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Bei Pausen während der Arbeitszeit gibt es verschiedene Regelungen. Bildrechte: imago images/Westend61

Hörer machen ProgrammAb wann ist eine Pause während der Arbeitszeit zu lang?

von Jan Kröger, MDR AKTUELL

Stand: 10. März 2022, 05:00 Uhr

Im Arbeitsalltag sind Pausen gesetzlich festgeschrieben. In manchen Bereichen entscheidet der Arbeitgeber individuell. Ein Hörer aus Wittenberg fragt sich, ob der eigene Chef dem Arbeitnehmer eine Stunde der Arbeitszeit abziehen darf, wenn dieser nicht am Arbeitsplatz angetroffen wurde, weil er gerade auf der Toilette ist oder eine Raucherpause einlegt. Experten klären auf.

Pausen seien Pausen, egal wofür sie genutzt würden. Aber eine Stunde Arbeitszeit pauschal abziehen – das gehe nicht. So bringt es Tjark Menssen auf den Punkt. Er ist Anwalt beim Rechtsschutz des Deutschen Gewerkschaftsbunds. Selbst wenn ein Arbeitgeber den begründeten Verdacht hat, jemand würde seine Zeit wortwörtlich auf dem Klo absitzen: Der Nachweis dürfte schwierig werden. "Es ist zwar so, dass eine Toilettenpause auch eine Pause und damit keine Arbeitszeit im arbeitsrechtlichen Sinne ist. Aber ein Arbeitgeber müsste tatsächlich sich neben die Toilettentür stellen und jede Pause jedes einzelnen Arbeitnehmers aufzeichnen."

Konkreter Verdacht auf Arbeitsverweigerung muss bestehen

Entsprechend selten befassen sich deutsche Gerichte damit. Das letzte bekannte Urteil stammt von 2010. Damals klagte ein ehemaliger Mitarbeiter einer Anwaltskanzlei. Er hatte wegen angeblich zu langer Toilettenaufenthalte einen Teil seines Gehalts nicht bekommen. Das Arbeitsgericht Köln gab ihm Recht. Menssen sagt dazu: "Das hat es deswegen gemacht, weil der Arbeitgeber "nur" über zwei Wochen die täglichen Toilettenzeiten eines Arbeitnehmers kontrolliert hat und dann hochgerechnet hat auf den Monat. Das hat das Arbeitsgericht als "unsubstantiiert" bezeichnet."

Das Überwachen des Mitarbeiters an sich war hier also nicht das Problem. Bei einem konkreten Verdacht auf Arbeitsverweigerung darf die Geschäftsleitung das tun. Nicht erlaubt ist es dagegen, bei allen Mitarbeitern zu erfassen, wie viel Zeit sie auf dem Klo verbringen.

Andere Regelung bei Raucherpausen

Bei der Raucherpause sei es anders. Während jeder Mensch regelmäßig zur Toilette muss, gebe es keinen rechtlichen Anspruch aufs Rauchen, sagt die Arbeitsrechtsanwältin Christina Gehrig. "Raucherpausen sind keine Arbeitszeit. Es existiert hierzu kein Gesetz und der Arbeitgeber entscheidet immer selber, ob er Raucherpausen während der Arbeitszeit gestattet oder eben nicht. Und wenn er Raucherpausen zulässt, dann aus reiner Kulanz. Er kann sie aber auch im Betrieb pauschal verbieten."

Wozu es in der Praxis nur selten kommt. In den meisten Betrieben heißt es: Wer rauchen will, muss vor die Tür gehen. Und da sei es auch in Ordnung, wenn der Arbeitgeber erfasst, wie lange das dauert – so Tjark Menssen vom Rechtsschutz des DGB. "In vielen Betrieben gibt es Regelungen, dass Raucher bei der Arbeitszeitkontrolle ihre Arbeitszeit ausstechen und erst wieder einstechen, wenn die Raucherpause beendet ist."

Für die Frage unseres Hörers heißt das: Die Firma darf nur dann eine Stunde Arbeitszeit abziehen, wenn der Arbeitnehmer wirklich eine ganze Stunde mit Rauchen verbracht hat.

Dieses Thema im Programm:MDR AKTUELL RADIO | 10. März 2022 | 06:23 Uhr