Lehre Bis zu 16 Prozent der Ausbildungsstellen in Mitteldeutschland unbesetzt

Carolin Fröhlich
Bildrechte: MDR/Isabel Theis

Laut einer Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft blieben im letzten Jahr 63.000 Ausbildungsstellen unbesetzt. Das sind 12 Prozent des Ausbildungsangebotes. Auch in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen blieben viele Stellen offen. Für kleinere Betriebe kann das zu einem großen Problem werden.

Ein Mann gibt Fliesenkleber auf eine Kelle
Vor allem bei Beton- und Stahlbauern fehlt es an Auszubildenden. Bildrechte: dpa

Im September beginnt das Ausbildungsjahr. In Sachsen sind aber derzeit gerade einmal ein Drittel aller Ausbildungsstellen vergeben, die bei der Arbeitsagentur gemeldet wurden.

Bis zum Sommer werden nicht alle Stellen besetzt werden können, weiß Frank Vollgold von der Regionaldirektion Sachsen der Bundesagentur für Arbeit aus Erfahrung: "Wir haben im vergangenen Ausbildungsjahr knapp 20.000 Ausbildungsstellen gemeldet bekommen und bis September waren über 2.700 noch unbesetzt. Das heißt: 13 Prozent blieben unbesetzt und das ist sozusagen jede achte Ausbildungsstelle, die uns gemeldet wurde."

In Sachsen-Anhalt blieben im letzten Jahr rund 12 Prozent aller Stellen frei, in Thüringen sogar fast 16 Prozent. Ein Grund dafür ist der demografische Wandel. So wurden etwa in Sachsen seit über 10 Jahren mehr Lehrstellen bei der Arbeitsagentur gemeldet, als sich überhaupt junge Menschen als Bewerber bei der Berufsberatung registriert haben.

Fehlende Fachkräfte in den Betrieben

Frank Vollgold sieht drei weitere wichtige Gründe: "Junge Menschen sind einfach nicht so mobil und durch die räumliche Entfernung ist es nicht möglich, eine passende Ausbildungsstelle gut zu besetzen. Auf der anderen Seite ist es auch nicht selten, dass die jungen Menschen einen anderen Wunschberuf haben, als freie Stellen angeboten werden und der dritte Punkt sind die schulischen Leistungen."

Welche Stellen besonders oft unbesetzt bleiben, ist von Region zu Region anders ausgeprägt. Bundesweit sind es aber vor allem Ausbildungen im Verkauf von Fleisch- und Backwaren, als Klempner, in der Gastronomie oder bei Beton- und Stahlbauern.

Das sei vor allem für kleinere Betriebe ein riesiges Problem, sagt Thomas Hofmann, Hauptgeschäftsführer der IHK Leipzig: "Die Unternehmen sichern zum großen Teil ihre Fachkräfte über die Ausbildung, über diese Lehrstellen und wenn die Fachkräfte ausbleiben, können viele Aufträge nicht angenommen werden, bis hin dazu, dass die Firma dann selber Schwierigkeiten bekommt."

Verbesserung der Ausbildungsqualität

Vincent Drews, Abteilungsleiter Jugend beim Deutsche Gewerkschaftsbund Sachsen, sieht aber auch die Arbeitgeber in der Pflicht. Sie müssten die Ausbildung attraktiver machen. Dazu gehöre eine Ausbildungsvergütung oberhalb der gesetzlichen Vorgaben und gute Ausbilder. Drews weiter: "Dazu gehört auch, dass die Lernmittel vom Betrieb gestellt werden oder dass es eine Freistellung dafür gibt, wenn man am nächsten Tag eine Prüfung in der Berufsschule zu schreiben hat."

Laut IHK und Arbeitsagentur bieten viele Betriebe bereits jetzt neben der Ausbildung extra Lehrgänge, Zuschüsse zum Führerschein oder kostenlose Freizeitangebote an. Sie haben sich darauf eingestellt, auf Berufsmessen, Kennenlern-Tagen und in sozialen Netzwerken um ihre Bewerber zu werben.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 28. April 2022 | 06:00 Uhr

2 Kommentare

Kritische vor 8 Wochen

Erstmal haben wir die freie Wahl des Ausbildungsweges. Etwas, was wir in der DDR schmerzlich vermisst haben. Man kann niemanden zwingen, eine Ausbildung zu machen. Dass so viele Studenten abbrechen, hat weniger mit den fehlenden Fähigkeiten der jungen Leute zu tun, als mit dem Studienbetrieb an sich, volle Unis, Massenabfertigung etc. So gehen viele unterwegs verloren. Die Berufsberatung an sich muss besser werden, die findet ja nicht wirklich zeitgemäß statt. Die meisten Berufe kennen die jungen Leute (und Eltern) gar nicht, ein Großteil bewirbt sich auf die 3 bis 4 gleichen Profile, Bürokauffrau und Mechatroniker.... Jungs wollen was mit Autos machen und Mädchen wollen ins Büro. Was es sonst noch für Perspektiven gibt, ist größtenteils unbekannt. Außerdem müssen auch einige Ausbilder anfangen, die Azubis wie Menschen zu behandeln, da wurden wir schon Zeuge schlimmer Szenen, als Handwerker mit ihren Lehrlingen hier waren. Zum Fremdschämen. Da mussten wir als Kunden eingreifen.

Egone vor 8 Wochen

Sie erwähnen nicht die Hauptursache dieses Problems, nämlich die inflationäre Akademisierung. Im Jahr 2009 gab es laut Statistischem Bundesamt hierzulande erstmals mehr Studenten als Lehrlinge. 20.000 junge Menschen betrug damals die Differenz. Mittlerweile sind es weit mehr: 2,9 Millionen Studenten waren es im Wintersemester 2020/21. Und 1,3 Millionen junger Menschen befinden sich in einer Lehre. Und das passierte nicht deshalb, weil die jungen heute schlauer, gebildeter, geschweige denn eine bessere schulische Ausbildung genossen haben, sondern weil das Ausbildungsniveau und die Ansprüche an Leistung in den Schulen gesenkt wurden und somit viel mehr Schüler überhaupt erst Abi machen und somit die Hochschulen fluten. Ps. fast jeder dritte Studienanfänger bricht nach Angaben des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung ab. Die Studienwechsler sind da nicht mitgerechnet. Hier müßte angesetzt werden!

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