thüringen sogar zu nass. In Sachsen-Anhalt hingegen sei es nördlich von Halle zu trocken gewesen.

50 Prozent weniger Wasser in Sachsens Füssen

Dem Landesamt für Umwelt und Geologie führen die Flüsse in Sachsen aktuell im Schnitt 50 Prozent weniger Wasser als sonst zu dieser Zeit üblich. An einigen Stellen würde sogar schon Niedrigwasser gemessen. Daten zeigen, dass ein paar nasse Monate nicht ausreichen, um den fehlenden Niederschlag der trockenen Vorjahre auszugleichen. Auch im März seien bisher nur etwa 15 Prozent der üblichen Regenmenge gefallen.

Dass die Wasserpegel der Flüsse bei fehlendem Niederschlag so schnell sinken, liege auch am niedrigen Grundwasserstand, erklärt Petra Walther vom Landesamt für Umwelt und Geologie: "In die Flüsse fließt vom Grundwasser immer noch etwas dazu. Aber wenn der Grundwasserstand zu niedrig ist, dann kann eben auch nichts dazu kommen." Die kostbare Ressource tief unter der Erde könne knapp werden, sagt Sachsens Umweltminister Wolfram Günther (Grüne).

Leider können wir in Sachsen nicht mehr davon ausgehen, dass Grundwasser flächendeckend jederzeit zur Verfügung steht. Drei Dürrejahre in Folge haben in Sachsen zu einer historischen Grundwasserdürre geführt.

Wolfram Günther, Grüne Sächsischer Umweltminister

Wasserspeicher in Sachsen-Anhalt noch nicht erholt

Sachsen-Anhalts Umwelminister Armin Willingmann (SPD) sagt: "Wasser ist unser kostbarstes Lebensmittel." Grundwasser sei für den Menschen unverzichtbar. Laut Umweltministerium Sachsen-Anhalt sind die Grundwasserstände in den vergangenen Jahren in vielen Regionen des Bundeslands drastisch gesunken und haben sich teilweise bis heute nicht vollständig erholt. Umso wichtiger sei es, das Grundwasser zu schützen, zum Beispiel vor Verschmutzung durch Nitrat oder andere Stoffe aus Landwirtschaft und Industrie.

Gerade die Dürrejahre 2018 bis 2020 haben uns deutlich vor Augen geführt, dass das kühle Nass auch bei uns in Mitteleuropa keine unendlich verfügbare Ressource ist. Der Klimawandel wird dafür sorgen, dass sich derartige Trockenperioden häufen.

Armin Willingmann, SPD Sachsen-Anhalts Umweltminister

Wenig Dürren in Thüringen

Während der Dürremonitor für den Norden Sachsen-Anhalts und das nördliche Sachsen für die vergangenen zwei Wochen zum Teil extreme oder außergewöhnliche Dürre anzeigt, ist die Situation in Thüringen etwas besser: Lediglich im Norden des Freistaates war es in den vergagenen zwei Wochen ungewöhnlich trocken, mancherorts wurde eine moderate oder schwere Dürre gemeldet. Im restlichen Thüringen ist der Boden gut mit Wasser versorgt.

Auch die sogenannte "klimatische Wasserbilanz" des Thüringer Landesamtes für Umwelt, Bergbau und Naturschutz zeigt, dass es im Freistaat in den vergangenen Jahren mehr regnet, als Wasser über Pflanzen, Boden und Gewässer verdunstet. Hierbei seien allerdings regionale Unterschied erkennbar.

Trendwende bei Grundwasservorräten erkennbar

In der langfristigen Entwicklung der Grundwasserspeicher lässt sich laut UFZ eine Trendwende erkennen. Seit dem Hochwasser im Jahr 2013 sind die Grundwasserstände gesunken, sagt Marx. Im Dürrejahr 2018 habe sich das nochmals beschleunigt. Bis 2020 habe es dann die stärksten Rückgänge in den Grundwasserständen gegeben, vor allem dort, wo die Speicher relativ nah an der Oberfläche liegen.

Das Jahr 2021 habe ohne extreme Hitzewelle und mit leicht überdurchschnittlichen Niederschlägen dann wieder zu einem Anstieg der Grundwasserstände geführt. Für eine Stabilisierung der Lage müsse 2022 aber ein nasses Jahr mit überdurchschnittlich viel Regen werden, sagte Marx. "Leichter Niederschlag bei nicht gefrorenem Boden und fünf bis sechs Grad ist für das Grundwasser in den nächsten zwei, drei Monaten wünschenswert."

Ein Trinkwasserschutzgebietschild mit Büschen. 2 min
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MDR FERNSEHEN Do 03.02.2022 11:15Uhr 02:17 min

https://www.mdr.de/wissen/umwelt/audio-marx-entwicklung-grundwasserspeicher100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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Großteil des Trinkwassers kommt aus Grundwasser

Laut Statistischem Bundesamt verbraucht jeder Mensch in Deutschland im Schnitt täglich 128 Liter Wasser. Die größte Rolle für die Wasserversorgung spielt demnach das Grundwasser. Deshalb ist es wichtig, dass dieses sich erholt.

Im Jahr 2019 haben die öffentlichen Wasserversorgungsunternehmen laut Statistik 3,3 Milliarden Kubikmeter Wasser aus dem Grundwasser entnommen. Das entsprach einem Anteil von gut 62 Prozent. Aus Uferfiltrat und angereichertem Grundwasser stammten demnach 16 Prozent des Trinkwassers, aus Fluss-, Seen- und Talsperrenwasser knapp 14 Prozent und acht Prozent sind Quellwasser.

dpa, MDR (Fabienne von der Eltz)

Dieses Thema im Programm: SACHSEN-ANHALT HEUTE | 22. März 2022 | 19:00 Uhr

4 Kommentare

Steffen 1978 vor 21 Wochen

Gräben kleinere Teiche wieder Instandsetzen und Probleme wie Überflutungen bei Starkregen wären auch gelöst aber wie immer das Geld wird halt falsch verteilt

geradeaus vor 21 Wochen

Ist es bestätigt das Intel die Elbe als Wasserlieferant nutzen will ?

geradeaus vor 21 Wochen

So einfach wird es nicht sein oder ? Jedoch wäre das natürlich beinahe die Lösung. Bei Starkregen das Wasser so gut es geht speichern zu können.

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