Corona-Krise Immer mehr junge Menschen arbeitslos

Trotz Corona-Krise steigt die Zahl der Arbeitslosen nur leicht. Im Februar waren in Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt 304.000 Menschen als arbeitssuchend gemeldet. Das sind etwa 14 Prozent mehr als vor einem Jahr. Es gibt allerdings eine Gruppe, bei der fallen die Zuwächse um einiges deutlicher aus. Und das ist die Gruppe der jungen Menschen bis 25 Jahre. Warum ist das so? Frisst Corona die Jobs der Jugend?

Eine Kündigung für Arbeitsplatz oder Abonnement in deutscher Sprache
Gerade am Berufsanfang ist das Risiko, arbeitslos zu werden, hoch. Bildrechte: imago images / INSADCO

"Ich wurde nach fünf Jahren in meinem Betrieb leider Gottes wegen Corona gekündigt. Ende Januar. Ich habe drei Jahre in meinem Betrieb gelernt und zwei Jahre war ich fertig ausgelernt", erzählt Sandy, eine junge Leipziger Friseurin. Auch Kolleginnen mussten gehen. Es sind vor allem die Jungen, die im zweiten Jahr der Corona-Krise entlassen werden.

In Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt waren im Februar reichlich 26.000 aller Unter-25-Jährigen arbeitslos gemeldet. Das sind 17,6 Prozent mehr als vor einem Jahr. Besonders deutlich war der Anstieg in Sachsen mit fast 23 Prozent.

Berufseinsteiger ohnehin im Nachteil

Der Leiter der sächsischen Arbeitsagentur Klaus-Peter Hansen betrachtet die Entwicklung mit Sorge: "Wenn sie ins Erwerbsleben einsteigen, haben sie ja immer einen Berufsanfänger-Nachteil. Kündigungsschutzregelungen in Deutschland sind sehr stark beeinflusst von der Dauer der Betriebszugehörigkeit. Und da sind junge Leute, die am Berufsanfang stehen, per se im Nachteil. Und das schlägt jetzt durch, bei dem Risiko arbeitslos zu werden."

DGB Sachsen sieht Unternehmen in der Pflicht

Hinzu kommt: Azubis werden seltener übernommen, Hochschulabsolventen finden schwieriger den Einstieg. Gerade in Branchen mit viel Kurzarbeit liegen Neueinstellungen derzeit auf Eis. Markus Schlimbach, Chef vom Deutschen Gewerkschaftsbund Sachsen, sieht vor allem die Unternehmer in der Pflicht, damit die Jugendarbeitslosigkeit nicht weiter steigt. Nach seinen Worten gibt es einen Fachkräftemangel, der über Jahre hinweg propagiert worden sei. "Und die Unternehmen haben gejammert. Jetzt, wo viele junge Leute, zu viele junge Leute arbeitslos geworden sind, können wir da nicht zugucken und abwarten, bis irgendwann die Krise vorbei ist. Sondern wir müssen da jetzt schnellstens handeln und jungen Leuten eine Perspektive geben."

Drückt sich also die Wirtschaft vor ihrer Verantwortung? Leipzigs Präsident der Industrie- und Handelskammer, Kristian Kirpal, weist das zurück: "Die Unternehmen drücken sich auf keinen Fall. Wir werden in Zukunft auch wieder Fachkräftemangel haben. Wenn wir eine stabile konjunkturelle Erholung vorweisen können, werden wir auch wieder junge Leute einstellen." Und insbesondere jetzt in der Krisenzeit setzten die Unternehmen auch weiterhin stabil auf die Ausbildung. Hier sei es zu keinem Einbruch gekommen", sagt Kirpal

Lage in anderen Ländern noch schlimmer

Tatsächlich ist die Lage im Vergleich zu anderen Ländern noch nicht dramatisch. In Spanien suchen fast 41 Prozent aller jungen Leute einen Job. Deutschland hat mit reichlich sechs Prozent noch immer die niedrigste Jugendarbeitslosenquote in der EU.

Ein Aufbegehren der Jugend ist nicht zu vernehmen. Sandy aus Leipzig sieht es so: "Natürlich war es erst einmal ein Schock gewesen, wo es dann auf einmal hieß, dass ich leider gekündigt werden muss. Aber im Nachhinein habe ich es auch verstanden. Ich war zwei Jahre erst frisch ausgelernt und habe noch nicht die Stammkundschaft wie eine Kollegin, die 10 oder 15 Jahre dabei ist."

Die junge Friseurin hofft, woanders eine Stelle zu finden. Es ist noch kein Jahr her, da haben Firmen um junge Leute gebuhlt. Ob das wiederkommt? Vermutlich erst, wenn die Corona-Krise vorbei ist.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 16. März 2021 | 07:09 Uhr

11 Kommentare

Leachim-21 vor 27 Wochen

wenn wie in diesen Artikel beschrieben wird viele jungendliche Arbeitslos sind , Frage ich mich wie das zur angeblichen Aussage der Bosse passt das Arbeitskräfte fehlen.

kleinerfrontkaempfer vor 27 Wochen

Befristete Arbeitsverträge sind das Grundübel, aber halt rechtens.
Mit so einem Konstrukt ist die Berechenbarkeit und Planbarkeit des Berufslebens für Berufseinsteiger sehr schwer.
War aber schon vor der Seuche so.

Gerd Mueller vor 27 Wochen

Arbeitgeber sind der festen Meinung, dass die Entscheidung, ob mobiles Arbeiten in einem Unternehmen möglich ist, Arbeitgeberentscheidung ist. Nur der kann es entscheiden und nicht die Politik.

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