Ab 12. Dezember Neue Bahn-Preise: Was wird teurer, was günstiger?

Mit dem Fahrplanwechsel am 12. Dezember dreht die Bahn auch wieder an der Preisschraube. Für viele Bahncard-Besitzer wird es teurer. Doch gibt es sogar neue Sparpreise. Und Wochenendpendler zahlen schon seit Juni drauf.

Passagiere mit Gepäck am Frankfurter Hauptbahnhof.
Sparpreise bleiben von den Preiserhöhungen unberührt. Doch diese sind auch an den gebuchten Zug gebunden und können nicht umgetauscht werden. Bildrechte: IMAGO / Future Image

Zum 12. Dezember tritt der neue Bahnfahrplan in Kraft. Dann gelten auch neue Preise im Fernverkehr. Im Durchschnitt wird das Reisen mit der Bahn so 1,9 Prozent teurer. Wir haben uns mal genauer angeschaut, wer nun tiefer in die Tasche greifen muss und für wen die Bahn sogar neue Schnäppchen-Angebote einführt.

Erhöhung trifft Vielfahrer mit BahnCards und Zeitkarten

Teurer wird es ab 12. Dezember für viele Besitzer von Zeitkarten (etwa Wochen- und Monatskarten) und BahnCards.

Für die BahnCard 25 werden in der 2. Klasse dann 56,90 Euro fällig (ein Plus von 1,20 Euro) und für die BahnCard 50 müssen in der 2. Klasse 234 Euro hingelegt werden (ein Plus von fünf Euro). Dies treffe jedoch vor allem Vielfahrer, kritisiert Karl-Peter Naumann vom Fahrgastverband "PRO Bahn" die Erhöhungen: "Wenn Preiserhöhungen unternehmerisch unumgänglich sind oder scheinen, sollte es gerade in Corona-Zeiten die treuen Stammkunden am wenigsten treffen. Hier wäre ein wenig mehr Fingerspitzengefühl seitens der DB angebracht."

Tipp Wer bis zum 11.12.2021 ein Ticket oder eine BahnCard kauft, zahlt bis dahin noch den alten Tarif. Das gilt auch, wenn die gebuchte Fahrt erst nach der Preiserhöhung stattfindet.

Preissteigerungen schon im Sommer 2021 – vor allem für Wochenendpendler

Nahezu unbemerkt von der Öffentlichkeit führte die Bahn schon im Juni dieses Jahres Änderungen beim Flexpreis durch. Dieser ist seit 2015 quasi der Normalpreis für eine Bahnfahrt im Fernverkehr. Wer kein Sparangebot nutzt, zahlt den Flexpreis. Und der kann – je nach Streckenauslastung – variieren. Wir haben das für die Strecke Leipzig-Dresden mal an einem Mittwoch getestet. So kostete die Fahrt bei unserer Stichprobe um 15:30 Uhr 27,80 Euro, eine Stunde später 31 Euro und am Sonntag sogar 34,40 Euro. 

Die Bahn führte im Juni 2021 einen neuen "differenzierten" Flexpreis ein – mit größeren Preisschwankungen nach oben. Dadurch können Preise statt bisher 17 Prozent nun 20 Prozent über den errechneten Normalpreis liegen. Da der Flexpreis erfahrungsgemäß am Wochenende besonders hoch ist, trifft diese Erhöhung Kunden, die an diese Reisetage gebunden sind und nicht auf günstige Alternative ausweichen können.

“Für Wochenendpendler ist das katastrophal, da sie deutlich mehr zahlen müssen als im vergangenen halben Jahr. Dort bestraft die Bahn ihre treuesten Kunden", sagt Marion Jungblut, Leiterin des Teams Mobilität und Reisen beim der "Verbraucherzentrale Bundesverband" (vzbv).

Sparpreise bleiben unverändert

Aber es gibt auch gute Nachrichten für Bahnkunden. Denn die Preise für Sparangebote (Sparpreis und Supersparpreis) bleiben gleich. Marion Jungblut warnt hier jedoch vor zu viel Euphorie. Denn im Gegensatz zu den regulären Fahrkarten sind diese an den gebuchten Zug gebunden und können nicht umgetauscht oder erstattet werden. Lediglich das Sparpreisangebot kann bis zum ersten Tag vor Fahrtantritt gegen eine Gebühr storniert werden.

