BAFA-Chef im Porträt Torsten Safarik: Wie ein Ostdeutscher Milliarden im Land verteilt

MDR-Wirtschaftsjournalist Ralf Geißler
Bildrechte: Ralf Geißler

Er gehört zu den wenigen Ostdeutschen, die eine Bundesbehörde leiten: Torsten Safarik. Der gebürtige Görlitzer ist Chef des BAFA, des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle. Die Super-Behörde verteilt die Fördermilliarden für Elektroautos und energetische Sanierungen. Sie kümmert sich aber auch um die Genehmigung von Exporten. Unter Safariks Leitung erhält das BAFA insgesamt drei Außenstellen in Sachsen und Sachsen-Anhalt. Ein Ortsbesuch.

Begrüßung von Torsten Safarik, Präsident des BAFA
Der Präsident des BAFA, Torsten Safarik, bei einer Veranstaltung seiner Behörde. Bildrechte: Agentur Sächsische Staatskanzlei

Wer Torsten Safarik in seinem Berliner Büro besucht, kann den Farbfilm getrost vergessen. Ein Raum in Grautönen. Nirgends ein Bild, keine Pflanzen, kein Farbtupfer. Man fühlt sich wie im Finanzamt. Beim BAFA aber werden die Gelder nicht eingesammelt, sondern verteilt.

Herr über "gewaltige Summen"

Der Behördenchef sitzt mit weißem Hemd und schwarz-grauer Krawatte auf einem Polsterstuhl und zählt auf: "Also allein in den ersten elf Monaten dieses Jahres haben wir 5,1 Milliarden Euro an Fördermitteln ausgereicht. Und was viele Menschen in unserem Land gar nicht wissen, auch die ganzen Corona-Hilfen oder die Hilfen für die Flutkatastrophe laufen über das BAFA. Und wenn man die noch dazu rechnet, kommen wir allein in den ersten elf Monaten diesen Jahres auf 49,7 Milliarden Euro. Das sind schon gewaltige Summen."

Safarik sagt, er sei selten hier im Büro, aber viel unterwegs. Die BAFA-Zentrale liegt im hessischen Eschborn, die zweite Außenstelle in Weißwasser. Nun sollen noch zwei Standorte hinzukommen: Borna und Merseburg. Von dort aus werden Safariks Leute die Einhaltung des Lieferkettengesetzes kontrollieren und prüfen: Achten deutsche Firmen bei der Wahl ihrer Partner auf Menschenrechte?

Das Gesetz trete zum 1. Januar 2023 in Kraft, erzählt Safarik: "Und zu diesem Zeitpunkt müssen wir arbeitsfähig sein. Das bedeutet, wir werden im nächsten Jahr natürlich mit dem Aufbau in Borna und Merseburg beginnen. Wir werden im Januar unsere ersten Ausschreibungen durchführen, um neue Kolleginnen und Kollegen zu gewinnen."

Behördenleiter aus Ostdeutschland – die große Ausnahme

Safarik gehört zu den wenigen Ostdeutschen, die eine Bundesbehörde leiten. Er wurde 1965 in Görlitz geboren. Doch seine ostdeutsche Herkunft, sagt er, sei selten Thema. Häufiger werde er auf sein Studium angesprochen: Mathematik in Dresden.

Zahlen hätten ihn schon als Kind fasziniert, als er vom eigenen Computer träumte, sagt Safarik: "Mein erstes Speichergerät war ein Kassettenrekorder. Mein erster Monitor ein kleiner Schwarz-Weiß-Fernseher. Und ich war ganz stolz, wo ich als Jugendlicher von meinen Großeltern, die im Westen lebten, einen C64 geschenkt bekommen hatte, und dann anfangen konnte zu programmieren."

Neuer Arbeitgeber im Braunkohlerevier

Nach der Wiedervereinigung arbeitete Safarik in Behörden, die nachrechnen: Bundesamt für Versicherungswesen, Finanzdienstleistungsaufsicht, Wirtschaftsministerium. Dass er als BAFA-Chef nun mehrere Standorte im Osten eröffne, liege nicht nur an ihm, sagt Safarik. Die alte Bundesregierung habe versprochen, 5.000 Behörden-Jobs in den strukturschwachen Regionen des Ostens anzusiedeln.

Gerade für die Kohlereviere sei das wichtig, so Safarek: "Wir haben uns viele Jahrzehnte auf die Menschen vor Ort verlassen in den Braunkohle-Regionen. Sie haben dafür gesorgt, dass wir Strom hatten und unsere Wohnungen warm wurden. Diese Menschen haben es verdient, dass sie sich jetzt auch auf uns verlassen können, dass sie sich auf den Bund verlassen können und wir vor Ort die Menschen in Arbeit bringen."

Safarik betont, dass er in Weißwasser fast nur Leute aus der Region eingestellt habe. In Borna und Merseburg wolle er es ähnlich handhaben. Vielleicht bringt ein Mitarbeiter ja dann auch etwas Farbe ins Büro. Und vielleicht spielt Safarik zur Eröffnung mal Klavier. Die Musik sei neben den Zahlen seine andere Leidenschaft.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 20. Dezember 2021 | 06:20 Uhr

4 Kommentare

Karl Schmidt vor 5 Wochen

@Atheist:
"Hört sich irgendwie nach Planwirtschaft an"
Sie haben sich den Text vorlesen lassen?
Habe ich wg. Ihnen soeben auch: nix Planwirtschaft!

Stimmt eventuell mittlerweile mit Ihrem Gehör etwas nicht?

Ilse vor 5 Wochen

"5.000 Behörden-Jobs in den strukturschwachen Regionen" - eine schönes Abklingbecken, quasi als Edelhartz4-Empfänger bis zur Rente/Pension.
Warum nur zum Teufel wurde das nicht schon immer so gemacht? Geld konnte doch schon immer gedruckt werden.

kleinerfrontkaempfer vor 5 Wochen

Die Arbeitsmarktforschung zeigt, dass Arbeitgeber solche Menschenbenachteiligen, die von ihnen in sozialer oder ethnischer Herkunftabweichen oder ein anderes Geschlecht haben. Führung im Osten heißt: Westdeutschefördern bevorzugen Westdeutsche – ob bewusst oder unbewusst.
Die wesentlicheren Ursachen für den bis heute bestehenden Mangel an ostdeutschen Führungskräften stehen aber wohl in Zusammenhang mit der Arbeit der Treuhand. Nach deren Ende 1995 hatten über 50% der noch existierenden Betriebe westdeutschen Besitzern. Junge westdeutsche Manager machten in der ehemaligen DDR Karriere und förderten wiederum ihresgleichen,die abermals ihresgleichen förderten. Im Osten greifen bis heute westdeutsche Netzwerke, in Westdeutschland sowieso. Denn nicht nur in der Elite der Wirtschaft, auch in den Chefetagen nahezu aller anderen gesellschaftlichen Bereiche sind Ostdeutsche noch immer unterrepräsentiert – ob Justiz, Verwaltung oder Wissenschaft.
ARD Beitrag vom 02.12.21

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