Da sich Reisepläne aktuell rasant ändern oder wegen Corona ein Lockdown ihnen den Riegel sogar ganz vorschieben könnte, müssen Verbraucher abwägen, ob sich das Risiko lohnt. Denn die Sparangebote sind meistens nur einige Zeit im Voraus zu bekommen.

Junge Leute als Gewinner

Zu den bisher bekannten Sparpreisen kommt nun das Angebot "Young" hinzu, es gilt für Bahnfahrer bis 27 Jahre. Der Sparpreis "Young" ist ab 16,50 Euro, der Supersparpreis schon ab 12,90 Euro erhältlich. Das sind jeweils fünf Euro weniger als die normalen Spar- und Supersparangebote. Die Bahn möchte so mehr kurzfristige Buchungen zu Sonderpreisen ermöglichen. Auch hier gelten dieselben Einschränkungen wie bei den regulären Sparpreisen.

Eine weitere Erleichterung schafft die Bahn für ihre ganz jungen Kunden: Bis zu vier Kinder bis 14 Jahre dürfen jetzt im Fernverkehr mit einer beliebigen Begleitperson reisen. Dazu müssen die Kinder nur auf dem Ticket der Begleitperson eintragen, die mindestens 15 Jahre alt sein muss. Bisher war das kostenlose Mitreisen nur in Begleitung der Eltern oder Großeltern möglich. Alleinreisende Passagiere unter 14 Jahre erhalten (außer bei Buchung des neuen Young-Tarifs) 50 Prozent Rabatt auf Spar- und Flexpreise. Kinder bis sechs Jahre reisen weiterhin kostenfrei und ohne Ticket.

Schnäppchen für Geschäftskunden

Für Unternehmen und Geschäftskunden bietet die Bahn seit November ein echtes Schnäppchen an. Auf die BahnCard 100, mit der Bahnkunden innerhalb Deutschlands rund um die Uhr jeden beliebigen Zug nutzen können, gibt die Deutsche Bahn jetzt einen sogenannten Klima- Rabatt von 50 Prozent.

So kostet die BahnCard 100 in der 2. Klasse aktuell  4.027 Euro und ab dem 12.12.2021 mit der Preiserhöhung 4.114 Euro. Wer nun das neue Angebot nutzt, zahlt zwar zunächst den vollen Preis, bekommt jedoch, wie die Bahn verspricht, 50 Prozent des Preises im 1. Halbjahr 2022 rückerstattet, so dass die "Bahn-Flatrate" nur noch 2.013,50 Euro bzw. 2.057  Euro im Jahr (umgerechnet pro Monat: 167,79 Euro bzw. 171,42 Euro) kostet. Ein Angebot, dass selbst die Abo-Preise so manches regional begrenzten Verkehrsverbundes in den Schatten stellt, zumal mit der BahnCard 100 neben Fernverkehrszügen vielerorts auch innerstädtische Busse und Straßenbahnen genutzt werden dürfen. Zum Vergleich: Das Premium-Abo für den gesamten Tarifbereich des Mitteldeutschen Verkehrsverbundes kostet ab 12. Dezember 252 Euro im Monat.

Das Schnäppchen-Programm erfolgt im Zuge des "Glasgow Commitments". Nach der Klimakonferenz in Schottland will die Bahn Unternehmen motivieren, Geschäftsreisen klimaneutraler zu gestalten. Die Rabattaktion läuft bis zum 23. Dezember und ist für alle Unternehmen verfügbar, die unter “bahn.business” registriert sind und sich bereit erklären, ihre betrieblichen Reiserichtlinien klimafreundlicher zu gestalten. Für Privatkunden gibt es bisher keine Möglichkeit an der Aktion teilzunehmen. Auf die Nachfrage des MDR, ob ein ähnliches Angebot für Privatkunden noch kommen soll, äußerte sich die Bahn bisher nicht.

Quelle: MDR-Wirtschaftsredaktion

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Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 28. Oktober 2021 | 09:45 Uhr

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